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Ost und West · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1917) · p. Seite 123 - 124

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1917)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1917-03-01
Page
Seite 123 - 124 (sequence 1)
Language
German
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123 Rumänien und seine Juden. 124 RUMAENIEN UND SEINE JUDEN. Von Dr. S. Schiffer. IV. DAS ENDE DER KONSTANTINOPELER KONFERENZ UND DER PARISER REUNION 1876. Wie erinnerlich, war auf Betreiben Englands und Rußlands eine Botschafter Konferenz ' der Großmächte anberaumt worden, die in Konstantinopel zusammen mit der Pforte über eine Neuordnung der Dinge auf der Balkanhalbinsel beratschlagen sollte. Die Anglo Jewish Association und die Alliance beriefen nach Paris eine Reunion von jüdischen Notabein aller Länder, die auch in stattlicher Zahl herbeieilten und unter dem Vorsitz von Adolphe Cremieux fünf Tage lang über (die Mittel berieten, bei der bevorstehenden Botschafterkonferenz in 'Konstantinopel für die Verbesserung des Loses der Juden, besonders in Rumänien, eine Aktion einzuleiten. Eine meisterhafte Denkschrift wurde mit viel Umsicht und diplomatischer Weisheit (abgefaßt und im Namen der Gerechtigkeit und 'Humanität sowie der politischen Zweckmäßigkeit die Forderungen der Juden würdig, aber maßvoll dargelegt. Was war nun das Schicksal dieser Aktion? Die Denkschrift wurde an die Regierungen von Deutschland, England, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Italien und der Türkei durch eigene Deputationen, bestehend aus Bürgern dieser Staaten, überreicht. Eine besondere Deputation des Zentral-Komitees der Alliance überreichte die Denkschrift dem russischen Botschafter in Paris, Fürsten Orlow, mit der Bitte, sie an seine Regierung gelangen zu lassen. Der Fürst empfing die Deputation mit ausgezeichneter Herzlichkeit und drückte die Ueberzeugung aus, ,,daß in der Türkei zugunsten der Christen nichts unternommen werde, was nicht auch den Juden zugute käme." Der französische Minister des Aeußern, Herzog von Decazes, empfahl seinem Botschafter in Konstantinopel das Mitglied |des Zentral-Komitees Charles Netter, einen der unermüdlichsten Vorkämpfer der Juden im Orient, und dieser konnte den Vertretern der Großmächte in Konstantinopel je ein Exemplar der Denkschrift überreichen. Die Antworten der Regierungen ließen nicht lange auf sich warten. Zuerst kam der englische Minister des Aeußcren Earl o'f Derby, der als Lord Stanley seinerzeit die feurige Rede gegen die Mißhandlung der Juden in Rumänien gehalten hatte. Der englische Minister des Aeußeren also richtete an die Anglo Jewish Association einen Brief, den er gleichzeitig im Daily Telegraph vom 29. Dezember 1876 publizieren ließ, um ihm die größtmögliche europäische Publizität zu verleihen. Der Brief besagte u. a.: ..Meine Herren, es war mir ein großes Vergnügen, Sie heute zu empfangen und Ihr Anliegen zu vernehmen. Ich habe Ihre Worte mit Interesse und Aufmerksamkeit angehört . . . Sie können überzeugt sein, daß unter der gegenwärtigen Regierung, und, ohne Zweifel, unter jeder anderen Regierung, die je in diesem Lande erstehen wird, die englische Politik in Zukunft keine andere sein kann, als wie sie bisher stets gewesen ist, d. IV. sie wird stets alle Bestrebungen unterstützen, die dahingehen, die Rechtsunterschiede zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen aufzuheben. Die Wahrheit in betreff alles dessen, was Sie mir in bezug auf die Verfolgungen — man kann sie nicht anders nennen — gesagt haben, denen die Juden in Rumänien (und Serbien) ausgesetzt sind, ist uns bekannt. Seien Sie überzeugt, daß der Einfluß unseres Landes sich in der Weise geltend machen wird, die uns die klügste und praktischste scheint,, um derartigen Vorkommnissen in Zukunft vorzubeugen . . . Ich gebe Ihnen den Rat, bei jeder günstigen Gelegenheit an jene Macht zu appellieren, die Sie besser als jede denkbare Regierung zu unterstützen vermag: nämlich die öffentliche M e i nu n g. Jeder Akt der Intoleranz, der wo immer in irgendeinem unbekannten Winkel von Europa verübt wird, kann keine Sympathie und keine Nachsicht bei der allgemeinen Meinung des bekannten Europa finden. Vorläufig brauche ich Ihnen nicht mehr zu sagen. Ich möchte nur wiederholen, daß ich glücklich sein werde, mich: mit Ihrer Gesellschaft (nämlich der Anglo Jewish Association) in Verbindung zu setzen, so oft Sie es wünschen werden und mit allen Mitteln, die meiner Macht zur Verfügung stehen, an der Lösung dieser Fragen, die uns gemeinsam angehen, mitzuwirken." An demselben Tage richtete der französische Minister des Aeußern, Flcrzog von Decazes, an Adolphe Cremieux einen Brief, in welchem er ihm versicherte, daß er (wie erwähnt) dem französischen Botschafter in Konstantinopcl, Grafen de Bourgoing, Herrn Charles Netter aufs wärmste empfohlen habe. Die Ansichten der französischen Regierung betreffs der Fragen, mit denen die Alliance Israelite Universelle sich befaßt, seien genügend bekannt, und er, der Minister, habe es nicht erst nötig, ausdrücklich zu versichern, ..daß die Unterstützung unseres Bevollmächtigten den Israeliten im Orient im voraus sicher ist in allen Verhandlungen, die sich auf deren Interessen und Rechte beziehen könnten." Die römische ,,Opinionei: brachte am 1. Januar , 1877 die Nachricht, daß eine Deputation des dortigen Komitees der Alliance, geführt von Herrn Samuele Alatri, vom italienischen Minister des Aeußeren, Melegari, empfangen wurde, der ein Exemplar der Denkschrift entgegennahm und versicherte, daß seine Regierung fest entschlossen sei, die vollständige bürgerliche und politische? Gleichheit aller Konfessionen im Orient zu verteidigen; es dürfe an Rumänien und Serbien keine Konzession gemacht werden, nur unter der Bedingung, daß sie den Israeliten Gleichberechtigung gewänren. Am 7. Januar 1877 erhielten die Herren Dr. Kristeller und B. H. Goldschmidt in Berlin folgendes Schreiben des Staatssekretärs des! Aeußern, von Bülow (Vaters des Fürsten Bernhard Bülow): „Der Herr Reichskanzler hat mit großem Interesse von Ihrem Brief vom 31. Dezember mitsamt den Anlagen und meinem Bericht über die mir mündlich erteilten Erklärungen Kenntnis genommen. Der Herr Reichskanzler hat an-

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