Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1917)
- Article
- Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 33 - 34 (sequence 2)
- Language
- German
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33 Die Juden in Rumänien. 34 wirkte er, um nur einige hervorragende Einrich* tungen zu nennen, bei der Begründung der Toyn* bee Halle, des Jaffaschen Waisenheims, der Vereine zur Unterstützung der jüdischen Taubstummen und der Blinden, im Lokal Komitee der Alliance, im Vorstande des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur mit, von derStandesvertretung im Rabbiner* verband, von seiner Zugehörigkeit zum Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden ganz zu schweigen. Neben der angestrengten amtlichen und sozialen Tätigkeit fand Eschelbacher Muße zu Wissenschaft* liehen Arbeiten; seine wissenschaftlichen Veröfrent* lichungen sind vorwiegend hier entstanden und gewissermaßen aus seiner amtlichen Tätigkeit her* vorgegangen. Harnacks Vorlesungen über das Wesen des Christentums regte ihn zur Abwehr an; so ent* stand sein viel gelesenes Buch über „Das Judentum und das Wesen des Christentums", seine Abhandlung über "Das Judentum im Lichte der modernen protestantischen Theologie". Auf demselben Wege entstanden seine Paulinischen Studien, Arbeiten, die vermöge ihrer Gründlichkeit und Gelehrsamkeit auch bei den Gegnern hohe Achtung gefunden haben. Aus seinem Amte schöpfte er die Anregung zur Abfassung des lebensvollen Charakterbildes von Michael Sachs, das er diesem berühmten jüdischen Prediger zu seinem hundertsten Geburtstage ge* widmet hat. In den letzten Jahren beschäftigte ihn die Geschichte der Alten Synagoge, die zu deren 200 jährigem Bestehen, 1914, erscheinen sollte; sein schweres Leiden hat ihn an der Vollendung des mit großer Liebe gearbeiteten Werkes gehindert, es liegt jedoch soweit fertig vor, daß es als ein Denkmal seiner segensreicher Wirksamkeit der Ge> meinde wird zugänglich gemacht werden können. „Nehmt alles nur in allem, er war ein ganzer Mann." Ein Mann von anspruchslosester Schlicht* heit, aber tiefster Innerlichkeit, ein aufrechter, gerader Charakter, ein pflichttreuer, hingebender Führer, ein gütiger, hilfsbereiter Mensch. Sein Andenken wird in der Berliner Gemeinde und in der deutschen Judenheit zum Segen fortleben, nn=b pn* -an I. E. RUMAENIEN UND SEINE JUDEN. Von Dr. S. Schiffe r. III RECHTLOSIGKEIT UND VERFOLGUNG. Ln den drei Jahren seit der Thronbesteigung des Fürsten Carol hatte sich die Judengesetzgebung in Rumänien dahin entwickelt, daß sie sich in den einen Satz zusammenfassen ließ: Es existieren fortab überhaupt keine rumänischen Juden, sie waren alle Fremde, Ausländer. Die ganze weitere Entwicklung ist nur ein Kommentar zu diesem Grundsatz. Durch das Gesetz vom 15. Februar 1872 wird das Tabakmonopol eingeführt. Eine Bestimmung lautet: „Alle Unternehmer und alle Verkäufer von Tabak müssen Rumänen sein." Der Generalunternehmer der Tabakregie ist ein Jude, offenbar einer der wenigen, denen es geglückt ist, auf Gruinld eines Gesuchs nach Artikel 16 des Bürgerlichen Gesetzbuches naturalisiert zu werden, obgleich er erst vor zehn oder zwölf Jahren ins Land gekom-v men ist . Er darf keine Juden in seinem Unternehmen beschäftigen, auch solche nicht, deren Urgroßväter in rumänischer Erde begraben liegen. Ein Gesetz vom 13. April 1S73 besagt: „In den ländlichen Gemeinden, Dörfern, Marktflecken, Städtchen, in den Herbergen, die vereinzelt oder an Landstraßen liegen, können die Verkäufer von Getränken nur dann eine Verkaufslizenz erhalten, wenn sie in die Wählerliste einer rumänischen Gemeinde eingetragen sind." Juden können nicht in die Wählerliste einer rumänischen Gemeinde eingetragen sein, denn das ist ein politisches Recht; sie dürfen also keines von den oben aufgezählten Gewerben ausüben. Zu Submissionen (beim Vergeben von öffentlichen Arbeiten, Pachtungen indirekter Steuern, verschiedener Monopole u. dgl.) werden nur geborene oder naturalisierte Rumänen zugelassen. Juden gehören zu keiner der beiden Kategorien. Aus demselben Grunde dürfen Juden keine Advokaten, Gemeinde-, Bezirks- oder Sanitätsärzte, Apotheker sein. Es ist vorgeschrieben, daß unter den Gehilfen eines Apothekers sich nur ein bestimmter kleiner Prozentsatz Juden befinden darf; der christliche Apotheker findet aber gewöhnlich nur wenige rumänische junge Leute, die sich zu diesem wenig interessanten und karg bezahlten Dienst hergeben wollen, er besoldet also eine Anzahl christlicher junger Leute, die die Zeit imi Kaffeehaus mit politischen Gesprächen verbringen, um nur einen Juden halten zu können, der die Arbeit besorgt. So geht es in allen anderen Gewerben, bei der Photographie, in der Druckerei u. dgl. Unterdessen gehen die Austreibungen mit eisernem Schritt vor sich, trotz der besten Versicherungen und Beteuerungen der Sympathie, die Fürst Carol 1871 dem Oberrabbiner von Bukarest und dem Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika, Peixotto, gegeben hatte. Diesen Diplomaten, einen Juden, Sproß einer der angesehensten Familien Nordamerikas, hatte die Regierung der Union eigens nach Rumänien geschickt, um ihre Sympathie für seine Glaubensgenossen öffentlich zu bekunden, und in der Hoffnung, daß er zu ihrenf Gunsten würde wirken können. Er blieb auf seinem Posten bis 1876. „Unglücklicherweise hatte er