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Ost und West · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1917) · p. Seite 157 - 158

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1917)
Article
Alte Almemorgitter
Date
1917-05-01
Page
Seite 157 - 158 (sequence 1)
Language
German
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157 Alte Almetnorgitter. 158 Abb. 3. Ehemalige „Zigeuner"s Synagoge (jetzt im jüdischen Museum) Prag ALTE ALMEMOROITTER. Studie nach eigenen Aufnahmen von Professor Dr. Ing. Alfred Grotte in Posen. Mit der zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein* setzenden Reform des Gottesdienstes ist aus den alten Synagogen größtenteils auch ein Schmuckmotiv verschwunden, das in seiner künstlerischen Note nicht hoch genug eingeschätzt werden kann — der aitehrwürdige Almemor. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die ältesten Gemeinden, als sie das Programm ihres Synagogenneubaues aufstellten, die Anlage eines künstlerisch betonten Platzes forderten, der schon zufolge seiner äußeren Erscheinung ausdrücken sollte, daß er besonders heilig sei; heilig als Stätte der Vorlesung des Wortes Gottes. Darum erhöhte man diesen Platz um einige Stufen, wie es auch die talmudische Vorschrift fordert. Die so geschaffene Estrade mußte naturgemäß eine Brustwehr erhalten, aus Stein, Holz oder Eisen. Auf diese Weise wurde der Almemor, dessen Name ein verballhorniertes ara* bisches Wort darstellt, ebenso zum „heiligen Gehege" wie der Raum vor dem Schrein; beide stellen — wenn das Nationalheiligtum der Juden durchaus als Vorbild der Synagoge verglichen werden soll — das „Heilige" dar, die Stätte, die dem Volke nur bedingt zugänglich war.1) Die Almemorbrüstung wurde je nach den in der Umgebung vorfindbaren Baustoffen erstellt; l) Vgl des Verfassers Werk: „Deutsche, böhmische und polnische Synagogentypen des XI. bis XIX. Jahrh." Berlin 1915. Zirkel ^Verlag. Diesem Werke sind auch einige der beigefügten Abbildungen entnommen. in waldreichen Gegenden aus Holz, zumeist aber in Eisen. Hier scheint Polen den Ausschlag ge* geben zu haben, dessen Bethäuser eiserne Brüstungen mit Vorliebe verwenden und diese über dem Almemor baldachin oder tabernakelartig zu* sammenschließen. Hier haben — gerade in dieser weniger zwecklich * notwendigen als vielmehr künstlerischen Absicht — zweifellos kirchliche Vor* bilder mitgewirkt, vielleich jenes des gigantischen Bernini'schen Tabernakels in St. Peter. Später hat sich diese Form, deren wohl ältestes Beispiel in der Synagoge in Krakau * Kazmierz2) nachweiss bar ist, abgeschwächt und sich unter Verzicht des oben zusammenschließenden Baldachindaches auf eine erhöhte Brüstung beschränkt. Die beigegebenen Abbildungen bringen Brüstungen einiger vom Verfasser erforschten Gotteshäuser und sollen die Entwickelungsgeschichte dieses Gitterwerkes ver* bildlichen. So erscheint Abb. 1 als eine Nachbild dung des oben genannten Krakauer Tabernakels, künstlerisch mit diesem auf gleicher Höhe stehend, wenngleich in seinen Formen nüchterner und ein* facher. Das prächtige Beispiel aus Zolkiew (Galiz.) zeigt hohe gewundene Eisenstützen (Abb. 2), die sich oben zu einem breiten Friese vereinigen; seine handwerkliche Ausführung, die Formengebung nach dem Vorbild der Rankenornamente deutscher Renaissance, lassen dieses Gitter künstlerisch hoch* 2) Abbildung in Heft III/IV Mitteilungen der Ges. z. Erforsch, jüd. Kunstdenkmäler 1903 (nach Essenwein)•

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