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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 727 - 728

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Das neujüdische Palästina
Date
1913-09-01
Page
Seite 727 - 728 (sequence 4)
Language
German
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727 Nachmn Goldmaim: Das neuji'idische Palästina. 72» gründet worden — soeben wird auch eine neue Ansiedlung dieser Art Nachlath-Jelrudah bei .Rischon gegründet — und reüssieren vortrefflich. Das dritte Ziel ist die Heranziehung des Privatkapitals, und zwar nicht zu philantropischen, sondern zu kaufmännischen Zwecken. Palästina ist ein Land, das in mächtigem Aufblühen begriffen ist, mithin ein geeigneter Platz zu gewinnbringender Kapitalanlage. Dieses sucht das Palästinaamt wohlhabenden Palästinafreunden begreiflich zu machen und sie zu veranlassen, Kapital im Lande anzulegen. Die gewöhnliche Form ist die, dass das Amt eine grössere Bodenfläche erwirbt, diese an eine Anzahl von Privatleuten verkauft und sodann auf Rechnung derselben Pflanzungen anlegen lässt. Sind diese soweit gediehen, dass sie ihren vollen Ertrag geben, so übergibt es sie den Besitzern zur eigenen Verwendung. Von jedem so erworbenen Stück Boden erwirbt das Amt selbst den dritten Teil, auf dem es dann später, wenn die Besitzer selbst kommen werden, die Arbeiter, die die Pflanzungen angelegt haben, als Häusler ansiedeln will. Kommt dann der Besitzer, so findet er eine blühende, ertragsreiclie Pflanzung, und ausserdem jüdische Arbeiter, die bereits mit dem Boden vertraut sind. Auf diese Weise ist schon Kastinie, Karkour, Jemmama erworben worden und stehen andere Erwerbungen in Aussicht. Ueberblickt man heute die Lage der jüdischen Kolonisation in Palästina, so gestaltet sich das Bild äusserst günstig. Wenn man bis 1900 noch Zweifel an der Existenzfähigkeit der jüdischen Kolonien hegen konnte, so muss der glänzende Aufschwung, den sie seitdem genommen haben, alle Zweifel heute zerstreuen. Der Weinbau, der zur Zeit des Barons zu jenem grossen Fiasko geführt hat, reüssiert heute vorzüglich. Die Gesellschaft Karmel macht die besten Geschäfte und ihr Markt wird von Jahr zu Jahr grösser. Pethach-Tikwah repräsentiert heute einen Wert von 15 Millionen, viele der anderen Kolonien sind wohlhabend, und wenn hie und da — besonders in Obergaliläa — noch unbefriedigende Zustände herrschen, so ist dies meist auf die Nachwirkungen der früheren Misswirtschaft zurückzuführen. Wenn man aus dem Munde älterer Kolonisten von den Verhältnissen hört, die vor fünfzehn Jahren herrschten und damit die heutigen vergleicht, so will man seinen Augen kaum trauen. Oekonomischer Wohlstand, ein reges sich entwickelndes geistiges Leben, das Vorherrschen der hebräischen Sprache, wer hätte geglaubt, dass all dies im Verlauf eines Jahrzehntes hätte erreicht werden können? Wenn auch naturgemäss der jüdische Boden nur einen kleinen Prozentsatz des palästinensischen Gesamtbodens bildet, so stellt doch das neujüdische Leben in Palästina bereits einen Faktor von nicht zu unterschätzender Bedeutung dar. Und nimmt man die städtischen Ansiedlungen hinzu, Jaffa mit seinem Tel-Awiw, Jerusalem mit seinem Bezalel, Haifa mit seinem entstehenden Technikum, rechnet man hinzu das imposante Schulwerk der Alliance Israelite Universelle, des Hilfsvereins, der Ica, so ergibt sich, dass in der relativ so kurzen Spanne Zeit bereits Grosses erreicht worden ist. Und das Verdienst daran? So viele Kräfte haben hier mitgewirkt, dass es sich kaum sagen lässt, wem das Hauptverdienst zukommt. Den ersten heldenmütigen Idealisten, die unter den grössten Leiden und Entbehrungen die ersten Kolonien gegründet haben? Dem grossen Edmund Rothschild, der Millionen in die palästinensische Kolonisation hineingesteckt hat, und ohne den wir heute nicht den zehnten Teil dessen hätten, was da ist? Der Ica, der das Verdienst zukommt, das Ganze reformiert und auf eine gesunde Grundlage gestellt' zu haben? Ich glaube, mehr als all diese Faktoren hat eine andere Kraft bewirkt: die unversiegbare Liebe des jüdischen Volkes zu seinem Erez-Israel. Solche grosse Erscheinungen, wie es das neue Judentum in Palästina darstellt, sind nie das Werk einzelner. Sie sind immer das Produkt der Arbeit eines ganzen Volkes. Hinter den Bilu und Chowewei-Zion, hinter Baron Rothschild und der Ica, hinter der Alliance, dem Hilfsverein, dem Zionismus und den manchen anderen Organisationen steht als letzte treibende Kraft das jüdische Volk. Das gesamte Judentum hat letzten Endes dieses grossartige Werk vollbracht, und wenn heute bereits so Imposantes geschaffen ist, das ganze Judentum darf darauf stolz sein. Mit diesem Gedanken, der für den einzelnen, dem es nicht vergönnt war, seine Kraft unmittelbar der Mitarbeit an diesem WTerke zu widmen, so überaus tröstlich ist, betrat ich an einem herrlichen Frühlingstag in Jaffa das Land der Väter, von der Sehnsucht getrieben, das grosse Werk, dessen Geschichte ich soeben skizziert habe, nun auch in seinen Resultaten selbst kennen zu lernen. IHA\TS BEASCH. Pelikane. (Silhouettenfries.) BERLIN.

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