Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Lehrerin
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 393 - 394 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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393 A. Warszawski, Warschau: Die Lehrerin. 394 Catalonische Tcmpclschulc in Rom. half, ein grosses Unrecht gut zu machen, welches fortwährend in der Welt geschah. Den Kindergarten hatte sie nicht aus der Hand gegeben. Sie hatte Freude an ihrem Werk, obgleich sie wusste, dass das Meer des Elends viel zu tief sei, als dass ihre Hände es ausschöpfen könnten. Ach, wie tief! Da brauchte man nur über die Brücke auf die andere Seite des Flusses zu gehen, dort lag das Judenviertel, dort hauste ein noch tieferes Elend, aber verschwiegener, gedrückter, Italienische Tempelschule in Rom. in sanftere, aber um so ergreifendere Formen gehüllt. Sie war dort einige Male gewesen. Aber im Grunde, was kümmerte sie das? Gewiss, sie war keine Judenfeindin, und sie wäre nicht imstande, einem jüdischen Kinde ein Leids zuzufügen oder eine Bitte zu versagen. Aber sie war doch froh, keine jüdischen Kinder unter sich zu haben. Jüdischen Proletarierkindern Ohren und Nase zu putzen und noch so ähnliches . . (Schlusn folgt.) DIE JUDEN ITALIENS. Von Prof. Dr. Ermann IV. Die Bewohnei von Mittel- oder Osteuropa vermögen sich kaum eine Vorstellung von der religiösen Indifferenz zu machen, welche einem grossen Teile der Bevölkerung der Apenninenhalbinsel eigen ist. Man ist nun einmal katholisch und bewegt sich in den gewohnten Formen, soweit sie einem bequem sind. An eine Vertiefung oder zeitgemässe Reform derselben zu denken, gilt für langweilig. Man hält die Zeremonien der katholischen Kirche als Ausdruck der italienischen Volksseele bei, obwohl oder vielleicht *) Siehe „Ost und West" Heft 9, 12, Jahrgang XII; Heft 3, Jahrgang XIII. o Locvinson. R< *) gerade weil so viele heidnische Elemente in ihnen enthalten sind. Ist doch die katholische Kirche Italiens, nacli dem Urteile vieler, auch heute noch nichts anderes als ein übertünchtes Heidentum. Dass derartige Zustände der Landeskirche auf die winzige Minderheit der Israeliten einen gewissen Einfluss ausüben müssen, ist natürlich. Dieser macht sich vor allem darin bemerkbar, dass auch die Israeliten dem Thema von Reformen oder Vertiefung der Religion möglichst aus dem Wege zu gehen suchen. Hat man doch jahrzehntelang so bequem dahingelebt, ohne an Neuerungen irgend welcher Art zu denken! Abgesehen von