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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 863 - 864

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Der Verband der deutschen Juden
Date
1913-11-01
Page
Seite 863 - 864 (sequence 4)
Language
German
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8G3 Der Verband der I)eiitsehen Juden — /.u seiner Hauptversammlungin Hamburg am 0. November. 864 liehen,. politischen , — Veröffentlichungen*) der Verband sich der1 Aufgabe gewidmet,, die ihm die Hauptversammlung von 1905. in der einen ihrer Resolutionen zuwies: »fals berufenes Organ an zuständiger Stelle die berechtigten Wünsche und. Beschwerden '* der Deutschen jüdischen Glaubens vorzutragen und' zur Anerkennung', zu bringen". Und so ist er der wichtigste Faktor in dem Kampf um ' die wirkliche . politische ' Oleichberechtigung der deutschen Juden geworden. Der Verband kann aber eine Bedeutung auch über.die Interessensphäre der deutschen Judenheit hinaus beanspruchen, eine B e deutung für'das.gesamte-Judentum. ' »Wir bedürfen" — so erklärte Justizrat Fuchs in dem wiederholt zitierten Vortrage 1905 unter lebhafter Zustimmung der Hauptversammlungsteilnehmer — „einer Stelle, welche Fürsorge-dafür schafft, dass aufklären de und apologetische S c h r ii t e n in die Lande gesandt werden, welche ü *b e r d a s W e s e n des Judentum s un d se i n e E t h i k A u f s ch 1 u s s geben. Ich kann mir nicht denken, dass jemand allen Ernstes die Behauptung aufstellen kann, es gäbe keinen gemeinsamen . neutralen Boden mehr für die verschiedenen Bekenner des Judentums, dass für die Bekenner des gesetzestreuen Judentums nur Orthodoxe, für freisinnige Juden nur der Reformjude das rechte Wort der Abwehr und die aus dem Herzen kommende Wärme mitbringt. Es gibt doch wohl noch eine gemeinsame Grundlage für alle Bekenner. Und ich rechne es zu den Aufgaben des Verbandes, dass wir jedweden Angriff auf unsere Religion und unser Sittengesetz, unter welcher Maske er auch immer erscheint, geschlossen zurückweisen. Ob wir Reformjuden oder Orthodoxe sind, w i r dürfen es nicht dulden, dass man unsererReligion, die der Welt die Offenbarung, das Sittengesetz und die alles umfassende Nächstenliebe gegeben hat, die zuerst den Grundsatz aufgestellt hat, dass wir das menschliche Leben immer dem Göttlichen zustrebend gestalten müssen und rein und heilig werden sollen, den Vorwurfmacht, dass unsere Ethik unmodern und minderwertig sei, und dass unsere Religion Institutionen habe, die vor der m o - *) Anm. Die Denkschriften von Justizrat Breslauer „Die Zurücksetzung der J u d e n i in Justizdienst" 1907, »Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen" 1909, «Die Zurücksetzung der Juden an den Universitäten Deutschlands" 1911; das Buch von Dr. Ismar Freund: »Die Rechtstellung der Juden im preussischen Volksschulrecht" 190S; die Broschüre des General-Sekretärs Dr. Loewenthal: „Das jüdische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preussischen Reserveoffizier" 1911. dernen Moral und Menschlichkeit nicht bestehen könnte n." In Erfüllung dieser Forderung hat der Verband seit 1908 Korrespondenzblätter mit Aufsätzen apologetischen Inhalts herausgegeben und .an dasjenige jüdische und christliche Publikum .gelangen lassen, dem Aufklärung über das Wesen der jüdischen Lehren zu bringen besonders wichtig ist, namentlich an Geistliche und Lehrer, gelegentlich, in einer Auflage von mehr als 40000 Exemplaren, an die gesamte evangelische und katholische Geistlichkeit Deutschlands. — Er hat 1910. die Einrichtung eines Archivs unternommen, in dem nach und nach alles Material, ,das im jüdischen und ausserjüdischen Schrifttum für die. rechte Wertung der jüdischen Religion und zur Abwehr von Angriffen gegen sie von Belang ist, gesammelt und für wissenschaftliche oder polemische Verwendung übersichtlich bereitgehalten, werden wird. Für dies Archiv lesen .und sichten eine Anzahl von Lektoren die ihnen zugewiesene Literatur, deren Sammelergebnis die Grundlage eines umfassenden Handbuchs der jüdischen Apologetik werden soll. Neuerdings versucht der Verband die gerechte Würdigung der jüdischen Lehre auch dadurch zu fördern, dass er billige kleine Hefte „Vom Judentum", die Aufsätze und Quellenauszüge enthalten, sowie andere apologetische Schriften in Versammlungen herausgibt und vertreiben lässt. Der gleichen Aufgabe endlich dient das Buch, das der Verband zu der bevorstehenden Hauptversammlung veröffentlichen wird, und das unter dem Titel „Soziale Ethik im Judentum" in einer Reihe von Aufsätzen bekannter jüdischer Gelehrter die Quelle der modernen Grundsätze sozialer Ethik im biblischen und nachbiblischen Judentum zeigen soll.*) So kann die am 9. November in Hamburg zusammentretende Hauptversammlung des Verbandes — die das erste Jahrzehnt seiner Wirksamkeit abschliesst—rückschauendfeststellen, dass der Verband bis heut seinem Zweck, wie ihn die erste öffentliche Hauptversammlung in ihrer Resolution kundgab: „die geistigen Kräfte der deutschen Juden zu gemeinsamer planmässiger Arbeit zusammenzuschliessen, um das Judentum selbst zu kräftigen und die Gleichberechtigung zur Wahrheit zu machen", treu und gut gedient hat. Und sie kann mit gutem Gewissen das Mandat namens der gesamten deutschen Judenheit bestätigen und erneuern, das damals dem Verband erteilt wurde in der einstimmigen Erklärung: „Die Hauptversammlungdes Verbandes der Deutschen Juden sieht in dem Verbände die auf autonomer Grundlage geschaffene Vertretung der deutschen Judenheit." *) Anm. «Soziale Ethik im Judentum", Aufsätze von ßaeck, Bergmann, Bernfeld, Bloch, Breslauer, Cohen, Eschelbacher, Güdemann, Nobel, erscheint am 9. November im Verlage von J. Kauffmann, Frankfurt a. M.

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