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Ost und West · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1917) · p. Seite 159 - 160

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1917)
Article
Alte Almemorgitter
Date
1917-05-01
Page
Seite 159 - 160 (sequence 2)
Language
German
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159 Alte Almemorgitter. 160 wertig erscheinen und zu dem besten rählen, was jüdische Schmiedekunst aller Zeiten hervorgebracht hat. Das Auftreten von Tiergestalten im Rankenwerk wird in Anbetracht der Beliebtheit tierischer Motive in der Malerei dieser Bethäuser nicht weiter verwundern können. Nicht unähnlich ist die Almemorbrüstung gebildet, die auf Abb. 3 ersichtlich ist und der abgebrochenen ,,Zigeuner * Synagoge" zu Prag entstammt; sie ist z. Z. eines der beachtens* wertesten Stücke des Mu* seums der Prager Kultus* gemeinde und wird in ihrer künstlerischen Wirkung nur beeinträchtigt durch die messingenen Ständer. Kühnes, an die Schmuck? freudigkeit des Rococco erinnerndes Rankenwerk schwingt sich um den Davidsstern jedes Feldes, in dessen Mitte sich der Schwedenhut befindet, das Wappen der Prager Ju* denschaft, das dieser für die Verdienste um die heldenmütigeVerteidigung der Stadt im '30 jährigen Kriege durch kaiserliche Gnade verliehen worden war. Ein noch zu Beginn desEmnazipationsjahrhun* derts feststellbares Aus« klingen dieses überhöhten Gittermotives können wir in der — offenbar durch das nahe Polen beein* flußten — Synagoge in Kempen (Posen) nach* weisen. Nur ist hier das Gitter in Eisengußtechnik erstellt, eine nach den Freiheitskriegen einsetzen* de und bald sehr beliebt gewordene Herstellungsart, Abb. 5. Neüzedlisch (Böhmen) jetzt in Tachaul768 die indessen an Kunst* wert erheblich der Schmiedetechnik früherer Zeiten nachsteht. (Abb. 4). Polnische Einflüsse scheinen auch beim Aufsetzen eines eisernen Gitters auf die Holzbalustrade der westböhmischen Synagoge in P e t s c h a u3) mitgewirkt zu haben. Während bei den bisher erwähnten Beispielen der Almemor sich noch am alten Platze befindet, zeigen die nächsten, in welcher Weise die Gemeinden die Gitter verwendeten, als sie — sei es aus Reform* bedürfnis oder, um durch Entfernen des Almemor 3) abgebildet in Grotte a Brande i. J. 1901 a. O., Abb. 49 nach dem mehr Platz für Sitze zu beschaffen — die Estrade fortschafften. Es ist anerkennenswert, daß man hierbei den Gittern einen Ehrenplatz zuwies, ein rücksichtsvolles Vorgehen, das leider bei solchen Umbauten nicht in allen Gemeinden feststellbar ist. Gewöhnlich ging mit dieser Veränderung des Almemor ein Vergrößern des Platzes vor dem „heiligen Schrein" Hand in Hand; man betonte diesen dadurch kräftiger und bildete ihn nach dem Vorbilde kirchlicher Innenräume zum „Altar". Diese Umwandlung wurde dadurch noch gleichsam unterstrichen, daß man nach kirchlichem Vorbilde die alten Almemorgitter zur „Altarbrüstung" ver* wandte, zur Einfriedigung dieses erhöhten Platzes, der nun auch zum Alme* mor wurde, indem der Tisch zum Auflegen der Thorarollen als „mensa" hier seinen Platz fand. Am deutlichsten (und von mir auch urkundlich nachge* wiesen) zeigt sich dieses Umstellen der Gitter in der ehemaligen Synagoge zu Neüzedlisch (West* böhmen [Abb. 5]4). Das* selbe gilt auch von den künstlerisch noch bedeut* sameren Gittern in der un* weitbefindlichenSynagoge zu Kuttenplan, wo wir abermals dem Schweden* hut im Rahmen des Da* vidsternes begegnen; hier sind auch Halter für die Totenlichter des Versöh* nungstages angeordnet (Abb. 6). Eine m.W. einzig* artige Verwendung der ehemaligen Almemorgitter zeigt endlich die bis ins 16. Jahrhundert zurück* zuführende, wiederholt umgebaute Synagoge zu Schnaittach in der bayrischen Oberpfalz. Hier wurden sie zum Verkleiden der beim Ausbau einer „Frauenschule" notwendig gewordenen Wanddurch* brüche angeordnet. Form und Technik dieser Gitter lassen auf das 18. Jahrhundert schließen. (Abb. 7.) 4) Der Verfasser hat diese in überaus feiner Technik gearbeiteten Gitter bei dem von ihm entworfenen und geleiteten Neubau der benachbarten Synagoge in Tachau wiederverwendet.

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