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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 531 - 532

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege
Date
1917-11-01
Page
Seite 531 - 532 (sequence 6)
Language
German
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531 Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege. 532 Körperkraft einsetzen. „Es wäre verkehrt, ans schließlich den Grad der körperlichen Tüchtigkeit gelten zu lassen als Maßstab für den Wert der Angehörigen einer Konfession für die Wehrmacht und für alles, was für der Vaterlandsverteidigung im weiteren Sinne beim heutigen Stand der Wissenschaften auf allen Gebieten und dem mächtigen Einfluß des Wirtschaftslebens auf den militärischen Erfolg in Betracht kommt." „Ohne die hervorragend körperliche Tüchtigkeit der Katholiken wäre es nicht gegangen — man denke nur an die fabelhaften Leistungen der Bayern —, aber auch nicht ohne die geistigen Kräfte und leitenden Persönlichkeiten, die die evangelische Nation in weit größerem Maße gestellt hat, als ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung entspricht." Wäre es aber ohne die Arbeit Walter Rathenaus und Albert Ballins gegangen? Ohne die Arbeit Hunderter von Juden, die an unansehnlichen Stellen ihre organisatorischen Fähigkeiten, ihr Wissen und Können, ihre Erfahrung und Weltkenntnisse in den Dienst des Vaterlandes stellten? Da ist z. B. Meyer-Düsseldorf zu nennen, dessen Name nur wenigen bekannt ist. Er war es, der die „mustergiltigste der geschaffenen Kriegswirtschaften", die Kriegsgetreidegesellschaft, jetzt Reichsgetreidestelle, organisiert hat. „Meyer-Düsseldorf ist jetzt Meyer-Konstantinopel. Er ist ganz offiziell Lebensmitteldiktator des türkischen Reiches, ein Amt, das verhindern soll, daß die Türkei wegen mangelnder Organisation der Landwirtschaft und der Lebensmittelverteilung von ihren und unseren Feinden auf die Knie gezwungen werde. Es ist die deutsche Regierung, — der Ehrgeiz der türkischen sträubte sich gegen Einsetzung eines ausländischen Lebensmitteldiktators, — die darauf bestanden hat, daß der Jude Meyer mit diesem Amt betraut werde, das er, sehr zum Schaden der deutschen Kriegswirtschaft, in i Deutschland nicht hätte. bekleiden können . . ." Eine Statistik, welche sich nur an die allergröbsten äußerlichen Tatsachen hält, rechnet nach, wieviel Juden etwa weniger auf dem Schlachtfelde gefallen oder verwundet wurden, zählt aber nicht die schweren Krankheiten des Leibes und der Seele, die sich die' Kriegsteilnehmer auf eben demselben S'chlachtfelde, in den Bureaus, in den chemischen Laboratorien, in den Lazaretten holen und die sie vielleicht das ganze Leben begleiten werden. Nun partizipieren die einzelnen Konfessionen an diesen Krankheiten im geraden Verhältnis zur Breite ihrer Bildungsschicht und ihrer städtischen Bewohnerschaft. Das gilt besonders von den Nervenkrankheiten, zu denen die Juden schon im Frieden einen unverhältnismäßig hohen Prozentsatz stellten, und die in diesem Kriege unter ihnen erschreckend hohe Opfer fordern. Wer . wagt, zu entscheiden, ob der dem Vaterlande gezollte Tribut an Leib und Leben größer ist, als der an Gesundheit der Nerven und der Seele? Es gibt noch eine Reihe von Ursachen, die die Anzahl der gefallenen und verwundeten Juden im Verhältnis zu ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung scheinbar verkleinern, und die vom Verfasser lichtvoll, an der Hand von statistischen Tabellen, dargelegt werden: Wenigstens eine davon sei hervorgehoben. Taufe und Mischehe. Die getauften männlichen Sprößlinge jüdischer Eltern, die im Kriege fallen oder verwundet werden, ebenso die männlichen Sprossen aus Mischehen, die fast durchweg christlich erzogen werden, figurieren natürlich in den Reihen der gefallenen Christen, wahrend ihre jüdischen Eltern und Verwandten der jüdischen Bevölkerung zugezählt werden; sie vermindert also den Prozentsatz der jüdischen Gefallenen und! Verwundeten, während ihre noch jüdisch gebliebenen Verwandten den Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung erhöhen. Der Verfasser stellt die Tatsache fest, daß Angehörige aller Konfessionen die Aerzte bestürmt» haben, ihnen Zeugnisse auszustellen, durch die sie hoffen durften, vom Dienst oder wenigstens vom Schützengrahen befreit z,u werden! ,,Aber all diese Versuche waren bei keiner der Konfessionen so zahlreich, daß die 'Fälle, in denen sie Erfolg gehabt haben konnten, statistisch ins Gewicht, fallen können. Die Angehörigen aller Konfessionen haben in diesem Kriege solche Hingabe und Aufopferung bewiesen, daß es schweres Unrecht gegen ihre Gefallenen, ihre Verwundeten und deren Hinterbliebene wäre, solche, in allen Lagern vorkommenden Fälle zu verallgemeinern." Jeder Einsichtige wird dem Verfasser beistimmen müssen, wenn er schließt: „Die Verwendungsfähigkeit der Angehörigen der einzelnen Konfessionen läßt sich nach ihrer Anzahl, nach ihrem Prozentsatz im Heere, nach der Zahl ihrer Verwundeten und Gefallenen und ihrer militärischen Tauglichkeit nicht beurteilen. Die Kreise der drei Konfessionen sind drei Ringe, die fest ineinandergeschweißt, Glieder einer Kette bilden, die gerade dadurch, daß jede an einer Stelle sich befindet, für die sie 'sich besonders eignet, unzerreißbar ist, eine Kette, die die Feinde ringsum bisher vergeblich sich bemühten zu durchbrechen und gegen die sie auch künftighin vergeblich anstürmen werden, wenn ihre Glieder sich als untrennbares Ganzes fühlen." * * *

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