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Ost und West · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 713 - 714

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Mose ben Maimon
Date
1913-09-01
Page
Seite 713 - 714 (sequence 2)
Language
German
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713 Dr. Simon Bentfeld: Mose ben Maimon. 714 ■erschöp fliehe geistige Kraft ihm innewohnt. Während die arabischen Stämme immerhin als kulturell unverbraucht dastanden und ihre jugendfrischen Kräfte in den Dienst der menschlichen Gesittung stellen konnten, hatte das jüdische Volk, wie es schien, sein klassisches Zeitalter längst hinter sich. Was es in seiner Begabimg geistig zu leisten fällig war, hatte es — so konnte man annehmen ■— bereits auf seinem heimatlichen Boden geleistet. Höchstens schien es denkbar, dass es sich den Arabern anschliessen würde, um gemeinsam mit ihnen ihre kulturelle Entwicklung zu fördern. Aber es zeigte sich bald, dass die Juden unter arabisch-maurische]' Herrschaft, von der islamitischen Geistesarbeit angeregt und unterstützt, eine Renaissance des Judentums auf allen Gebieten herbeiführen. In der wissenschaftlichen Erforschung der hebräischen Sprache, der Bibelkunde, der jüdischen Religionsphilosophie, der weltlichen und der religiösen hebräischen Poesie zeigte sich die geistige Regsamkeit des jüdischen Volkes mit erstaunlichem Erfolge. Selbst das Talmudstudium, das auch in der früheren Zeit in Babylonien und Palästina in hoher Blüte gestanden hatte, empfing in dem Zeitalter der Wissenschaftlichkeit ein eigenartiges Gepräge: es erhielt das, was ihm von jeher gefehlt hatte — eine wissenschaftlich-systematische Bearbeitung und Form. Was für den jüdischen Geist besonders ehrend spricht, das ist der anhaltende Fortschritt und die aufsteigende E n t w i. c k 1 u n g seines Geisteslebens, die etwa drei Jahrhunderte hindurch anhielten. Es war also kein Werk des Zufalls, kein kurzes Aufhellen seines Geistes, zusammenhanglos in seinem Erscheinen und in seinem Erlöschen, das wir in jener geschichtlichen Epoche zu beobachten haben, sondern die Offenbarung und Betätigung der Geisteskräfte, wie sie in der Geschichte des jüdischen Volkes in bestimmter Reihenfolge und nach bestimmten Gesetzen in Erscheinung treten. Der jüdische Geschichtsphilosoph N a c hman Krochmal hat dieses Entstehen und Vergelten in der jüdischen Geschichte mit bewunderungswürdiger Klarheit nachgewiesen. Auch das jüdische Volk hatte seine Epoche des Aufblühens und des Niedergangs, wie sie Hegel in der menschlichen Geschichte nachgewiesen hat. Aber der Niedergang bedeutet nicht, wie bei den alten Kulturvölkern, den Abschluss seiner Geschichte, J^&jyi*» i^vs seines geschichtlichen Lebens, sondern bloss den Abschluss einer geschichtlichen Epoche, der sich der Anfang einer neuen anreiht. Wer in den Geist der jüdischen Geschichte, in ihren inneren Zusammenhang, zu dringen vermag, wird die Zufälligkeiten einer jeden Epoche bloss in den äussern Vorgängen erblicken. Sonst aber bedeutet sie den Weiterbau und die Fortentwicklung, die da anfängt, wo die frühere aufgehört hat. Ich habe es bereits an anderer Stelle ausführlich erörtert, dass die pietätvolle Liebe des jüdischen Volkes zur Bibel und zur biblischen Sprache, die zu keiner Zeit gefehlt hat, den Boden für die wissenschaftliche Erforschung des heiligen Schrifttums und der hebräischen Sprache geschaffen hat. Die jüdische Religionsphilosophie entsprach dem jüdischen Geist, der nach dem W i s s e n und nicht nach dem mystischen Glaub en strebte. Die religiöse Poesie der Juden, die durch Salomo ihn Gabirol und Jehuda ha- Levi ihre höchste religiöse und dichterische Weihe erhalten hat, wurzelt in den Reden der Propheten, in der religiösen Lyrik der Bibel und in der Agada: diesen entnahm sie den religiösen Grundton und die nationale Epik, um siejmib philosophischer Tiefe und philosophischem Gedankenreichtum zu vereinigen und dem Ganzen eine ästhetische Form zu geben. Die Form der hebräischen religiösen Poesie im Mittelalter ist neu, nach arabischem Muster geschaffen. Aber die Sprache ist die der Bibel, mit ihrem religiöslyrischen Ton ist sie uns aus den Psalmen vertraut, und der Inhalt ist der nationalen Epik in der Agada entnommen. Den Höhepunkt jener grossen Kulturepoche im Judentum, das damals an Inhalt und Form eine glänzende Bereicherung gefunden hat, bildet unzweifelhaft M ose ben M aimon, den wir Maimon i d e s zu nennen gewöhnt sind. Ich würde ihn als die Synthese des Judentums im spanisch-arabischen Zeitalter bezeichnen, wenn diesem grossen Denker und Systematiker nicht jeder poetische Sinn gefehlt hätte. Er hat eigentlich das Judentum nur von der einen Seite, von der ethisch-philosophischen, in seiner ganzen Tiefe erfasst; aber ihm mangelte das Verständnis für die agadisch-poetische Seite. Die Propheten Israels erschienen ihm in ihrer vollen Bedeutung, in ihrer ganzen sittlichen Grösse, als die Vertreter und die Lehrer der von Gott verkündeten Sittlichkeitslehre, der ewigen göttlichen Ideale von MOSES MAIMONIDES

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