Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1915-01-01 · Heft 1-5 (Januar-Mai 1915) · p. Seite 61 - 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
15 (1915)
Issue
Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
Article
Abraham Berliner
Date
1915-01-01
Page
Seite 61 - 62 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2583875-2584057-2584059-2605530--15962-2605596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

61. I. Elbogen: Abraham Berliner. 62 ABRAHAM BERLINER. Ein Nachruf von I. Elbogen. Ein Gelehrtenleben, das an Arbeit und Ehren, an Mühen und Erfolgen ungewöhnlich reich war, liegt abgeschlossen vor uns. Abraham Berliner, der seit langer Zeit leidend war, ist wenige Tage vor Vollendung seines 82. Lebensjahres, am 22. April, nach kurzer Krankheit heimgegangen. Bis zuletzt war der schaffensfreudige Greis mit eigenen wissenschaftlichen Arbeiten und Plänen beschäftigt, bis zuletzt gab er anderen Anregung und Stoff zu gelehrten Untersuchungen und Veröffentlichungen. Beides ist für Berliners Art, für sein gesamtes Wirken bezeichnend; er strebte selbst rastlos vorwärts und hat aus eigener Kraft sich vom Lehrer in kleinen jüdischen Gemeinden zum weltbekannten Gelehrten emporgeschwungen, er hatte aber auch selbstlose Freude daran, gelehrten Männern den Pfad zu ebnen, den Aufstieg zu erleichtern. Das entscheidende Erlebnis Berliners war seine erste Reise nach Italien, seine Einsichtnahme in die reichhaltigen und damals noch fast gar nicht gehobenen handschriftlichen Schätze des Landes. Er ist dann später mindestens noch ein Dutzend Mal in Italien gewesen und dort in allen jüdischen Gemeinden heimisch geworden, er hat überall, was es in öffentlichen und privaten, jüdischen und nichtjüdischen Bibliotheken für einen jüdischen Gelehrten an Handschriften und Druckwerken zu studieren gab, durchforscht und in ausführlichen Berichten, die jetzt als Band I. seiner Gesammelten Schriften erschienen sind, davon Mitteilung gemacht. Auch die anderen großen hebräischen Bibliotheken Europas hat er häufig aufgesucht, er kannte wie wenige ihre noch nicht veröffentlichten Kostbarkeiten, er hat selbst in zahlreichen kleineren und größeren Werken und Abhandlungen die Ergebnisse seiner Prof. Abraham Berliner. Untersuchungen bekanntgegeben oder Freunde und Schüler zu ihrer wissenschaftlichen Verwertung angeleitet. Berliners Hauptwerke sind oft genannt worden — eine vollständige Aufzählung seiner bis 1903 erschienenen Bücher und Abhandlungen findet sich in der ihm zum 70. Geburtstag gewidmeten Festschrift. Drei Gebiete sind es, denen sein literarisches Schaffen sich vorzugsweise zuwandte: dem Texte und den Kommentaren zur Bibel (Targum Onkelos, Raschi, Peletat Soferim), der jüdischen Geschichte (Juden in Rom, Inneres Leben der deutschen Juden im Mittelalter) und der jüdischen Literatur (Chananel, Machsor Vitry u. v. a.). Auf allen diesen Gebieten hat er anerkannte und vielbenutzte Leistungen geschaffen; hätte man ihn selbst gefragt, welchem seiner Werke er den Vorzug 'vor anderen zuerkannte, so hätte er auf seine Raschi- Studien verwiesen. Vor fast 50 Jahren hat er die erste kritische Ausgabe von Raschis so beliebtem Pentateuch - Kommentar herausgegeben (II. Auflage, 1915), zeitlebens hat er dem großen Lehrer die Treue gewahrt, seine wissenschaftliche Persönlichkeit zu würdigen, dem ihm bluts- und geistesverwandten Gelehrtenkreis den rechten Platz anzuweisen getrachtet. Noch in den letzten Tagen seines Lebens suchte er einen Freund zu veranlassen, mit ihm einen Enkel Raschis wieder zum Leben zu erwecken. Dies Veranlassen und Wiedererwecken führt uns auf zwei Gebiete, in denen Berliner sich besonders verdient gemacht hat. Wie vielen Gelehrten er Tränen getrocknet, wie vieler Not gelindert hat, dieses Kapitel wird wahrscheinlich ewig ungeschrieben bleiben, würde auch zu umfangreich werden. Wie vielen er das Gebiet und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.