Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Juden Italiens
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 403 - 404 (sequence 6)
- Language
- German
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403 Prof. Dr. Ermanno Loevinson. Rom: Die Juden Italiens. 404 vorhandenen israelitischen Presse als ganz selbstverständlich vertreten werden. Diese Blätter verfolgen eingehend die zionistischen Kongresse und berichten über alles Wesentliche aus dem Gebiete der nationalen Bestrebungen. Die meisten Rabbiner stehen mehr oder minder unter ihrem Einfluss. Gerade der italienische Zionismusbeweist deutlich, wie ein solcher bestehen kann, gepaart mit der glühendsten Begeisterung' für dasLand, in dem man geboren ist und dem man so viel verdankt. Das Nationalfest, welches alljährlich zur Erinnerung an die Verleihung der italienischen Verfassung durch König Karl Albert im J ahre 1848gefeiert wird, begehen gewöhnlich die „Circoli Sionistici", deren tätigster der Mailänder ist, ebenso wie die anderen patriotischen Vereine. Bei dieser und hei anderen feierlichen {Gelegenheiten gehen Glückwunschtelegramme an den regierenden König ab. Bei den Feierlichkeiten, welche 1911 in der Synagoge zu Rom zur fünfzigjährigen Wiederkehr des Tages, an dem Rom zur Hauptstadt proklamiert worden war', stattfanden, sprach der Oberrabbiner die Hoffnung auf die Erreichung der Ziele des Zionismus in Palästina aus. Der christliche Vertreter des Wahlkreises, ein römischer Fürst, war bei der Feier zugegen und sprach am Schlüsse derselben dem Oberrabbiner seine Anerkennung aus. Synagoge in Turin, Welchen Standpunkt man auch dem Zionismus gegenüber einnehmen mag, so wird man doch zugeben müssen, dass seine Anhänger in Italien nicht durch irgendwelche Interessen persönlicher Natur, sondern von den idealsten Gefühlen geleitet werden. Manchen, nicht religiös gesinnten Juden mag der Gedanke vorschweben, nur diese Bewegung sei imstande, das Judentum Italiens vor dem Untergange zu retten, und bei derstetigen Abnahme der Religionsübungen könnte die Zeit kommen, in der rein weltliche Vereine mit jüdischnationaler Tendenz die Erbschaft der Religionsgemeinden anzutretenhätten- Das Judentum Italiens ist mit einem Truppenteil zu vergleichen, der sich allmählich auflöst,nicht etwa aus feiger Fahnenflucht, sondern weil in der Nähe kein Feind mehr zu erblicken ist. Die Zionisten suchen nun dieses Häuflein zusammenzuhalten, weil sie wissen, es gibt noch andere Truppenteile, die schwer bedrängt sind und allein nicht imstande sein dürften, sich einen W7eg zu bahnen ins Land der Freiheit. Dadurch erklären sich, wohl die zionistischen Tendenzen auf den beiden ersten Versammlungen der jüdischen Jugend Italiens, welche im Herbst 1911 in Florenz sowie im Dezember 1912 in Turin stattfanden und eine Reihe von Vorschlägen zur Neubelebung des Judentums zeitigten. Mit cincmGefühl von Wehmut nimmt man diesen vierton und letzten Band der unter dem Namen ..Am Scheidewege" vereinigten Studien und Abhandlungen zur Hand. © Denn zum Schlüsse findet man ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, fast ein Eegistcr zu allen vier Bünden. Damit will der Verfasser, obschon er es nirgends deutlich sagt, andeuten, dass dieser vierte Band den Abschluss einer Periode in seiner Denker- und Schriftstellcrarbeit bildet. Es ist also ein Abschied . . . Hoffentlich nicht für lange. Und dann stürzt man sich um so gieriger auf den Inhalt des Bandes. Man *)„Am Scheidewege." Studien von Achad Haa m. Verlag, ,Achiasaph" Warschau Berlin, H. Itzkowski 1913 (Hebräisch). LITERARISCHE RUNDSCHAU „Am Scheidewege."*) wird reichlich entschädigt. Gleich am Anfange grüsst uns eine umfangreiche Abhandlung über Maim onides. Es ist keine vollständige Monographie und beansprucht auch nicht, es zu sein. Es ist nur eine Skizze. Aber gleich den Skizzen und Entwürfen grosser Maler, die tausendmal mehr sagen, als die voll ausgeführten Bilder anderer, erhalten wir hier einen tiefen Einblick in das Wesen und die Seele des Maimonides, das scheinbar Widerspruchsvolle in seiner Persönlichkeit hellt sich auf, es fällt ein klares Licht auf den tiefen Znsammenhang zwischen dem Denksystem des Mannes und der Kultur seines Zeitalters sowie' der politischen Lage seines Volkes. Eine kongeniale Natur hat hier das Porträt