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Ost und West · 1913-07-01 · Heft 7 (Juli 1913) · p. Seite 575 - 576

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 7 (Juli 1913)
Article
Die Juden in Rumänien
Date
1913-07-01
Page
Seite 575 - 576 (sequence 1)
Language
German
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$75 576 ^^VMITTEI LUNGEN des Central-Comites der M AllianceJsrd6HteUniverselle no m o^yf^ bioty Bureau des Central Comites:Paris A&RuelaBruyereX^yOeufsches Bureau: Charlorrenburg.Grolman-^ DIE JUDEN IN RUMAENIEN. Jn der französischen Zeitschrift „L'Homme Libre" veröffentlicht Herr G. Clemenceau folgenden interessanten Artikel über die unseren Lesern wohlbekannten Zustände in Rumänien. Vor kurzem habe ich hier über die traurige Lage der Armenier gesprochen, die in voller Angst darüber waren und wohl immer noch sind, dass die Türken sich für ihre Niederlagen durch Metzeleien an ihnen rächen könnten. Dieüe armen Menschen fürchten sich vor Konstantinopel, vor den Kurden und — man sollte es nicht für möglich halten — selbst vor denen, die ihrerseits Europa um Beistand anflehen. Denn sobald sie allzu eifrig verteidigt werden, leben sie in der ewigen Besorgnis, dass die üble Laune ihrer Herren einen bösen Rückschlag auf sie ausüben dürfte. Ich habe einige von ihnen gesprochen, die mir beinahe gesagt hätten: „Vor allem bitten wir Sie, uns nicht zu kräftig zu verteidigen." Wenn sie auch diese Worte nicht gebraucht haben, so waren sie doch der Sinn ihrer ablenkenden Reden. Die Juden Rumäniens sind ja der türkischen Herrschaft entronnen und dazu darf man ihnen Glück wünschen. Aber die ethnischen Vorurteile in diesen entsetzlichen Balkanländern, wo so viele Rassen nebeneinander leben, ohne jemals ineinander zu verschmelzen, sind so gross, dass die greifbare Tatsache, nicht regelrecht dezimiert worden zu sein, der einzig erkennbare Vorteil des Herrschaftswechsels gewesen wäre. Ich sage: Wechsel der Herren, denn tatsächlich wären die rumänischen Juden nur von einer Unterdrückung unter die andere geraten. Ich hege nicht den geringsten Zweifel an den edlen Gefühlen und den sanften Sitten der rumänischen Bevölkerung. Es darf auch nicht bestritten werden, dass ein hoher Sinn für Zivilisation sie belebt. Dagegen scheint mir das antisemitische Vorurteil bei ihnen zum höchsten Grad der Vollendung gediehen zu sein. Das Hesse sich zur Not durch die Tatsache erklären, dass bei eroberten Völkern die Religion den äussersten Damm bildet gegen seine Aufsaugung, der den Rest der Nationalität des Besiegten verteidigt, denn, die Eigenart jenes Dogmas enthält notwendigerweise die Excommunikation alles übrigen. Zum Unglück liegt die Kehrseite dieses Vorzugs in den Vorurteilen jedes Religionskults und dadurch auch in den Rassevorurteilen, die die grausamsten der Menschheit sind. Der Ruhm, dem Menschen einen Gott mit einem Gefolge von Verwandten und Aposteln geschenkt zu haben, ist von der jüdischen Rasse in furchtbarer AYeise gebüsst worden. Sie büsst ihn noch und vorläufig ist kein Ende dieses im Grunde unverdienten Martyriums abzusehen- Dabei gibt es kaum ein Volk, das nicht Unschuldige gekreuzigt hätte und der Galiläer hatte, entgegen allen früheren Erfahrungen, seine Mission offen zugestanden. Wozu sollen wir die widerstreitenden Gefühle zergliedern, die in diesem Fall die Bevölkerung von Rumänien bewegen mag; es genügt, ihr Vorhandensein festzustellen, um den Versuch zur Abhilfe zu machen, oder, wenn diese nicht möglich sein sollte, wenigstens die schlimmste Vergewaltigung des jedem menschlichen Geschöpf eingeborenen Rechtes zu verhindern. Als die beim Berliner Kongress versammelten Vertreter der Grossmächte am 1-. Juli 187S über die Anerkennung Rumäniens als unabhängiges Fürstentum verhandelten, machte Herr Waddington als erster Bevollmächtigter Frankreichs den Vorschalg, ,/dass der Kongress für die Unabhängigkeit Rumäniens dieselben Bedingungen stellen möge wie für die Unabhängigkeit Serbiens." ' Wie aus den Protokollen des Kongresses hervorgeht, zielte dieser Vorschlag eigens auf die Juden in Rumänien. ,,Serbien," so hatte vorher Herr Waddington ausgesprochen, „das auf demselhen Fuss wie die anderen Staaten in die europäische Familie aufgenommen zu werden verlangt, muss vorher die Prinzipien anerkennen, die die Grundlage für die soziale Organisation aller Staaten Europas bildet und muss sich diese Prinzipien als notwendige Bedingung für die von ihr begehrten Gunst zu eigen machen." Alle Vertreter der Mächte hatten diesem Vorschlag zugestimmt mit alleiniger Ausnahme des Fürsten Gortschakoff, des ersten russischen Bevollmächtigten. Er meinte, man dürfe „die Israeliten von Berlin, Paris, London und Wien, denen man natürlich kein politisches und kein Bürgerrecht weigern dürfte, nicht mit den Juden in Serbien, Rumänien und einigen russischen Provinzen vergleichen, die nach seiner Meinung eine wahre Plage für die eingeborene Bevölkerung bedeuteten." Der Leser wird, glaube ich, zugeben, dass es nicht genügt, ein Volk als eine Plage zu bezeichnen um es aller Rechte berauben zu dürfen. Wenn man sie befragt hätte, würden die Juden dieses Kompliment ihren Gegnern mit um so grösseren Recht zurückgeben können, als sie selbst die Opfer der Metzeleien gewesen sind und nicht die Henker. In der Diskussion über die Unabhängigkeit Rumäniens erkannte Herr Waddington wohl die lokalen Schwierigkeiten an, die in Rumänien mehrfach vorhanden waren, aber er fügte hinzu, dass .,die Vertreter Frankreichs nicht von dem Grundsatz der Gleichheit der Rechte und der Freiheit der Religionsübung abgehen könnten und dass Rumänien mit den

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