Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Mose ben Maimon
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 717 - 718 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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717 Dr. Simon Bernfeld: Mose ben Maimon. 718 HANS ERASCH. Sithouettenfries. BERLIN. und an dem man sich zurechtfand, wenn man auf dem grossen Meer sich zu verlieren Gefahr lief. lieber Mose Maimonides, sein Lehen und sein Wirken, ist bereits eine umfangreiche, fast unübersehbare Literatur vorhanden. In zahlreichen Monographien, in Abhandlungen, und zusammenhängenden Arbeiten, suchten verschiedene Forscher der Bedeutung dieses grossen Mannes gerecht zu werden. Ein umfassendes Bild von seinem literarischen und wissenschaftlichen Schaffen zu geben, ist übrigens nicht leicht. Heutzutage gibt es wohl kaum einen Gelehrten, der alle wissenschaftlichen Disziplinen so beherrscht und die universelle Bildung in sich so vereinigt, wie es bei Maimonides der Fall war. Man muss Philosoph, Mediziner, Mathematiker, Astronom und rabbinischer Gelehrter in einer Person sein, um den ganzen Maimonides in selbständiger Forschung schildern zu können. Und da dies äusserst selten vorkommt, ist der Biograph des Maimonides notwendig auf die Vorarbeiten der Einzelforschung angewiesen. Selbst diese in vollem Umfange zu beherrschen, ist zweifellos ein anerkennenswertes Verdienst. Aus diesem Grunde blieb auch bisher eine gemeinverständliche, gut geschriebene Biographie des Maimonides ein frommer Wunsch. Jetzt liegt eine solche in deutscher Sprache vor.*) Ihr Hauptvorzug ist darin zu erblicken, dass sie keine gelehrte Forschung sein will, sondern Maimonides in seiner grossen Persönlichkeit und in seinem Schaffen auf Grund der bereits vorhandenen Spezialforschungen im Zusammenhang schildert und uns ein Gesamtbild von ihm und seiner Zeit vorführt. An der Hand, dieser ersten zusammenfassenden Biographie möchte ich hier die Hauptzüge dieses überaus interessanten Bildes beleuchten. Mose ben Maimon wurde am 30. März 1135 zu Cordova geboren. Er entstammte einer sehr angesehenen Gelehrtenfamilie, denn von den acht Almen väterlicherseits, die er anzugeben wusste, bekleideten nicht weniger als drei das wichtige Amt eines Gern einderichters und auch die andern werden als Gelehrte und Rabbiner bezeichnet. Rabbi Joseph ben Obadja, in der Reihe seiner Vorfahren der siebente aufwärts, wird von Maimonides mit dem ehrenden *) J. Münz, Moses ben Maimon (Maimonides). Sein Leben und sein Wirken, Frankfurt a. M.[1912. Verlag J. Kauffmann. Titel „der Heilige" benannt. Wahrscheinlich hat er den Märtyrertod für seinen väterlichen Glaid)en erlitten. Nach einer Angabe des Don Isaak Abravanell Hess sich die Abstammung des Maimonides von dem Patriarchen Rabbi Jehuda, dem Redaktor der Mischnah, nachweisen. Der Vater Moses, Rabbi Maimon, oder richtige? Maimun, bekleidete ebenfalls in Cordova das Amt eines Gemeinderichters und gehörte zu den bedeutendsten rabbinischen Autoritäten seiner Zeit. Er war ein Schüler des gefeierten Gelehrten Rabbi Joseph ihn Migasch, und da Maimun seinen Sohn Mose im rabbinischen Wissen selbst unterrichtete, konnte sich dieser später ebenfalls als ein Jünger des ibn Migasch bezeichnen, obwohl er bei dem Tode dieses berühmten Mannes erst 6 Jahre alt war. Von ibn Migasch hatte Maimonides eben, wenn auch nicht unmittelbar, die gründliche Beherrschung der rabbinischen Wissenschaft übernommen. Man kann die Entwicklung des Maimonides und die hohe Bedeutung, die er später erlangt hat, nicht ohne den Aufschwung verstehen, den das Judentum seit Jahrhunderten in der spanisch-arabischen Judenheit genommen hatte. Es genügt vielleicht, auf die Tatsache hinzuweisen, dass zwischen dem Abschluss der ersten bedeutenden religions-philosophischen Schrift des Mittelalters ,,Ha-emunot we-ha-deot" des Gaons Saadja ben Joseph (um 934) bis zu Maimonides' Schrift „Der Führer der Irrenden" (um 1192) mehr als ein Vierteljahr tau send v er flössen wrar; zwischen diesen beiden religionsphilosophischen Werken liegen die Schriften des Bachja ibn Pakuda, des Salomo ibn Gabirol, des Jehuda ha-Levi, Abraham ibn Dauds u. a. Maimonides war etwra 6 Jahre alt, als der herrliche religions-philosophische Dialog „Kusari" des Jehuda ha-Levi das Licht der Welt erblickt hatte. Und auch auf anderen Gebieten hatte die Erforschung des Judentums bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts eine bedeutungsvolle Entwicklung erfahren. Mose ben Maimon erscheint uns sehr gross, was er auch nach seiner ungewöhnlichen Begabung und seiner Persönlichkeit unbedingt war; aber er stand auf den Schultern grosner Männer, die ihm auf verschiedenen Gebieten vorangegangen waren. Seine Bedeutung besteht eben hauptsächlich darin, dass sein Geist alles umfasste und 'mit gleicher Meisterschaft beherrschte. (Schluss folgt.)