Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1913)
- Article
- Friedrich Beer
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 531 - 532 (sequence 2)
- Language
- German
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531 Karl Schwarz: Friedrich Beer. 532 gabung und ihr zähes Ausharren auch bis in unsere Tage zu einem anerkennenden Schaffen. Zu den glücklichen Kämpfern gehört auch Friedrich Beer, dem noch, ein zweites grosses Glück beschieden war: die volle Anerkennung und der gebührende Lohn bis in die letzten Tage seines Lebens. In der ganzen Welt sind seine Arbeiten bekannt geworden, die Grossen und Grössten aller Länder haben sich um seine Werke beworben und in der alten wie in der neuen Welt wurden seinen Schöpfungen ehrenvolle Plätze angewiesen, wo sie den Ruhm ihres Meisters verkünden. Das Talent, das sich in dem Jüngling, der in Brünn im Jahre 1845 geboren wurde, bereits in kleinen Tiermodellen, dann in dem Schnitzen von Meerschaumköpfen zeigte, entwickelte sich schnell in der Wiener Akademie, die er mit dem grossen Rompreis verliess. Mit 23 Jahren betrat er zum ersten Mal das Land, das ihm später zur zweiten Heimat werden FRIEDRICH BEER. sollte, vorläufig jedoch nur vorübergehend. Aber als er zum Besuche der Weltausstellung im Jahre 1873 nach Wien zurückkehrte, konnte er bereits mit Stolz eine seiner Marmorbüsten, ■ den Admiral Tegetthoff, im Besitze des Kaiserlichen Kunstmuseums aufweisen. Die Anregungen der Ausstellung veranlassten Beer, sich nach Paris zu wenden, um im Kreise der dort jung emporblühenden neuen Kunst sein Können zu vervollkommnen. Seine erste Arbeit, die Büste des Malers Munkäcsi (jetzt im Museum zu Budapest), lenkte bereits die Kunstwelt auf ihn; sein Name wurde bekannt und eine grosse Reihe von Porträtaufträgen folgte. Bald wurde er ein gern gesehener Gast in den höchsten Kreisen, seine Porträtwerke füllten die Salons der Pariser Gesellschaft und erschienen alljährlich auf den Ausstellungen. Beer war schnell vollkommener Pariser geworden. Die geschmeidig feine Linie, die zum Süsslichen neigende Bewegung und graziöse Eleganz der französischen Damenwelt verstand er meisterlich wiederzugeben. In Büsten, Statuetten, Reliefs und Plaketten meisselte er seine schnell allgemein beliebt gewordenen Porträts. Die Mode erhob ihn zu ihrem Liebling, aber sie bedeutete eine ernste Gefahr für sein künstlerisches Schaffen; ihm drohte das Geschick, ein „Journalist" zu werden, ein Künstler, der dem Tagesgeschmack zum Opfer fällt und sich in ewigem Einerlei verliert. Hunderte von Aufträgen flössen ihm zu, Kinder- und Frauenporträts folgten in ununterbrochener Reihenfolge, vorzügliche Schöpfungen wechselten mit minder guten — ich verweise auf das reiche Abbildungsmaterial des 5. Jahrganges S. 78—102 —, aber nur wenige rein künstlerische Schöpfungen entstanden. Nach Jahren des unermüdlichen Hastens in der Arbeit verliess Beer Paris, um in Italien wieder ganz sich selbst und seiner Kunst zu leben. Angeregt durch die Silberstiftzeichnung des jungen Dürer, da er „sich aus eim Spigell kunterfet im 1484 Jor, da ich noch ein kint was", entstand die Marmorstatue der Berliner National - galerie, in der das Köpfchen des Dürer'sehen Originals zu einem lebensgrossen, ganz- DER ANGRIFF. figurigenBildwerk ergänzt ist.