Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1917)
- Article
- Zur Eröffnung der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 89 - 90 (sequence 1)
- Language
- German
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89 Zur Eröffnung der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Phot. M. Mandowsky, Berlin Vorraum der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde^zu Berlin ZUR EROEFFNUNO DER KUNSTSAMMLUNG DER JUEDISCHEN GEMEINDE ZU BERLIN. Von Moritz Stern. Berlin ist um eine neue kulturgeschichtliche Sehenswürdigkeit reicher geworden. Ein jüdisches Museum hat seine Pforten geöffnet. Gern komme ich der Aufforderung nach, über den jüngsten Schatz der jüdischen Gesamtheit auch den Lesern dieser Zeitschrift zu berichten. Albert Wolf*) in Dresden (gest. 1907), der für „Ost und West" kein Fremder ist — im Jahr? gang 1903 steht von ihm ein Aufsatz „Daniel Chodowiecki und Moses Mendelssohn" — war als Sammler jüdischer Altertümer und Kunstgegen? stände bekannt. Von Liebe und Begeisterung für das Judentum erfüllt, scheute er keine Zeit, Mühe und Kosten, um seine Sammlung zu vermehren. Es war ihm eine heilige Lebensaufgabe, die Zeug* nisse jüdischer Kunst und Kulturbetätigung, soweit sie noch käuflich waren, vor der Verschleuderung oder gar vor dem Untergange zu bewahren. So *) Siehe meine Ausführungen in „Albert Wolf. Ein Gedenkblatt", Berlin 1917, Verlag „Mausfreund." häuften sich in seinem Hause Münzen, Medaillen, Siegel, Stempel, alle Arten von Kunst? und Kultus? geräten, Kupferstiche, Zeichnungen, Photographien, illustrierte Manuskripte, Autographen, seltene Ge* legenheitsschriften und Drucke. Alle diese wert* vollen Dinge sammelte er nicht, um damit zu prunken oder sich egoistisch an ihrem Besitze zu ergötzen. Er stellte sie in den Dienst des Juden? tums. Es war ihm Bedürfnis zu zeigen, was die Welt der jüdischen Kultur verdanke, wie selbst auf dem unbeachteten Gebiete der Kunst die Juden Erhebliches leisteten. Uneigennützig lieh er seine Schätze den Gelehrten, und mancher von ihnen verbrachte in Wolfs gastfreundlichen Hause frohe Stunden künstlerischen Genusses. Doch begnügte sichWolf nicht mit dem Sammeln und Darbieten seiner Kostbarkeiten, er schritt auch zu deren wissenschaftlichen Bearbeitung und Veröffentlichung. Unter dem Einflüsse David Kaufmanns wurde aus dem Sammler allmählich ein Gelehrter, dem wir manchen wichtigen Aufsatz