Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1913)
- Article
- Das neue Palästina
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 463 - 464 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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463 Dr. Max: Grunwakl: Das neue Palästina. 464 und^ Handwerkern in Jaffa. Nirgends haben wir aber eine -.Spur von Aermlichkeit wahrgenommen. Alles blitzte und blinkte. Hoch interessant sind die Schulbücher, welche die Lehrer selbst in hebräischer Sprache entwerfen, und von denen erst die wenigsten gedruckt sind. Wir fanden darin hebräische Ausdrücke für Quadratmeter, imaginäre Grösse, die verschiedensten naturwissenschaftlichen Begriffe. Im Hebräischen wird ausser der Bibel, die man dort liest, wie der Deutsche seinen Lessing, eine Auswahl von Midraschim und von Klassikern des Neuhebräischen gebraucht. Das Schuljahr beginnt am 1. Cheschwan und endet am 15. Ab. Ferialtage sind die jüdischen Fest- und Fasttage mit einer kleinen „Zugabe", von Chanukka die ersten und letzten Tage ganz, die anderen am Nachmittag. Der Kursus dieser Anstalt dauert 6 Jahre und ist 1912 zum erstenmal vollendet worden. Die .Lehrer stammen zum grössten Teil aus Russland, die Schülerinnen zumeist ebendaher oder aus Palästina. 74% zählen zu den sogenannten aschkenasischen Juden, 24% sind Sephardinnen, die übrigen 2% stammen aus dem Jemen. Diese Schulehat die grosse kulturelle Aufgabe, für die Häuser Neu - Palästinas Mütter zu ei-ziehen. Wir schieden von ihr mit der Zuversicht, dass die Zukunft d er neuen Judenansiecllung Palästinas dort in den besten Händen ruht. Wenige Minuten von diesem Institut entfernt liegt ein wahres Wunderwerk jüdischer Schaf- Gruppe von Schülern der Landwirtschaftlichen Schule „Mikweh Israel" der Alliance Israelite Universelle. fenskraft. Es ist die Villenstadt Tel A w i w. Als die Wohnungsverhältnisse in Jaffa immer unleidlicher wurden, bildete sich unter den etwa 10000 Juden, die jetzt in Jaffa wohnen, eine kleine Baugesellschaft zur Errichtung eigener Wohnhäuser. Ueber Nacht, wie der Kikajon des Propheten Jona, oder nüchtern gesprochen: binnen einem Jahre war eine moderne Stadt mit allem europäischen Komfort aus der Erde, wir dürfen sagen, geradezu aus dem Wüstensande gewachsen. Diese Ansiedlung Tel Awiw, die einzige rein jüdische Stadt der Welt, verdient ihren Namen „Frühlingshügel". Es ist, selbst bei Regenwetter, eine Lust, sie anzuschauen, und ein Labsal, die Luft zu atmen, die frisch vom Meere herüberstreicht. Die Strassen tragen die Namen bekannter Führer der jungjüdischen Bewegung. Eine unter ihnen auch den Namen eines Mannes, der sich dort in Palästina ein Denkmal gesetzt hat, wie ausser ihm kein Jude der Welt. Es ist der des Barons Edmond de Rot h s c h i 1 d in Paris, der nicht nur über 80 Millionen für die jüdischen Kolonien Palästinas geopfert hat, sondern auch wegen der Beharrlichkeit gerühmt werden darf, mit der er seinem ursprünglichen Beginnen treu geblieben ist. In Tel Awiw herrscht eifrige Kunstbetätigung und ein reges wissenschaftliches und gesellschaftliches Leben. Um 11 Uhr sieht man aber ausser den Nachtwächtern niemanden mehr auf der Strasse. Nur mitunter begegnet