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Ost und West · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. Seite 785 - 786

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Article
Mose ben Maimon
Date
1913-10-01
Page
Seite 785 - 786 (sequence 1)
Language
German
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785 786 MOSE BEN MAIMON. Von Dr. Simon Bernfeld. II. Der junge Mose erhielt von seinem Vater eine sorgfältige Erziehung. Er wurde in allen Zweigen der Wissenschaft unterrichtet und natürlich auch in der Philosophie, die damals bei den Arabern in hoher Blüte stand. Er war ein jüngerer Zeitgenosse seines berühmten Landsmannes Ihn Roschd (Averroes), jenes kühnen Vertreters der materialistischen Philosophie im Mittelalter, der zu den erleuchtetsten Geistern aller Zeiten und aller Völker gehört. Allerdings hat sich Maimonides in seinem philosophischen System diesem radikalen Denker nicht angeschlossen, vielmehr folgte er im wesentlichen dem konservativen Aristo - teliker Ihn Sineh (Aviciena). der etwa 150 Jahre früher lebte. Ich werde noch in der Folge ausführlich erörtern, dass Maimonides wohl Aristoteliker war und im allgemeinen in der Interpretation der aristotelischen Philosophie Ihn Sineh folgte, aber keineswegs alles ungeprüft von ihm hinnahm, in verba magistri schwörend. In sehr wichtigen Punkten zeigt er sich von Aristoteles unabhängig und wich von seinem System ab. Er war ein selbständiger jüdischer Denker, der gerade in den wichtigsten Punkten der philosophischen Weltanschauung und der Ethik den jüdischen Standpunkt mit grosser Schärfe betonte und verteidigte. Im Jahre 1146, Mose ben Maimon war damals 11 Jahre alt, brach über die nordafrikanische und die spanisch-arabische Judenheit eine schwere Katastrophe herein, die auch in das Leben der Familie Maimuns verhängnisvoll eingriff. In Nordafrika entstand in jenem Jahre eine gefährliche religiöse Bewegung, die almohadische, die sich ebenso grausam gegen den islamitischen Liberalismus wie auch gegen die Juden richtete. Zwei Jahre später griff diese Bewegung nach dem arabischen Spanien über, und viele grosse jüdische Gemeinden, unter ihnen auch Cordova, fielen ihr zum Opfer. Im Diwan des Abraham ihn Esra finden wir (Nr. 169) eine Elegie auf diese traurigen Vorgänge, in der auch (Zeile 15) der einst herrlichen und nimmehr vernichteten Gemeinde Cordova gedacht ist. Die fanatischen Almohaden bedrohten alle Juden mit dem Tode, wenn sie sich nicht zum Islam bekehren wollten. Viele fanden den Märtyrertod, während andere zur Flucht griffen. In der Gemeinde Cordova, der Ihn Esra nachrühmt, dass sie durch viele Gelehrte ausgezeichnet war, herrschte Trauer und Verwirrung. Eine grosse Zahl von Juden, der die Auswanderung nicht möglich war, blieb unter der Maske der Bekehrung zum Islam in der Heimat zurück. Dies wurde den Scheinislamiten nicht allzu schwer gemacht, da der Islam selbst in solcher Gestalt frei von jeder inquisitorischen Quälerei blieb. Die Neuislamiten bekannten sich zu Mahomed — ob sie aber an ihn auch glaubten, danach fragte sie kein Mensch. Maimonides erzählte später, dass jeder Jude, der zum Schein den Islam angenommen hatte, zu Hause in aller Stille „sämtliche 613 Gebote und Verbote" des Judentums treulich befolgen konnte. Was ist aus der Familie Maimuns in dieser Zeit geworden? Diese Frage beschäftigt die wissenschaftliche Forschung seit nahezu 75 Jahren. Früher hat man von den eben geschilderten Vorgängen wenig gewusst, und noch weniger waren ihre Folgen für Maimonides bekannt. Im Jahre 1839 trat Carmoly, ein in der Wissenschaft des Judentums nicht mit Unrecht als wenig zuverlässig geltender Gelehrter, mit der These auf: Maimun habe mit seiner ganzen Familie das getan, was unzählige seiner unglücklichen Glaubensgenossen in Nordafrika und im arabischen Spanien damals getan hatten: er habe zum Schein den Islam angenommen. Im Scheinislam habe auch Mose Maimonides bis zu seiner Uebersiedelung nach Aegypten oder bis zu seiner Ankunft im damals unter ägyptischer ARXOLI) ZADIKOW. Bildnisbüste K» Bronze. MUENCHEN.

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