Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1917)
- Article
- Am Tage des Gerichtes
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 71 - 72 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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71 Am Tage des Gerichtes. 72 Sein Herz beschleicht ein tiefes Bangen; er sammelt sich, prüft sein Inneres, geht mit sich ins Gericht. Die Gemeinde schweigt mit verhaltenem Atem; er aber hebt an: ,,Da stehe ich vor Dir, arm an Taten, erschüttert und beklommen in Furcht vor Dir, der duthronst erhaben über alle Lobpreisungen Israels..." Hier senkt er seine Stimme hinab (zu einem tiefen Flüstern, als wollte er seine Zwiesprache mit dem Schöpfer vor ' den Ohren der Menge verbergen. Doch plötzlich schreit er laut auf und es klingt wie das Rufen eines Ertrinkenden in tiefster Seelennot: „Allmächtiger, Furchtbarer und Erhabener!" ... Wie erschrocken über sich selbst weicht er zurück und fährt fort zu raunen, leise bittend: „Laß Deine Gunst mich begleiten auf den Weg, den ich gehe, lim Deine Gnade zu erflehen für mich und für die, die mich schicken, auf daß sie nicht beschämt werden um meinetwillen, da ich voll bin der Sünden und Gebrechen" . . . Und allgemach verhaucht sein Gebet in dem Schweigen, das ringsum herrscht. Doch das Schweigen dauert nur eine Weile, denn schon erschallt aus seinem Munde das Kaddisch: „Jithgaddal" . . . Gleichwie wenn ein Schiffer auf seil wanken dem Nachen sich auf das weite Meer begibt und ein mutiges Lied anstimmt, um sein Herz zu stärken, so klingt der Gesang. Am Ufer haben sich die Freunde versammelt und ihre Stimmen fangen die verhallenden Klänge auf. So wogt der Gesang zwischen Sänger und Chor auf und nieder. Bald schwillt er an und schwingt sich empor, als wollte er den Flug zum Himmel nehmen, bald erzittert er leise und rieselt dahin, wie ein' bebendes Schluchzen. Immer wieder kehrt der Scheidende zum Ursprung zurück, als fiele ihm der Abschied so schwer; um seine einsamen Rufe winden die Sänger ein üppiges Gerank von schimmernden und glitzernden Trillern. Ihn aber tragen die Wellen immer weiter hinaus; noch einmal wendet er sich um und sendet den Zurückbleibenden einen letzten Gruß, dann verstummt er und — über die ganze Gemeinde senkt sich eine große, feierliche Stille. (Schluß folgt.) KRIEGSLITERATUR. L a in m ' s j ü d i s c h c F eldbücherci Nr. 28 bietet ein reizvoll ausgestattetes Büchlein. „Ein kurzer Gang durch die jüdische Geschichte", von Dr. M. Bran n*). Der Leser hat hier ein kleines Kunstwerk vor sich, eine Glanzleistung' stilistischer Miniaturmalerei. Auf dem engen Raum von kaum 5 Bogen ist eine knappe, klare und inhaltsreiche Darstellung der nahezu vicrthalbtausendjährigen Geschichte der Juden geboten. Keine der wichtigsten Tatsachen ist übergangen, *) Verlag von Louis Lamm, Berlin. die Perspektive überall meisterhaft festgehalten, die großen Epochen folgen einander und reihen ihre charakteristischen Züge zu einem Ganzen zusammen. Besonders schön ist die kurze Zusammenfassung der biblischen Gesetzgebung" und des Lehrinhaltes des Judentums. Staunenswert ist die außerordentlich gelungene Vereinigung yon Essay und Chronik. Ein schönes und dankenswertes Geschenk für die jüdischen Feldgrauen, aber auch für alle anderen, denen Erinnern und Lernen wohltut. D as Inhal tsverzei chnis zu den Jahrgängen 1015/16 ist erg schienen und wird auf Verlangen unberechnet zugestellt. 1 Denkt an unsteendet ©otemÄIettum (MoMmundaiücK) ©CtfetU (&Otb Ö«9areton (Qoldmundstüch) Willkommenste Liebesgabe! 20Sfück.feldposlmäßiq verpackt portofrei! 5051ücK.feldposlmäßig verpacKUOPf. Porto! S'rienl Tabak u GgareltenfabryerridzeDresden nhhugoIiefz.Hoflieferanl S-MdttönigsvSachsen. Preis:N r 3* 4 5 6 & 10 4 5 6 ö 10 12 Pf einschließlich Kriegsoufschl ^ü* ^Trusifrei!