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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 535 - 536

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege
Date
1917-11-01
Page
Seite 535 - 536 (sequence 8)
Language
German
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535 Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege. 536 Von einem anderen Standpunkte betrachtet die zweitgenannte Schrift den Komplex von Fragen, die die deutschen Juden im Weltkriege betreffen. Einige Kapitel dieser Schrift füllen, wenigstens zum. Teil, in dankenswerter Weise eine längst tiefgefühlte Lücke aus . Die deutschen Juden haben in dem letzten Jahrhundert eine so große Anzahl, bedeutender Männer hervorgebracht, die auf allen Gebieten der Wissenschaft und geistigen Kultur Unvergängliches geleistet, daß sie nicht nur einer an Zahl so kleinen Gemeinschaft, sondern einem großen Yolke zur Zierde und zum Kuhm gereichen würden. Es wäre vollkommen gerechtfertigt, ja sogar notwendig, wenn die Juden es unternehmen würden, einmal zu untersuchen, wie groß ihr Anteil an dem Fortschritt der Wissenschaften, der Technik und der Künste ist, seitdem sie zur Teilnahme an der europäischen Kultur und zur Mitwirkung an ihren Schöpfungen zugelassen wurden, von der sie jahrhundertelang durch innere und äußere Schranken abgesperrt waren. Eine solche Heerschau würde klar machen, ob die Juden wirklich nur dem Mammon zu dienen berufen seien, nur dem Götzen des materiellen Erfolges opfern, oder ein wenig auch die Fähigkeit besitzen, sich objektiv und sachlich in das Wesen der Dinge liebevoll zu vertiefen, dem geheimnisvollen Weben der Wirklichkeit nachzuspüren, und ihre Gesetze zu ergründen. Nun liegen die Sachen so, daß die nicht jüdische Oeffentlichkeit und leider auch die Juden selbst in den meisten Fällen keine Ahnung haben, daß der Urheber einer großen Leistung oder eines bedeutenden Werkes ein Jude ist, oder von Juden stammt, es sei denn, daß sein Name (Cohn, Levy oder dergl.) unzweifelhaft darauf hinweist. Dagegen ist es aller Welt geläufig, welche Juden große Reichtümer erworben haben, wobei man immer nur neiderfüllt die Tatsache des Eeichtums hervorhebt, aber das damit verbundene Verdienst der Hebung des allgemeinen Wohlstandes und der Vermehrung des gesamten Nationalbesit/zes gern außer acht läßt. Zumal wenn die Kenntnis von einer unredlichen Handlung auf finanziellem oder kommerziellem Gebiet, infolge eines Prozesses oder dergl. in die Oeffentlichkeit dringt, werden sofort Vermutungen angestellt, daß der Urheber wohl ein Jude sein müsse (man denke z. B. an den Fall Kupfer). Es muß gesagt werden, daß von jüdischer Seite wenig geschehen ist, um diese indenVorurteileneiner längst vergangenen Zeit wurzelnde Anschauung auszurotten, umgekehrt, muß konstatiert werden, daß die Juden unmittelbar viel dazu beigetragen haben, sie zu nähren, indem die G-eistesgrößen jüdischer Abstammung nur,. zu oft ihre Herkunft verbergen, aus Furcht, sie könnte ihrem Fortkommen und ihrer Anerkennung hinderlich sein; wenn sie sich nicht direkt vom Judentum lossagen, jeden Zusammenhang mit ihrer angestammten Gemeinschaft 'zerreißen, so verhalten sie sich wenigstens passiv dem Schicksal ihrer Stammesgenossen gegenüber, dulden es schweigend, daß sie verunglimpft und bedroht werden, geben sich nicht zu erkennen, wenn sie beschimpft werden und tun, als ob sich der Schimpf nicht auch auf sie bezöge, oder als ob sie durch ihre Leistungen über das allgemeine Urteil herausgehoben wären. Dieses durchaus unsittliche und sogar ehrwidrige Verhalten vieler jüdischer Geistesgrößen ist um so beschämender und schmerzlicher, als sie zu allermeist die Leistungen, die sie groß und berühmt gemacht haben, ja zum größten Teil den ererbten Eigenschaften ihrer Rasse, den Tugenden ihres Volkes, der Atmosphäre ihres Elternhauses, häufig auch der direkten Förderung und Unterstützung durch jüdische Gremeinden, Korporationen und Persönlichkeiten zu verdanken haben, die ihnen behilflich waren, die Gleichgültigkeit oder gar die Widerstände zu überwinden, die ihnen der Staat, wenigstens in den ersten Stadien ihres Werdens entgegengesetzt, gerade weil sie Juden sind. Was immer der Einzelmensch durch seine persönliche Kraft erwirbt, ein großer Teil davon, vielleicht der beste, gehört der Gemeinschaft, der er entstammt, und deren Blut und Erlebnissen er, wie aus einem mütterlichen Nährboden, entsprossen ist. Darum ist es sittliche Pflicht des Einzelmenschen, wenn er Großes im Leben erreicht hat, diesem mütterlichen Nährboden das Entnommene zurückzuerstatten, indem er ihn nicht veröden läßt, sondern ihn mit seinen Säften düngt, und neue Kraft in ihn streut. Wenigstens sollte die angestammte Gemeinschaft ein wenig des Ruhmes und der Ehren teilhaftig werden, die ihre wohlgeratenen Söhne in der Welt erworben haben. So oft die Oeffentlichkeit oder irgendeine Partei an einem hervorragenden Mann etwas zu tadeln findet, fängt man sogleich an, nachzusohnüffeln, ob nicht durch irgendeine seiner Groß- oder Urgroßmütter ein Tröpfchen jüdischen Blutes in seine Adern sich hineingestohlen habe, woher das ganze Uebel stamme. Wäre es da nicht Ehrenpflicht aller jener Männer, die wirklich jüdischer Herkunft sind, und erst recht Ehrenpflicht der Volljuden, die vermöge ihrer Leistungen sich einen ruhmvollen Namen in der Welt erworben hahen, stets ihrer Herkunft eingedenk zu sein?

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