Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1913)
- Article
- Das neue Palästina
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 461 - 462 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- Haifa 1× ep/1047930
- Odesa 1× ep/1000834
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461 Dr. Max Grunwakl: Das neue Palästina. Haifa. (Spezialaufnabme für „Ost und West".) Schule betritt, dann ist einem zumute, wie dem Prinzen, als er Dornröschen fand. Auf dem Wege vom Landungsplatz durch die Altstadt von Jaffa empfängt man ja manchen nicht gerade erfreulichen Eindruck. Man muss sich dabei immer vorsagen: ,,Das sind nur die Dornen, hinter denen das Prinzesschen schlummert/' Von dem Gebäude der Schule, die wir hesuchen wollen, grüsst von weitem die Aufschrift: ,,Beth hasefer haironi lebhanot be-Jafo", d. h. Städtische Mädchenschule in Jaffa. Mit vollendeter Liebenswürdigkeit empfängt uns der Direktor, er führt uns durch das helle, freundliche Gebäude in einige Klassen zum Unterricht, der ausschliesslich in hebräischer Sprache erteilt wird. Bald darauf läutet es, und im Nu ist der Direktor von hundert übermütigen Rangen umschwärmt, so dass er sich ihrer kaum erwehren kann. Man sieht die Liebe, die Schüler und Lehrer verbindet, zugleich die mustergültige Disziplin. Im Handumdrehen sind auch wir, insbesondere unsere Damen, umringt. Alles Ungewohnte wird bestaunt. Bunt schwätzt alles durcheinander — hebräisch natürlich. Das ist die Sprache, mit Haifa Neuei jüdisches im Bau befindliches Stadtviertel am Fusse de; der diese Kinder einst von der Mutter in den Schlaf gesungen wurden, in der sie aus dem Traume plaudern. Eine Kleine spielt Diabolo, sie nennt es „Galgalan". Wir besichtigen die Turnhalle und den Theatersaal. Es wird in Neu-Palastina viel Kunst gepflegt. Die Dramen müssen aber erst ins Hebräische übertragen werden. Und nicht nur ins Hebräische. Ein übereifriger türkischer Zensor verlangte sogar die Vorlegung eines Dramas von Ibsen — in Türkisch. 'Wir verliessen die Anstalt mit einem Segen auf den Lippen. Wir haben in ihr eine Musterpflanzstätte jüdischen Geistes kennen gelernt. Diese Schule, von den Chowewe Zion in Odessa gegründet, ist, wie alles in Neu-Palästina, blutjung. Das Gebäude steht erst drei Jahre. Zum Baupreis von 150000 Francs hat der bekannte hochherzige Palästina freund Herr Feinb'erg aus Irkutsk, jetzt in Berlin, allein etwa 79 000 Frs. beigesteuert. Die Anstalt wird von 457 Mädchen besucht. 15% zahlen das volle Schulgeld, den anderen ist es zumTeil ermässigt, zum Teil erlassen. Es sind meist Kinder von kleinen Kau Heuten