Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Rothschilds
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 387 - 388 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Arthur Silbergleit: Die Rothschilds. 388 Baron Salomon Rothschild. eifer Amschels, seine stille und zähe Tüchtigkeit und sein menschlich breites Behagen der Wesensart der Frankfurter, kamen der weltmännische Schliff und die Gepflegtheit Salomons gerade in den glatten und glänzenden Salons Wiens zur Geltung, warben die Vornehmheit der Lebensanschauung, die ruhige Würde, äussere Macht sowie die Grosszügigkeit seines Unternehmungsgeistes Nathan in London Freunde, hatten die Gemütszartheit und Gefühlsverschwommenheit Karls in Neapel etwas von dem zitternden Zauber südlicher Sonnenuntergänge, umfingen James Lebenslust und Kunstliebe die Weltstadt der Frauenherrschaft und die stolzen Türme von Notre Dame mit der selben Inbrunst, mit der er von ihr selbst willkommen geheissen wurde. Galt es aber wirklich einmal Geländeschwierigkeiten im weitesten Sinne dieses Wortes zu überwinden, so half die bekannte jüdische Anpassungsfähigkeit an gegebene Verhältnisse der Brüderschar über gefährliche Flöhen und 'liefen hinweg. Das Geheimnis des rothschildschen Erfolges zu ergründen, musste .naturgemäss die Enträtselungs- und Deutungskraft vieler Geister locken, doch aus den siebenfachen Hüllen, mit denen die nimmermüde Legende es umwob, trat es mir selten nackt und schleierlos heraus. Einer der Wenigen, die den wirtschaftlichen Aufstieg dieses Geschlechtes aus unmittelbarer Nähe betrachten konnten, war, wie I g n a z Ball a in seinem lesenswerten Buche ,,D i e Rothschilds" (im Verlage von J. Ladyschniko w , B e r 1 i n) zutreffend bemerkt, der Vertraute des Fürsten von Metternich, überdies ein Mann von ausserordentlichen, staatsmännischen Fähigkeiten: Friedrich von Gentz. Dieser scharfe und durchdringende Geist führte jenen Erfolg auf die Beachtung vornehmlich zweier Grundsätze zurück. Der erste hiess nach seinen Aufzeichnungen die fünf Bruder ihre sämtlichen Geschäfte in steter und ununterbrochener Gemeinschaft betreiben. ,,Das war das Gebot, das der sterbende Vater hinterlassen, und wenn je ein Glücksstern über ihnen gewaltet hat, so ging er ihnen in dem festen Entschlüsse auf, dieser Regel nie untreu zu werden. Der andere Grundsatz, den sie sich zum Augenmerk gesetzt, war der, bei keinem Unternehmen nach übertriebenem Gewinn zu trachten, jeder ihrer Operationen bestimmte Schranken anzuweisen und, soviel menschliche Voraussicht und Klugheit es vermochte, sich von dem Spiel der Zufälle unabhängig zu machen. In dieser Maxime: Servare modum finemque tenere — Mass halten und das Ziel nie aus dem Auge verlieren — lag eines der Haiiptgeheimnisse ihrer Stärke/' Es konnte nicht ausbleiben, dass ein von Sagenhauch und Märchenglanz so stark umwittertes und umglühtes Geschlecht gerade von den Freunden alles sagenhaft-bunten, keineswegs alltagsgrauen Lebens wiederholt gewürdigt wurde. Und es bot ein Schauspiel von eigenem Reiz, wie von dem immer stärkeren Wall des rothschildschen Ruhmes alle Geschosse und spitzen Pfeile der Spottlust, Bosheit sowie des Neides wirkungslos abprallten. Selbst durch den witzigen Entgötterer Heinrich Heine fanden die Grosszügigkeit, der Unternehmungsgeist und Gedankenschwung der Rothschilds beinahe eine Vergötterung. Der Verfasser des „Atta Troll" malte nur selten das Bildnis eines Menschen in so hellen Farben wie das Konterfei von James Rothschild, dessen Palast den „ungezogenen Liebling der Grazien" oft gastlich empfing. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, dass man in der umfangreichen Gemäldesammlung, die sich aus den zahlreichen Bildnissen der Rothschilds zusammensetzt, auch nicht das jüngste Werk, das Lustspiel „Die fünf Frankfurter" vergisst, in dem ein Dichter unserer Tage, Karl Rössler, die fünf Köpfe zu einer Gruppe vereinigte. Für diese äussere Zusammenfassung Aller zu einem Ganzen bildet ihr Lebensgang die stärkste Baron Karl Rothschild.