Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Article
- Arnold Zadikow
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 783 - 784 (sequence 3)
- Language
- German
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783 Kurl Schwarz: Arnold Zadikow. 784 ARNOLD ZADIKOW. MUENTHEX. Gähnende. Bronzestatuette. Unter den Plaketten muss an erster Stelle das Selbstbildnis des Künstlers erwähnt werden, in dem sich der starke Charakter deutlich ausspricht. Voll edler Feinheit in jeder Linie ist das Bildnis einer jungen Venezianerin. „Santina" betitelt. Die Plakette Ludwig- Bäsch * München, eine Jubiläiimsstiftung, die unter grossen Schwierigkeiten entstanden ist, da der Dargestellte zu den Arbeiten nicht sass und daher grösstenteils aus dem Gedächtnis modelliert werden musste, ist trotzdem von so frappanter Aehnlichkeit, dass man hier die Schärfe der psychologischen Beobachtungsgabe besonders bewundern muss. Diese Fähigkeit tritt noch deutlicher in den Bildnisbüsten hervor, vor allem in der'Büste K. S., da die ganze Skala der in einem Menschen schlummernden und im Leben nur einzeln hervortretenden Seelenzustände zum Ausdrucke gebracht ist. Die lebensgrosse Büste, die in dunkelgrüner, fast schwarzer Bronze ausgeführt ist, erweckt im ersten Augenblick den Eindruck eines traumverlorenen Denkers; dann aber beleben sich die so ruhig erscheinenden Züge, die Falten über dem Nasenansatz verraten ein scharfes Beobachten, die Mund- und Kinnpartie formt sich zu einem leichten zynischen Lächeln, die vorspringenden Lippen und die scharfe Nase erzählen von einer verhaltenen Sinnlichkeit. Dagegen erscheinen die übrigen Bildniswerke des Künstlers einfacher in der Charakteristik gefasst. Die Büste des Fräulein L. bringt eine starke Melancholie, eine tiefwurzelnde Traurigkeit und gewisse Müdigkeit, der strenge Kopf des- Grafen H. eine derbe Kraft und die beiden Kinderbildnisse die naive und noch in einer kindlichen Offenheit sich kundgebende Unausgeprägtheit der Gesichtszüge zum Ausdruck. — Die grosse Schwierigkeit, die sich fast allen unseren Plastikern hemmend in den Weg legt, der Mangel; an monumentalen Aufträgen, die nur wenigen Künstlern von Huf beschieden sind, macht sich auch bei Arnold Zadikow bemerkbar. Die Judith zeigt deutlich, dass der junge Künstler seine volle Kraft nur in grossen Werken ganz entwickeln kann; nicht die kleine Form, sondern die Monumentalität ist sein Element. Die zierliche silberne Sandalenbinderin enthält in sich bereits alle Forderungen einer Monumentalfigur, sie ist die Schwester der Judith, aus demselben Gedankenprozess entstanden. In den beiden Grossplastiken der Münchener Ausstellung ist die ruhige, gewaltige Linie das Hauptmoment. In der Judith ist alles Spannung, die letzte Konzentration vor der Ermattung nach einer grossen Tat. Der Kopf ist in die Höhe gerichtet, wie befreit schaut das Auge dankerfüllt gen Himmel. Die Brust hebt sich in schweren Atemzügen, die nach langern Bangen zum erstenmal wieder frei dem Busen entquillen können. Die gesenkte Rechte hält noch das mörderische Schwert, die Linke ist herabgesunken, die Hand öffnet sich langsam, sie hat ihres Amtes gewaltet, und aus allen Zügen klingt es aufatmend — noch durchdrungen von dem Schauer der überstandenen Qual — es ist vollbracht. Die stilistische Geschlossenheit erhöht die Wirkung dieses Werkes; die strengen Linien des Gesichtes, vor allem die Haarbehandlung und der Faltenwurf des Tuches zwingen die ganze Erscheinung in eine feste, fast starre Form, die den seelischen Ausdruck in jeder Beziehung glücklich wiedergibt. Die Werke, die wir hier von Arnold Zadikow vorführen, sind die Frucht einer 21/2 jährigen Tätigkeit. Der Künstler, der im dreissigsten Lebensjahre steht und erst vor wenigen Jahren sich der Plastik zugewendet hat, tritt mit einer reichen und mannigfaltigen Auslese an die Öffentlichkeit. Nicht als ein suchender, sondern als gereifter Mensch und Künstler tritt er auf den Plan, zielbewusst und willenstark; und so wird er auch seinen Platz verteidigen in der grossen Schar derer, die in dem Kampfe auf dem Felde der Kunst sich durchzuringen suchen, Denn seine Waffen sind ehrlich und stark und in Entbehrung und Selbstzucht gestählt.