Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Das Lehrlingswerk der Alliance in Tunis
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 339 - 340 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2584033-2584038-2604494--14454-2604561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
339 Das Lehrlingswerk der Alliance in Tunis. 340 Strickatelier. In dem mit vier Strickmaschinen ausgestatteten Strickatelier, das gleichfalls in der Schule etabliert ist, sind gegenwärtig zwei Arbeiterinnen tätig. Sie erwerben die Maschinen durch jährliche Abschlagszahlungen und wie die Stickerinnen ziehen sie den Ertrag ihrer Arbeit von der Kundschaft direkt ein. Unterbringung der Lehrlinge in der Stadt. In ähnlicher Weise wie die Knaben werden auch die Mädchen in Lehrstellen untergebracht. Die jungen Lehrmädchen erhalten eine monatliche Zuwendung von 5 Francs, die ihnen gestattet, ohne allzugrosse Ungeduld ihr erstes Gehalt zu erwarten. Gegenwärtig sind 27 Lehrmädchen untergebracht : 4 Korsettnäherinnen, 7 orthopädische Arbeiterinnen, 2 Modistinnen, 1 Hemdennäherin, 2 Herrenschneiderinnen, 10 Stickerinnen, 1 Musterzeichnerin. Das gesamte Lehrlingswerk für Mädchen kostet der Alliance jährlich 5000 Francs. Um nochmals kurz zusammenzufassen: Das israelitische Lehrlingswerk hat den Zweck, die jüdisch - tunesische Bevölkerung zur Ausübung eines Handwerks anzuregen. Durch die Sorgfalt in der Auswahl der Lehrlinge will die Direktion in den Augen der Lehrlinge und deren Eltern den moralischen Wert des in gewissen einheimischen Kreisen verachteten Handwerks erhöhen. Die Knaben erhalten ihre Ausbildung bei den von uns ausgewählten Meistern. Während seiner Lehrzeit erhält der junge von der Schule überwachte Lehrling in der Schule sein Mittagsmahl, einen Arbeitsanzug, Werkzeuge und monatliche Beihilfen von 5—7 Francs. Der Abendkursus trägt dazu bei, sein bescheidenes Wissen zu erweitern, und seine Zugehörigkeit zur Sparkasse und zur Arbeiterversicherimg weist ihn rechtzeitig auf die Vorteile der Sparsamkeit und der Solidarität hin. Die jungen Mädchen werden im Schneidern, Sticken, Stricken und Weissnähen in der Schule selbst in den zu diesem Zweck eingerichteten Ateliers unterrichtet. Die Schülerinnen, die andere Arbeit erlernen wollen, werden zu den gleichen Bedingungen wie die Knaben in der Stadt untergebracht. Durch die sehr befriedigenden Resultate tragen unsere Lehrlings werke im gewissen Masse zur industriellen Entwicklung unseres Bezirks und zur Hebung des einheimischen Handwerks bei. C. Ouziel. NOTIZEN. Hannover. Die Feier seines sechzigsten Geburtstages beging am 23. März Herr Senator Leopold Fischer, Mitglied des Central-Comites der A. I. U. Herr Senator Fischer, der in zahlreichen jüdischen gemeinnützigen und Wohlfahrtsorganisationen arbeitet und vielfach an leitender Stelle steht, ist, obgleich er das Amt eines Central-Comite-Mitglieds erst seit den letzten Wahlen des Jahres 1911 bekleidet, auch in Alliancekreisen keineswegs eine neue Erscheinung. Im Lokal-Comite Hannover ist er seit vielen Jahren ein eifriger Mitarbeiter, und schon lange vor seiner Wahl in das Central-Comite hat er als Vertreter des Herrn Kommerzienrat Emil L. Meyer regelmässig an den Tagungen der deutschen Organisation teilgenommen. Ganz besondere Verdienste hat sich Herr Senator Fischer um die Alliance zu einer Zeit erworben, als gegen sie ein heftiger Kampf entfesselt worden war. Mit unermüdlichem Eifer widmete er sich der Aufgabe, die gegen die Alliance erhobenen falschen Anschuldigungen zu bekämpfen, die deutschen Mitglieder der A. I. U. über die wirklichen Verhältnisse aufzuklären, mitzuwirken an der Wiederherstellung des Friedens innerhalb der deutschen Comites, der zum grossen Teil sein Werk ist. Dass Herr Senator Fischer unter vielerlei Mühen und Arbeiten für die Schaffung einer neuen auf dem Boden der allgemeinen Alliancestatuten beruhenden Organisation der deutschen Mitglieder sich eingesetzt hat, ist ein weiteres nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst, für das wir ihm anerkennenden Dank wissen. Wir wünschen ihm und uns noch viele Jahre gesegneter Tätigkeit in unserer Mitte zum Besten unserer Sache. * Berlin« Am 10. März hat im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde Berlin unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Weisse die Generalversammlung der Berliner Mitglieder der Alliance Israelite Universelle stattgefunden. Der Bericht, den Herr Rabbiner Dr. Weisse erstattet hat, konstatiert mit Genugtuung,