Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Heinrich Gottselig
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 701 - 702 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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701 Professor B. MimnfeM, Frankfurt a. M.: Heinrich Gottselig. 702 kirnst entwickelt, so entfesselte Prof. Beer die Kunstart des Porträts bei Gottselig ersichtlich schnell, und •was er selbst nicht mehr auszuüben vermochte, er wusste es in seinem Schüler zu erwecken und hervor zu zaubern —wie uns vor allem das Bild eines Mannes, des Herrn M. Rapp erweist, dessen Blick nicht den Beschauer trifft — der ernst erwägend, mit in sicli ruhenden Händen, fast im Profil gesehen ist. Mit eminenter Klarheit in Farbe und Zeichnung ist der bedeutsame Kopf meisterlich gegeben und bemerkenswert erweist sich die Einfachheit in der Haltung der Töne, die dem Porträt zugrunde liegen. Der Direktor des Philanthropins, ein besonders kluger Kopf, wie es seine Stellung erfordert einerseits, verbindet damit einen eminent liebenswürdigen Ausdruck, der seinen Augen entstrahlt; dieses aber sicher zu treffen, des Malers hervorragende Kunst bezeugt. Dießem angegliedert das tiefempfundene Porträt von des Künstlers Vater, der auf reichgeschnitztem, behaglichem Lehnstuhl sitzt und dessen Blick eine schaffensreiche Vergangenheit verrät. Von den zahlreichen Damenbildnissen sollen das eines jungen Mädchens, welches mit erwartungsvoll grossen dunklen Augen in die Welt blickt, erwähnt werden, ebenso wie das einer vornehmen schönen Frau, die vor leuchtend gelbem Vorhang sitzend, an Hans Makarts unvergleichliches Catharina - Cornaro - Bildnis erinnert. Freilich, die meisten Bilder Gottseligs sind längst in festem Besitz gelandet, aus dem . sie wohl schwerlich wieder hervortreten werden. Von den Landschaften soll neben dem oben er- * . Z" V:'«| ' ' . ■ / '" •■ - v-r--.'. : .■?.':'"'-•;':":'; --'i/^f":" - % :' ■ ' ' :j,.'v;^^y>':, ■; : F riOTTSELIG. FRANKFURT a. M. Porträt des Herrn Professor W. A. Beer. IL (10 TT SELIG. FRANKFURT a. M. Porträt des Herrn Direktor Dr. Adler. wähnten noch der Schwarzwald- und Odenwaldbilder gedacht sein, die sämtlich ihre Freunde gefunden haben. * * * ■Heinncn Gottselig ist in Öswiecim, einem kleinen malerischen Städtchen in Oesterreich, geboren, wo er die ersten Anregungen empfing. Sein Wunsch, Maler zu werden, war schon von seiner jüngsten Kindheit an in ihm rege; und wo er nur ein Bild oder Druck in einem Erker der Strasse sah, stellte er sich — ein 6 jähriger Junge — davor hin, um es abzuzeichnen, unbekümmert um die Menschenmenge, die ihn umgab; und nicht selten kam es vor, dass einer der Zuschauer die Zeichnung zu sich nahm und ihm dafür den „Originalöldruck" kaufte. Von seinen Eltern in seinen Neigungen in jeder Weise unterstützt, zuerst an die Oberreal-Schule geschickt, kam er dann mit denselben, die inzwischen ihren Wohnsitz nach Frankfurt .a. M. verlegten, hierher, wo es ihm nach vielen Hindernissen, die ihm in den Weg gelegt wurden, gelang, 1901 in das Atelier Prof. W. A. Beers, in das Städelsche Kunstinstitut einzutreten. Beer, der in seinem Schüler bald ein bedeutendes Talent sah und ihm stets ein guter Freund und Berater war, sass ihm — der einzige Fall — zu dem oben erwähnten Porträt, das bei seiner Ausstellung den ersten grossen Erfolg für den Künstler bedeutete und die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf ihn lenkte. Wer die darauffolgenden Bilder sah, so das Damenporträt „Symphonie in Braun", das „Bildnis eines jungen Mannes", das er als 23 jähriger im Glaspalast in München ausstellte, oder die Schwarzwaldlandschaft mit der das Bild durchschneidenden