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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 215 - 216

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Friedensziele der Juden
Date
1917-07-01
Page
Seite 215 - 216 (sequence 2)
Language
German
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215 Friedensziele der Juden. 216 über ihre gemeinsamen Wünsche, Bedürfnisse, Aussichten und Befürchtungen zu beraten und ihnen vor der weitesten Öffentlichkeit Ausdruck zu geben, besonders in einer Zeit, die vielleicht der Ausgangspunkt tiefgehender Umwälzungen werden wird, denen die Judenheit in ihrer Gesamtheit unmöglich entrinnen kann. Nur muß man sich hierbei über den großen Unterschied klar werden, der zwischen den Kongressen der Juden und denen anderer Gruppen religiöser, ethnischer oder sozialer Struktur besteht. Ganz abgesehen nämlich von den Friedens- oder anderen Kongressen der staatlichen Mächte, werden hinter jedem auch der anderen Kongresse reale, weltbewegende Gewalten stehen; hinter einem Katholikenkongreß stehen die Kirchen der auf ihnen vertretenen Länder oder gar die gesamte katholische Weltkirche mit ihren unerschöpflichen gebietenden Kräften idealer und realer Natur; hinter einem Gewerkschafts- oder Sozialistenkongreß steht die organisierte Arbeiterschaft ganzer Länder, mit der Klassen und Regierungen zu rechnen gezwungen sind. Diese Kongresse führen wirkliche Zwiegespräche mit der Welt, welche aufhorcht, wenn sie reden und zu Ihren Wünschen, die häufig mehr sind als Wünsche, Stellung nimmt. Ein jüdischer Kongreß kann nur Monologe führen, nur die Zeitungen nehmen von ihnen Kenntnis, aus Höflichkeit oder auch nur, um die Neugierde und das Sensationsbedürfnis der Leser zu befriedigen; hinter ihm steht keine irgendwie organisierte Macht, die nötigenfalls irgendetwas mit Gewalt erzwingen könnte; seine Wünsche müssen Wünsche bleiben, und es hängt meist nicht einmal von dem guten Willen der Teilnehmer und ihrer Auftraggeber ab, ob sie etwas zu deren Erfüllung beitragen können. Keine, auch nicht die allerkleinste Macht auf dieser Erde, braucht sich an die Beschlüsse eines jüdischen Kongresses zu kehren oder sich gar an sie gebunden zu halten. Nichtsdestoweniger kann die Aussprache auf einem jüdischen Kongreß für die Juden selber bedeutungsvoll werden, indem sie eine Klärung der Anschauungen, einen Ausgleich widerstreitender Meinungen herbeiführt, Richtlinien für gemeinsames, zielbewußtes Streben zeichnet und vor allen Dingen die jüdische Oeffentlichkeit vor Mißgriffen und Fährnissen warnt, und die nichtjüdische über das wahre Wesen der jüdischen Bestrebungen, Hoffnungen und Wünsche aufklärt. Allein, eines darf man nie aus den Augen verlieren, nämlich, daß alldem lediglich eine ideale Bedeutung zukommt, und daß es eine arge Selbsttäuschung wäre, zu meinen, wir könnten auf anderem, als rein idealem Wege unsere Wünsche in die Tat umsetzen oder unseren Bedürfnissen Befriedigung verschaffen. Um so mehr ist es pflichtgemäße Aufgabe jeglicher Vorbereitung zu einem jüdischen Kongreß, dafür Sorge zu tragen, daß die Teilnehmer über alle Einzelfragen des Gebietes, das sie beschreiten sollen, genau unterrichtet seien, damit sie nicht aus unrichtigen Voraussetzungen zu falschen Schlüssen gelangen, die dann, mit der Autorität des Kongresses bekleidet, zu dauernden Elementen der öffentlichen Meinung werden und diese in irrige Bahnen lenken. Solches kann auf lange Zeit hinaus nach innen und nach außen verderblich wirken. So gering nämlich im Verhältnis der Nutzen ist, den die zutreffenden und der wirklichen Sachlage entsprechenden Kundgebungen und Beschlüsse eines jüdischen Kongresses schaffen, und so wenig sie unmittelbar zur tatsächlichen Verbesserung des Zustandes der Juden und zur Förderung ihrer Interessen beitragen können, so groß kann der Schaden sein, den seine aus irrigen Annahmen und verkehrter Auffassung entspringenden, auch noch so harmlos gemeinten Aeußerungen, anrichten, sei es dadurch, daß sie die Bemühungen der jüdischen Gesamtheit auf verfehlte Ziele hinlenken; oder daß sie, von dem stets wachsamen Judenhaß aufgefangen, absichtlich mißdeutet und entstellt, als Waffe gegen unsere berechtigten Forderungen mißbraucht werden. Man muß von diesem Gesichtspunkte aus die Programme und allgemeinen Grundsätze prüfen, die für den Kongreß in Amerika und für den von der römischen Gemeinde vorgeschlagen aufgestellt worden sind. Was den amerikanischen Kongreß anbetrifft, so sind über sein Programm verschiedene, zum Teil einander widersprechende Nachrichten nach Europa gedrungen; wenn man sie zusammenhält und das Gemeinsame heraushebt, ergeben sich folgende Grundsätze, mit deren Forderung der Kongreß ,,den Juden jenseits des Ozeans" wirksam aus der Not helfen zu können hofft: Er will Maßnahmen erwägen, zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, unter Abschaffung aller gegen sie gerichteten Ausnahmegesetze, wobei der Ausdruck „volle Gleichberechtigung" so zu verstehen ist, daß die bürgerlichen, religiösen und politischen

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