Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Schattenbilder
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 721 - 722 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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721 Karl Schwarz: Schattenbilder. 722 ten der Schere folgt, wird mit inniger Anteilnahme und herzlicher Freude den Schöpfungen in dieser Kirnst begegnen und gerne seine Blicke in diese Schattenphantome versenken. Goethes Schattenrisse sind zur Genüge bekannt, der gesamte Weimarer Kreis tritt in ihnen auf. Philipp Otto Runge gibt in seinen „Pflanzenstudien mit Schere und Papier" reizende Naturschilderungen und vergnügliche Einfälle; Paul Koewka gestaltet Shakespearesche Phantasien und Goethes Faust, und diesen klassischen Vorbildern schliessen f sich dann i unsere modernen Künstler an. Tm vorigen Jahre lenkte eine Ausstellung modemer geschnittener Silhouetten in Berlin das allgemeine Interesse wieder auf diese Kunst und zeigte in einem abwechslungsreichen\Bilde die neuen Bestrebungen auf diesem Gebiete. Zur illustrierung unserer Zeilen führen wir einige Werke eines jungen Berliner Künstlers, Hans Brasch, vor, dessen Streben es auch ist, die Silhouette für das Kunstgewerbe zu verwenden, ein Gebiet, auf dem sicherlich die dekorative Wirkung des Schattenrisses am besten zur Geltung gelangt. HANS BEASCH. Silhouette. BERLIN. DAS NEUJUEDISCHE PALAESTINA. Von Nach um Goldmann (z. Z.: Jaffa). ,,jm eschkochacha jeruschalaim, tischkach jemini" (Wenn ich dein vergess', Jerusalem, dann verdorre meine Rechte) schworen unsere Väter vor zwei Jahrtausenden, als sie ein grausames Schicksal aus ihrem Lande vertrieb. Wenn das Gelöbnis unserer Ahnen auch für uns Enkel Geltung haben würde, wer von uns dürfte sich noch einer unverdorrten Rechten rühmen. Wh' haben Palästina vergessen. Ich weiss: der Fromme gedenkt seiner dreimal am Tage beim Gebete, der Zionist trägt den Namen Palästinas in allen Versammlungen auf der Zunge, auch der liberale Jude entsinnt sich zuweilen in rückwärtsschauender Erinnerung des alten Erez-Israel; und dennoch haben wir es vergessen. Für den einen ist es meist nichts mehr als eine heilige religöse Stätte ruhmreicher Vergangenheit, für den anderen ein fast abstraktes Symbol ferner Zukunftshoffnung, aber Gegenwart, lebendige, konkrete Gegenwart — man wird diejenigen westeuropäischen Juden zählen können, denen Palästina mehr als ein nebelhafter Begriff ist, denen dieser Name plastische, farbige Gegenwart bedeutet. Und wenn schon der eine oder andere eine deutlichere Vorstellung von Palästina besitzt, dann gilt dies höchstens für Jerusalem, für die Klagemauer, für Raheis Grab oder irgend eine andere historische Stätte. Das ganze grosse blühende neujüdische Leben aber, das sich in den letzten 20 Jahren in Jaffa, Jerusalem, vor allem in den jüdischen Kolonien Palästinas entwickelt hat, gehört davon haben wohl alle, darüber gelesen die meisten, ein wirkliches Bild davon besitzen nur die wenigsten. Und doch ist hier etwas geschaffen worden, was ganz allgemein angesehen, von einer imposanten Grösse ist. Wenn heute schwarzseherische- Pessimisten und ewig klagende Nörgler von dem bevorstehenden Untergange des Judentums reden und viele unter uns in Gefahr sind, den Glauben an die?