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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 719 - 720

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Schattenbilder
Date
1913-09-01
Page
Seite 719 - 720 (sequence 1)
Language
German
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719 720 SCHATTENBILDER. Von Karl Schwarz. Die Silhouette keine neue Erscheinung in der — verdankt ihren heute fast unverstandenen Namen Kunst; sie ist älter als alle anderen Kunstgattungen dem französischen Finanzminister Etienne de Silhouette, und reicht bis in die grauen Zeiten der griechischen Mit der neuen Benennung erlebte das Schattenspiel Sagenwelt. Nur der Name ist neu. Die Schwarzeine Wiederbelebung und baldige Blüte, die es, von kunst oder auch Schattenkunst — denn als solche Frankreich ausgehend, bei uns heimisch machte imd ward sie zuerst geübt, da der Schatten, den die Sonne sich so zu der Zeit, da der Grossvater die Grossmutter wirft, in kindlich-naive? Weise nachgezogen wurde nahm, in fast allen Häusern einführte. Zuerst entstand das Schwarzbild als ein billiges Surrogat des Gemäldes. Es gab die Züge des Dargestellten im Umriss wieder und war ein populäres Gedenkhlättchen von intimem Reiz. Dann kam die Photographie, die ein viel getreueres Abbild zu geben imstande war. Die Silhouette drohte in Vergessenheit zu geraten; sie musste sich, um nicht ganz aus dem Felde geschlagen zu werden, neue Wege suchen und ward zum Genrebild, das zwar schon früher neben dem Porträt bestand, jetzt aber erst die Hauptrolle zu spielen begann. Diese reizenden Kompositionen, da ganze Figurenreihen erscheinen, die gesamte Natur in das Schattenreich getaucht wird und Blüten und Zweige, Menschen und Tiere mit der Schere vor unser Auge gezaubert werden, haben das Interesse für die Silhouettenkimst wieder erweckt imd auch die Reize der alten Schwarzporträts aufs neue enthüllt. Denn nicht als eine unzulängliche Vorläuferin der Photographie haben wir diese Kunst zu betrachten, sondern als eine eigene Kunstgattung mit eigenen Werten. Es ist eine Flächenkunst, die nur in Umrissen spricht und die Binnenformen in rätselhaftes Dunkel hüllt. Die Silhouette verschweigt mehr als sie ausplaudert. Und hierin liegt der grosse Reiz dieser anspruchslosen Bildchen: die bis zum letzten Ende geführte Abstraktion jeder Erscheinung erregt die Phantasie des Beschauers und bannt sein Auge, das mit gespanntem Interesse den feinsten Schwingungen der Linie folgt, um möglichst viel von dem geheimnisvollen Wesen zu erhaschen und auch die im tiefen Schatten schlummernden Züge zu erraten. Es ist ein harmloses, liebliches Spiel, in Schwarz und Weiss, so recht geeignet, die zierlichen Seiten der Erscheinungen zu schildern. Und wer mit aufmerksamen HANS BHASCH. Silhouette. BEBLLV. Augen den leisen und leichten Schnit-

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