Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1917)
- Article
- Die Brüder Henschel
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 13 - 14 (sequence 2)
- Language
- German
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13 Die Brüder Henschel. 14 Bilder Juden waren. Es verhält sich hier gleichwie mit manchem anderen jü* dischen Künstler der Vor* zeit, der seiner Epoche viel gewesen ist, in die Entwicke* lung kräftig eingegriffen und die künftigen Etappen hat vorbereiten helfen, von dem aber die Chroniken Schwei* gen und von dessen Her? kunft und Abstammung nichts bekannt ist, so daß auch die eingeweihtenKunst* kenner nicht wissen, daß er Jude war. So hat sich das Vorurteil bilden können, daß wir Juden für die bil* dende Kunst in den ver* gangenen Zeiten keinerlei Bedeutung hatten. An diesen Urteilen der Gebildeten und noch mehr der Menge sind wir Juden mit schuld, denn wir haben wenig oder nichts getan, die Werke jüdischer Künstler aus alter Zeit zu erhalten; wir haben nichts dazu getan, sie zu sammeln, wir haben weder die Kunst* ler noch ihre Kunst auch nur mit einem „bischen Lie* be" gehegt und gepflegt. Jüdische Kunstmäcene ha* ben Millionen an Geld, jüdische Kunsthistoriker große geistige Kraft in den Dienst der Kunst aller Zei* ten und aller Länder ge* stellt — an den Schöpfun* gen ihrer Glaubensgenossen sind sie achtlos und kenntnislos, nicht helfend und nicht fördernd, vorüber gegangen. Wir hatten keinen Dürer und keinen Rembrandt, aber die Kinder unseres Volkes hatten auch keine Lehrer, keine Meister und keine Schulen. Im acht* zehnten Jahrhundert durften sie in Deutschland nicht einmal eine Gemälde?Galerie betreten. War es ein Wunder, daß sie nicht zu Meistern wurden? von den Andersgläubigen getreten, von den Eigenen mißachtet. War es nicht ein Wunder, daß sie trotz und alledem, aus innerem Drange heraus, aus Liebe zur Kunst überhaupt etwas geleistet haben? Sollte es nicht eine Aufgabe des gestärkten Selbstbewußt* seins sein, den Erlebnissen und Schöpfungen der üdischfen Künstler älterer Zeiten nachzugehen, ,;//., ,/ Kupferstich der Brüder Henschel, Berlin (nach einer Zeichnung von Raphael) um uns selbst und unserer Umwelt zu zeigen, wie stark alle Triebe menschlichen Schaffens in unserer Gemeinschaft vorhanden waren, wie die Tiefe der Empfindung, die sich im Bilde ausprägt, nach Aus* druck rang, wenn sie auch — unter der Ungunst des Lebens — nicht zur höchsten Vollendung gelangte. Die vier Brüder Henschel, die aus Breslau nach Berlin gekommen waren und hier eine leb* hafte und fruchtbare künstlerische Tätigkeit ent* falteten, mögen als Beweis für das Gesagte angeführt werden. Sie leisteten als Kupferstecher Ausgezeich* netes und haben die Lithographie hier durch ihre vorzüglichen Blätter erst heimisch gemacht: zahl* reicheEreignisse der Zeitgeschichte und hervorragende Persönlichkeiten haben sie im Bilde festgehalten.