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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 733 - 734

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Die Juden in Russland
Date
1913-09-01
Page
Seite 733 - 734 (sequence 2)
Language
German
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733 Die Juden in Kussland. 734 ihre Pflicht erinnern, bei der Zulassung von Juden zu den Kurplätzen die grösste Strenge walten zu lassen. Ueberall wird das Gesetz über das Wohnrecht mit äusserster Rigorosität ausgeübt. Die den jüdischen Vertretern des Handels neuerdings auferlegten Schwierigkeiten, die Vorschrift der Anschaffung eines Reiseregisters, das die Erlaubnis zum Zutritt und die Aufenthaltsdauer in bestimmten Ortschaften genau regelt, und das bei jedesmaliger Ankunft resp. Ahreise genau kontrolliert wird, sind nicht nur für die persönlich dabei Interessierten, sondern für den gesamten Handel von einschneidendem dauerndem Schaden. Der „Vorstand der Industrie- und Handelskongresse" hat wiederholt Schritte zur Aufhebung dieser Massregel unternommen — alle Versuche sind vergeblich gewesen. Seit Monaten leiden die jüdischen Kaufleute in Polen unter einem wöhlorganisierten wirtschaftlichen Boykott, ohne dass die Regierung etwas dagegen täte. Auf geistigem Gebiete bleibt der Ausschluss der jüdischen Jugend ein unantastbares Prinzip. Der Minister des öffentlichen Unterrichts hat neuerdings sogar die schon schwer genug gewesenen Bedingungen zur Zulassung der jüdischen Jugend zu den Universitäten noch schwieriger gestaltet, indem er den Inhabern von Medaillen, die bisher das ihnen innewohnende Recht zum Eintritt in die Fakultäten besassen, dieses Recht entzogen und ihre Aufnahme von der Entscheidung durch das Los oder nach der vorgeschriebenen Norm von 3 bis 5 Prozent der Studierenden abhängig gemacht hat. Die zugunsten eines unglücklichen Kiewer Juden in Europa und Amerika erfolgte Erhebung hat die russische Justiz nicht im geringsten berührt. Der seit zwei Jahren in Untersuchungshaft befindliche fälschlich Angeschuldigte soll nach der auf Grund mehrerer Untersuchungen erhobenen Anklage, der nur Informationen von Zeitungen zugrunde lagen, einen Ritualmord begangen haben. Die Konsultationen und Sachverständigenurteile der berühmtesten medizinischen Gelehrten Europas über die Unhaltbarkeit der von den russischen Aerzten ausgesprochenen Urteile haben nicht den geringsten Einfluss gehabt. Dieselben Pressagenturen, die schon die widersprechendsten Nachrichten veröffentlicht haben, lassen jetzt das Gerücht verbreiten, dass dieser Prozess im Laufe des Sommers vor dem Gericht in Kiew zur Verhandlung kommen soll. BARON JOSEF VON HATVANY-DEUTSCH, BUDAPEST. Einen sehr schmerzlichen Verlust hat das Central- Comite der Alliance durch das Ableben des Barons Josef Hat v an y- Deutsch erlitten, der am 30. Juni während eines Kuraufenthaltes in Bad Nauheim verschieden ist. Der Verstorbene, Mitglied des ungarischen Magnatenhauses, war Präsident des ungarischen Bezirkscomites der Alliance, in welchem Amt er seinem im Jahre 1898 verstorbenen Vater Bernhard von Hatvany - Deutsch gefolgt war. In dem nachfolgend wiedergegebenen, an die Witwe des hervorragenden Mitarbeiters gerichetten Beileidschreiben hat das Central-Comite seinem schmerzlichen Empfinden Ausdruck gegeben: „Die Nachricht von dem Ableben unseres hochverehrten Kollegen, Ihres teuren Gatten, des Herrn Barons Josef von Hatvany-Deutsch, hat uns mit grossem Schrecken erfüllt. In einem Brief, den er noch am 29. Juni von Bad Nauheim aus uns geschrieben hat, sprach er über verschiedene Angelegenheiten, die das Central-Comite zurzeit beschäftigen, und drückte sein Bedauern darüber aus, dass er unserer Sitzung nicht beiwohnen könnte. Wie konnten wir ahnen, dass diese Mitteilung die letzte sein sollte, die wir von diesem vortrefflichen Freund und Mitarbeiter erhalten würden! „Das Central-Comite verliert in Herrn Josef von Hatvany-Deutsch einen jener Männer, deren Mitarbeit überaus wertvoll ist und der dem Werk der „Alliance" die hervorragendsten Dienste geleistet hat. Er Hess sie bei jeder Gelegenheit an dem grossen und wohlverdienten Ansehen teilnehmen, das er bei der ungarischen Judenheit genoss, und widmete persönlich unserem Verband eine tiefe und aufrichtige Zuneigung, die er wie ein Erbteil von seinem verehrten Vater übernommen hatte. „Mit Ihnen fühlen wir das grosse Unglück, das Sie, gnädige Frau, betroffen hat; wir teilen Ihren tiefen Schmerz und bitten Sie, mit unseren aufrichtigen Beileidskundgebungen den Ausdruck unserer herzlichen Ergebenheit entgegenzunehmen." Baron Josef von Hatvany-Deutsch hat der Alliance Israelite Universelle testamentarisch 20000 Kronen ausgesetzt. GEDENKREDE DES HERRN SALOMON REINACH BEI DER LEICHENFEIER DES HERRN DIREKTOR DAVID CAZES (10. August 1913.) Meine Herren! Im Namen unseres verehrten Präsidenten Narcisse Leven, im Namen der Alliance Israelite Universelle und der Jewish Colon isation Association, sowie im Namen ihrer ehemaligen Schüler und ihrer Mitarbeiter will ich unserem tapferen Freund David Cazes Lebewohl sagen. Wie es bei einem Manne von seiner grossen Bedeutung ansteht, hat er bis zum letzten Tage gearbeitet: man könnte von ihm beinahe wie von jenem römischen Kaiser sagen, dass er stehend gestorben ist. Sein Tod ist für uns nicht nur eine betrübliche Ueberraschung, sondern auch ein grausamer Schmerz gewesen. Der Gedanke, dass dem Ableben keinerlei körperlicher oder geistiger Rückschritt und keine Todesangst vorauf gegangen war, dass der

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