Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1917)
- Article
- Rumänien und seine Juden
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 139 - 140 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583875-2584069-2584072-2605703--16550-2605752- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
139 Kriegsliterafur. 140 Man sieht, die alteingesessenen rumänischen Juden, die seit Generationen im Lande -wohnten und dort als in ährer Heimat eingewurzelt waren, strebten nach einer Versöhnung mit dem rumänischen Element; die neuerdings eingewanderten, die das Land nur als vorübergehenden Aufenthalt betrachteten, und größtenteils unter fremdem Schutz standen, wünschten eine ausländische Intervention herbei. Sehr bezeichnend sind die mit so viel Ueberlegenheit und Selbstsicherheit vorgetragenen Ansichten jenes seit Jahren in Rumänien etablierten westeuropäischen Bürgers eines hochzivilierten Staates, der Land und Leute 'so gut zu kennen versicherte und auf die Intervention des Kongresses die glänzendsten Hoffnungen baute. Die nächsten Monate haben seinen rosigen Optimismus, obgleich er in einzelnen Punkten die Sachlage richtig beurteilte, arg zu schänden gemacht. Wie schlecht man im Westen über die Balkanvcrhältnisse unterrichtet war, zeigt ein anderer Artikel in der Nr. 14 desselben Blattes, der die Alliance Israelite Universelle, die Anglo Jewish Association und die Wiener Israelitische Allianz aufforderte, bei ihren respektiven Regierungen sich dafür zu verwenden, daß den Juden in dem durch den Vertrag von San Stefano geschaffenen Neubulgarien gestattet werde, im Lande zu bleiben, aber die Protektion irgend einer fremden Macht anzunehmen, wie denn auch in Rumänien eine Masse Schutzbefohlener oder Proteges fremder Staaten existieren. „Man könnte die Juden Bulgariens aber auch die Protektion wählen lassen, die ihren Interessen am meisten zusagt. Sobald der Kongreß wirklich zustande kommt, wären die Bemühungen energisch nach diesen Zielpunkten zu richten." Ein glückliches Geschick hat es verhütet, daß die Bemühungen energisch nach diesem Zielpunkt gerichtet wurden. Sonst wäre den Juden Bulgariens das Schicksal ihrer rumänischen Brüder zuteil geworden, während sie sich jetzt in diesem Lande voller bürgerlicher und politischer Gleichheit erfreuen. KRIEGSLITERATUR. Von zwei Büchern fühlt man sich gedrängt, wenigstens einige Worte zu sagen, da jetzt weder die Zeit noch die Stimmung es erlaubt, sieh in sie mit der gebührenden Andacht und Sammlung zu vertiefen, um sie erschöpfend zu würdigen. Das sind aber auch, gottlob, keine Kriegsbücher, sondern Friedensbücher im hervorragenden Sinne. Der Krieg hat sich zwischen sie und das Publikum gestellt und ihr Bekanntwerden gehemmt. Es sind dies die beiden von der „Gesellschaft zur Förderung def*Wissenscbaf t des Judentums" herausgegebenen Bücher „Geschichte des jüdischen Gottesdienstes" von J. Elbogen und „Moses ben Mainion, sein Leiben, seine Werke, sein Einfluß1). Elbogens Werk darf, was Größe des Gegenstandes, Hohe des wissenschaftOichen Standpunktes und Schönheit der Darstellung anbetrifft, Zunzens ,,Gottesdienstlichen Vorträgen" verglichen werden. Es fußt auf einer nahezu hundertjährigen, reichen, allseitigen, mit den Mitteln moderner Wissenschaft arbeitenden Forschertätigkeit. Die Klarheit und Vornehmheit den Diktion, sowie die Abgeklärtheit und Ruhe des Urteils, machen das Buch zu einer erquickenden Lektüre; man flüchtet gern zu ihm aus dem Getöse des Weltkrieges und wandelt an der Hand des Verfassers durch diese heiligen Hallen, in denen der Friede und die Weihe walten und der Diämmer von drei Jahrtausenden durch das Licht moderner Wissenschaft milde erhellt wird. 1) Beide bei Gustav Fock in Leipzig. Einige der bedeutendsten jüdischen Gelehrten deutscher Kultur haben sich vereinigt, um den Manen des großen Lehrers und Führers Maimonides zu seinem siebenhundertsten Todestag ein Denkmal aufzuführen. Zweiundzwanzig Abhandlungen vereinigen sich zu zwei stattlichen Bänden und bemühen sich, die verschiedenen Seiten dieser großen Persönlichkeit zu beleuchten. Wir haben vor uns eine Reihe prächtiger Monographien, die vereint ein, man möchte sagen, Mosaikporträt des Gefeierten geben. Von uns Heutigen, die wir im Zeitalter des Spezialistentums leben, kann in den meisten Fällen ein Einzelner nur zu einem oder int besten Falle zu einigen Seiten dieses so reichen und allseitigen Geistes ein Verhältnis haben. Und doch hat jeder das Bedürfnis, einen Blick auch in die anderen ihm nicht unmittelbar zugänglichen Gebiete des Schaffens Maimunis zu tun. Hier haben sich nun Fächmänner ersten Ranges vereint, (und jeder ist bestrebt, von seinem Gesichtsfeld aus die Gesamtkonstruktion dieses Riesenintellekts zu begreifen. Dem Leser bietet sich dadurch eine ausgezeichnete Einführung in das ganze Lebenswerk des Maimuni und ein fesselndes Bild seiner vielbewegten, in allen Farben des Orients schillernden und 'vom Lichte des' Occidents beschienenen, Zeit. Möchte sich bald ein Meister finden, der uns ein einheitliches, aus einem Block gehauenes Bild des Maimonides schenkt, Maimonides, der heute noch so lebendig ist, wie als er auf Erden wandelte; das edelste Material dazu haben die Verfasser und Herausgeber des vorliegenden Gedenkbuches vorbereitet.