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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 545 - 546

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Henryk Glicenstein als Zeichner
Date
1917-11-01
Page
Seite 545 - 546 (sequence 2)
Language
German
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545 Henryk Glicenstein. 546 schmeichelnde Elfenbein, oder das rauhe, wider* strebende Holz — überall erblickt er die künftigen Formen seines Werkes, das er im Herzen trägt. Seine Kohleskizzen dienen ihm nur als stenogra* phische Andeutungen, die Posen seiner Modelle als Wegweiser, die seine Schöpferkraft davor bewahren sollen, daß sie ,. sich im Cha* os des leb* losen Mate* rials verirrt. Sein Hammer, sein Mo* dellierholz, sein Meißel und seine Finger, die* nen ihm in Wahrheit nur dazu, aus dem toten Stoff die prächtigen Formen her* auszuschälen» die er schon vorher mit seinem geisti* gen Auge ge* sehen undge* zeichnet hat. So wird ein saftiger Kern aus einer dicken, form* losen Hülle herausge* schält. Auch wenn der Bildhauer malt, um zu malen, kann er sich von dieser Auf* fassung der Linien und der Zeichnung nicht befreien. Eine Ausnahme von dieser Regel bildet Henryk Glicenstein. Als echter Plastiker hat er in seinen Zeichnun* gen sich selber übertroffen. Der Maler hat in ihm die angeborenen Neigungen des Bildhauers besiegt. Sein heißes Gefühl hat mit seinem kalten Sehen gestritten und es überwunden. In seinen Zeichnungen ist nur die Sicherheit des Bildhauers geblieben, aber nicht dessen Härte und Körperhaftigkeit. Bezeichnend für den Bild* H. GLICENSTEIN; Die Verlassene hauer Glicenstein ist es nur, daß er sich mit Vor* liebe zum Zeichnen der Tinte und der fetten, schwarzen Kreide bedient, wobei jeder einmal ge* machte Strich nicht mehr zurückgenommen werden kann. Diese Sicherheit gaben ihm seine vielen Arbeiten in Marmor und Holz, wo jeder Hieb des .....................Hammers für . : i sich allein : j verantworte :;: lieh ist, und •. ": . ' kein Stich; . des Meißels wieder an* ders gemacht werden kann. Gute Schwimmer versuchen ihre Kraft am liebsten dort, wo der Strom am reißend* sten ist. Doch ab* gesehen von dieser seiner marmornen Sicherheit er* scheint Gli* censtein in seinen Zeich* nungen als echter Lyri* ker und stim* mungsreicher Impressio* nist, weit ent* fernt vom Bildhauer mit seinen plastischen Prinzipien. Seine Skiz* zen, Köpfe und Kompo* sitionen — welch eine Welt von innerlichen Bewegungen, Erlebnissen, Ausdrücken, vorbeihuschenden, durch* sichtigen Schatten! Seelen blicken durch die feinen Striche gleichwie zarte Frauenformen durch ein Tüllgewebe. Und die Menschenhände, die er so gern malt, haben nicht weniger Ausdruck, als seine Menschengesichter. In der Tiefe ihrer Ausführung mit der echtjüdischen, weichen Melancholie, die sie umschwebt, erinnern diese Zeichnungen an D'Israeli, und mit ihrer Knappheit und der Fülle ihres Inhalts an die klassischen Kohlezeichnungen Rem* KREIDEZEICHNUNG

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