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Ost und West · 1915-01-01 · Heft 1-5 (Januar-Mai 1915) · p. Seite 63 - 64

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Journal
Ost und West
Volume
15 (1915)
Issue
Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
Article
Abraham Berliner
Date
1915-01-01
Page
Seite 63 - 64 (sequence 2)
Language
German
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63 I. Eibogen: Abraham Berliner. 64 den Stoff für wissenschaftliche Arbeiten gewiesen, das ist häufig mit Dank anerkannt worden. Zwanzig Jahre gab Berliner das „Magazin für die Wissenschaft des Judentums" heraus und stellte es bereitwilligst den Gelehrten zur Verfügung. Zwanzig Jahrgänge veröffentlichte unter seiner Leitung der Verein „Mekize Nirdamim", der bedeutungsvolle, nur handschriftlich erhaltene Schätze der jüdischen Literatur ans Licht der Oeffentlichkeit bringt; Berliner war die Seele des Vereins, man sagt nicht zuviel, wenn man behauptet, daß von der Auswahl der Handschriften bis zur Versendung der fertigen Bücher alle Arbeit durch1 seine Hände ging. Er kannte bei seinen wissenschaftlichen Bestrebungen keinen Unterschied der Richtung, er stand fest auf seinem konservativen Standpunkt, aber wer sich mit ihm in pietätvoller Weise zur Erforschung der Wahrheit vereinigte, war ihm willkommen. Berliner hatte seine Freunde in allen Lagern und erfreute sich bei allen Parteien großer Beliebtheit. Er hat es an entschiedenem Eintreten für seine Richtung nicht fehlen lassen, hielt auch nicht mit scharfen Worten zurück, wenn er glaubte, was ihm heilig galt, geringschätzig behandelt oder mißachtet zu sehen, er hat aber dennoch die Bezeichnung „orthodox" stets von sich gewiesen. Konservativ-gesetzestreu nannte er sich, orthodox wollte er nicht heißen, er war auch nicht orthodox, der Mann, der unausgesetzt der Forschung ergeben war, der im hohen Alter noch in freimütiger Weise zum täglichen Gebetbuch Stellung nahm. Vor allem aber stand er fest auf dem Boden, den uns Moses Mendelssohn durch den Hinweis auf die deutsche Kultur, Leopold Zunz durch die Begründung der Wissenschaft des Judentums gewiesen haben, und er sah mit wachsender Betrübnis jene Bestrebungen der letzten Jahre, die es sich zur Aufgabe stellten, das Judentum von dieser Bahn abzuziehen. So scheidet mit Abraham Berliner eine jener Persönlichkeiten aus unserer Mitte, die immer seltener werden, deren Verlust für uns unersetzlich bleiben wird. „Weinet um den, der dahingeht und dessen Gleichen nicht wiederkehrt 1" PO BEEREZ. (Text des umstehenden Liedes:) HB nia$ rnarj — prte .rvhp.Firj n^gücu? : rioi nvi? ris; ni-n: «n vir «n .rnitJ nrppn xnn ris! n^incj r.tp c; rnpn ris!t? ,t: ,-pa :w3!t# ,to «5.1 "12?!t; ,t; ,t: :m!T# .TBr.T^ ^Ttf ,Va >a >3! c^imr wa: "i*? (Übersetzung:) Im Canöe öer Väter. ßier im Canbe ber Väter Werden alle Hoffnungen sur Wahrheit. ßier wollen wir leben, F5ier wollen wir schaffen. ein Ceben in Reinheit, €in Ceben in Freiheit. I5ier wirb öer ßeilige Geist ruhen, F5ier wirb bie Sprache öer Cbora aufblühen. 3'tehet §urche auf furebe, Singet Cieb auf Cieb, Seib fröhlich unb guter Dinge. Schon sprossen bie Blüten, Balb Kommen bie Srucbthörner.

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