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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 539 - 540

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege
Date
1917-11-01
Page
Seite 539 - 540 (sequence 10)
Language
German
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539 Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege. 540 liehe Bedeutung erhalten hat." Emil Rathenau und ein anderer Jude, Ludwig Loewe, sind es gewesen, die zuerst in Deutschland die Massenpräzisionsfabrikation eingeführt [und dadurch der deutschen Industrie vor der schwerfälligen englischen, französischen und russischen den Vorrang gesichert haben, nicht nur in der Elektrizitätsindustrie, sondern auch in der Munitionsfabrikation. Ein österreichischer Jude Siegfried P o }:> p e r aus einem westgalizischen Grenzstädtchen, war der Erbauer neuer, wohlbewährter Schiffstypen; die englische Regierung machte ihm, Jahre vor dem Kriege, die glänzendsten Anerbietungen, wenn er in ihren Dienst treten wollte. Der Erzher zog Karl Stephan würdigte erst vor einigen Monaten, gelegentlich der Eröffnung der schiffsbautechnischen Versuchsanstalt in Oesterreich, die Verdienste dieses Mannes in öffentlicher Rede: ,,Vom Auslande wurde vor Jahren der Versuch gemacht, den Konstrukteur unserer neuen S'chiffstypen für eine dortige Werft zu gewinnen. Der Versuch zerschellte an dem Felsen der Vaterlandsliebe." Ein anderer Jude, Josef Popper aus Böhmen, bekannt unter dem Pseudonym Lynkeus, war der erste, der den Gedanken der elektrischen Kraftübertragung faßte, und da ihm die Mittel zur Erprobung dieser Idee fehlten, sie in einem verschlossenen Schreiben bei der Wiener Akademie .hinterlegte, zwanzig Jahre, bevor ein praktisches Experiment in der Münchener elektrischen Ausstellung durchgeführt wurde. Ein galizischer Jude, namens Moses Bursztyn, wirkte lange Jahre, bis 1904, bei der österreichischen Kriegsmarine als oberster Elektroingenieur im Laboratorium wie im Lehrsaal. Er hat ganze Generationen von Schülern herangezogen. Einer von ihnen, ebenfalls ein Jude, Rudolf Hochstein, dessen Erfindungen sich in diesem Kriege gut bewährt haben, machte bei der italienischen Kriegserklärung durch ein keckes Wagestück großes Aufsehen. Durch einen elektrotechnischen Einfall leitete er üb erstarken Strom in die italienische Telegraphen- und Telephonleitung', machte sie auf der ganzen Linie bis Mailand unbrauchbar und verzögerte so d i e i t a 1 i e n i s c h e M o b i 1 m a c h u n g u m volle acht Tage. Mit Staunen wird man gewahr, daß Juden auch auf dem Gebiete der Waffentechnik eine Anzahl bedeutsamer Erfindungen geliefert haben. Josef S c h u 1 h o f hat das Repetiergewehrsystem konstruiert; der in Kurnik (Posen) 1849 geborene Edmund Zalinski hat ein Ladestockgewehr und einen teleskopischen Gesichtskorn für- Artillerie erfunden, außerdem ein pneumatisches Dynamit-Torpedogeschütz. Diese ^Erfindungen machte er allerdings in Amerika, wohin er in jungen Jahren ausgewandert war, und wo er es bis zum Artilleriehauptmann und zum Professor am Technologischen Institut in Massachusetts brachte. Der gleichfalls im Posenschen (Pinne) geborene Zadeck erfand einen Sprengstoff, der wirksamer ist als Dynamit, und unter •dem Namen „Demonia" bekannt ist. Das erste Benzin-Automobil wurde von Siegfried Marcus aus Malchin gebaut; dieser hat auch den ersten brauchbaren E rdbeb e n a n z e i g e r und den ersten elektrischen Zünder für Unterseeminen konstruiert. Prof. Carl Neuberg hat im Verein mit Dr. C o h n s t e i n wichtige Ersatzstoffe für Glyzerin erfunden, dessen Bedeutung für die Geschoßherstlellun'g ebenso groß ist, wie die des Salpeters. Die drahtlose Elektrizität verdankt ihren Ursprung der umwälzenden Entdeckung der „Strahlen ,elektrischer Kraft" durch den Bonner Physiker Heinrich Hertz,, der einer alten angesehenen Hamburger jüdischen Eamilie entstammte. Unter den jüdischen Forschern, die sich auf dem Gebiete der Chemie ausgezeichnet haben, ist Pro f. Richard W i Iis tätt er, der Nobelpreisträger von 1915, am meisten berühmt geworden. Weniger bekannt ist es, daß die Professoren Frank, Caro und Habe r dadurch, daß es ihnen gelungen ist, das Problem der Gewinnung des Stickstoffes aus der Luft, restlos zu lösen, die Herstellung der Sprengstoffe förmlich revolutioniert haben. Die für die [Munitionserzeugung unentbehrliche Stickstoff Verbindung, der Salpeter, wird nämlich aus Chile bezogen. Da nun Deutschland durch die englische Blockade von diesem Lande völlig abgeschnitten wurde, so hätten wir, ohne die Erfindungen der drei genannten Eorscher, vor der Unmöglichkeit gestanden, Geschosse zu erzeugen. Ein Engländer mußte dagegen in „New Statesman" das sehr schwerwiegende Bekenntnis machen, daß Deutschland jetzt, auch ohne Zufuhr aus Chile „den Krieg unbegrenzt fortführen kann, so weit die Versorgung mit Sprengstoffen in Betracht kommt, es hat aber auch alles, was als erste Bedingung für seine Ernten in Betracht kommt." In der Kreuzzeitung schrieb der konservative Abgeordnete Oekonjomierat D r. H o e is c h , die bedeutendste agronomische Autorität der Rechten über diese „Neus-chöpfungen von/ nie geahnter Großzügigkeit, die begeisternd auf jeden Deutschen einwirken müssen," daß sie der deutschen Landwirtschaft jetzt die Mittel in die Hand gegeben haben,

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