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Ost und West · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1917) · p. Seite 83 - 84

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1917)
Article
Mischehen
Date
1917-03-01
Page
Seite 83 - 84 (sequence 6)
Language
German
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83 Mischehen. 84 zelne Gebote des Judentums noch streng beobachtet werden, leitet doch die Mischehe in der Regel den vollkommenen Abfall ein, und die Kinder gehören unserer Religion nur noch in den wenigsten Fällen an. Der Abfall führt auf geradem Wege aus dem Judentum hinaus, die Mischehe erreicht auf Seitenpfaden dasselbe Ziel. Wo aber die Kinder doch Juden werden, zeigt merkwürdigerweise nicht selten gerade der christliche Vater, die christliche Mutter großes Verständnis für die Forderungen des Judentums und einen wohltuenden Willen, die Kinder zu guten Juden zu machen. Der verstorbene Bremer Pastor Schwalb, ein wahrer Freund und Verteidiger unserer Lehre, war das Kind einer solchen Ehe; und mit wahrem Vergnügen hatte ich einige Jahre lang im Religionsunterricht einige Geschwister namens Christoph zu Schülern, deren Vater sich nach den Ergebnissen des jüdischen Unterrichts mit einer Anteilnahme und einem Eifer erkundigte, die wir bei jüdischen Eltern nicht selten vermissen. Ob trotzdem die Kinder in den schweren Anfechtungen des Lebens schließlich Juden geblieben sind, muß leider bezweifelt werden. Weil durch die Heirat mit einem Andersgläubigen sich anscheinend nichts ge-, ändert hat, entschuldigen Eltern, Geschwister und Freunde den vollzogenen Schritt und suchen ihn zu rechtfertigen. Ein großer Familien- und Freundeskreis kann durch eine einzige solche Verbindung für weitere vorbereitet und ihnen günstig gestimmt werden. So bereitet die eine Mischehe weiteren den Bode n. Auch aus anderen Gründen führt sie zu dem gleichen für das Judentum verhängnisvollen Ziele. Wenn ein jüdischer Mann ein nicht jüdisches Mädchen heiratet, muß mit Notwendigkeit ein jüdisches Mädchen entweder unverheiratet bleiben oder gleichfalls eine Mischehe eingehen. Der erste Schritt ist also nicht nur für sich allein eine schwere Schädigung unserer Gemeinschaft, sondern auch die Vorbereitung für andere der gleichen Art. Und außerdem führt sie noch eine andere Gefahr für uns herauf; sie verengert den Kreis der H e i - r a t s f ä h i g"e n. Das deuts che Judentum ist eine sehr kleine Gemeinschaft und zählt, wie schon erwähnt, nur wenig über 600 000 Seelen. In dem Heiratsalter mögen davon schätzungsweise etwa 150 000 stehen. (Genaue Ziffern liegen mir nicht vor.) Diese, etwa 75 000 Männer und ebenso viele Mädchen, haben also untereinander zu wählen. Das ist eine »ehr geringe Zahl über das ganze Deutsche Reich zerstreut. Zerlegt man sie wiederum in Gruppen, die nach Alter, Persönlichkeit, Bildungsstand, religiöser Stellung, Vermögen zu einander passen, so ist die Wahl für den Einzelnen-nicht groß,, und es mag die Klage, die wir bisweilen darüber hören, nicht unbegründet sein. Je enger der Kreis aber wird, je mehr die Wahl beschränkt ist, desto näher liegt die Gefahr der Mischehe. Wie anders ist da die Lage des gesamten deutschen Volkes! "Es umfaßt 70 Millionen, die Möglichkeiten der Gattenwahl sind für den Einzelnen sehr groß. Die deutschen Juden befinden sich — es klingt merkwürdig — in einer ähnlichen Lage, wie eine scharf ausgeprägte Gruppe, wie der hohe Adel, im Besonderen wie die regierenden Fürstenfamilien. Auch deren Mitglieder haben in einem sehr kleinen Kreise den Gatten zu wählen. Die geringe Anzahl der Juden wird unter besonderen Verhältnissen heute schon für die große Anzahl der Mischehen gelegentlich verantwortlich gemacht. Mit ihr werden namentlich die eigenartigen Zustände in Dänemark, insbesondere in Kopenhagen erklärt. Hier sind (nach Ru p p i n, Die Juden der Gegenwart, 1911, S. 159) von 1880 bis 1905 neben 395 rein jüdischen Ehen 272 Mischehen geschlossen worden. Es gab eben 1901 in ganz Dänemark nur 3476 Juden und diese heirateten im wesentlichen untereinander; da ist denn der Kreis der Heiratsfähigen sehr eng, und der Einzelne iat nur wenig Wahl. Mit jeder Mischehe beginnt deshalb der traurige Kreislauf; sie macht den Kreis noch enger, legt dadurch weitere Mischehen nahe, die abermals den Kreis noch enger machen und dadurch von neuem weitere Mischehen nahelegen, usw. usw. ins Unendliche. Auch hier ist jede Wirkung Ursache für neue Wirkungen, und selbst wenn wir weiter gar keinen Grund hätten, müßte schon die Rücksicht auf diese wenig beachteten und doch so wichtigen Verhältnisse jeden, der sein Judentum liebt, zur entschiedenen Stellung gegen die Mischehe veranlassen. III. Stehen wir nun dieser schweren Gefahr ganz hilflos gegenüber? Gibt es nicht auch eine Heilung gegen diese furchtbare Erkrankung? Nur mit aller Bescheidenheit dürfen wir an die Beantwortung dieser Frage herantreten. Die Mischehe hat ja nicht etwa einen einzigen Grund, sondern sie ruht mit tausend Wurzeln im Boden unserer Zeit, hängt aufs engste mit ihr zusammen und ist ihr Abbild. Alle unsere gesellschaftlichen, religiösen und wirtschaftlichen Verhältnisse müßten sich von Grund auf ändern, wenn die von unserer Religion geforderte Alleinherrschaft der rein jüdischen Ehe wieder hergestellt wer-

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