Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Professor William Wolf
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 333 - 334 (sequence 3)
- Language
- German
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333 A. Friedmann: Professor AVilliaiii Wolf. 334 Hören wir noch einen Herzenserguss William Wolfs, über die bei uns gebräuchlichen Melodien gegenüber den sephardischen. Er sagt: „Welch ein starker Kontrast ergibt sich da! Welch schwernmtsvoller ergreifender Klageton durchzieht unsere Gesänge. Wie sind sie ein lebensvolles Abbild der tief schmerzlichen und zugleich tief edlen Empfindungen, welche die Herzen der früheren Generationen erfüllen! In einem Volke, welches, die Sehnsucht nach dem verlorenen heiligen Vaterlande im Herzen, in der Verbannung furchtbare und endlose Leiden erduldet, welches aber demutsvoll alle Qualen als gerechte Strafe für frühere und gegenwärtige Sünden betrachtet, in den göttlichen Verheissungen auf einstige Erlösung unerschütterlich festhält, und in seiner innigen Frömmigkeit immer wieder Trost und Hoffnung gewinnt, — in einem solchen Volke mussten wohl Gesänge auftauchen, welche, unter den Singweisen aller Nationen, sicher zu den ausdrucksvollsten gehören, an Macht schmerzlichen Ausdrucks wahrscheinlich alle überragen — um so weit, als sein Leiden das aller Völker der Erde übertrifft."*) Nach solchen Worten wird seine letzte Einladung an mich zu seinem Vortrag über Beethovens Missa solemnis inter- *) Aus dem obengenannten Werke. essieren. Wolf schrieb mir: „Wenn Sie Zeit und Lust haben sollten, meinen morgigen (8. I. 13) Vortrag über Beethovens Missa solemnis im Lette-Hause zu hören, so wird es mich sehr freuen, Sie unter meinen Zuhörern zu haben. Ich hoffe dann aber, dass es Ihnen keine unangenehme Empfindungen erwecken wird, wenn Sie mich über dieses der christlichen Konfession gewidmete Werk gelegentlich mit einer Begeisterung sprechen hören, als wäre ich nicht ein guter Jude,, sondern ein frommer Christ. Sie wissen, mit welcher hinreissenden und herzbewegenden Schönheit Beethoven in diesem Werke die Textgedanken ausdrückt und werden mich richtig verstehen." Wolf entfaltete auch bei diesem Vortrage seine glänzende Rhetorik und zeigte in klassischer Sprache die musikalischen Schönheiten, die in der Missa solemnis liegen. Als er mit hochgehobener Hand die Worte „Gloria in cxcelsis Deo" sprach, fiel er um, und sein edles, selten gutes Herz hörte zu schlagen auf. Mit dem Bekenntnis: *.nx an»2 nnx „Herrlich in der Höhe ist Gott" auf seinen. Lippen starb William Wolf, „wie von Gott geküsst". Mit Professor William Wolf ging ein wahrhaft edler Mensch dahin. Sein Andenken bleibt allen, die je mit ihm in Berührung kamen, unvergesslich. LITERARISCHE RUNDSCHAU. Die Kunst in Bildern. Bisher sind die folgenden Bände erschienen: „Die altdeutsche Malerei11, „Die Frührenaissance", „Die altmederlänilische Malerei". „Das weibliche Schönheitsideal in der Malerei". Preis pro Band: in Pappband Mk. 6,—, in Leinwand gebunden Mk. 7,—. Verlag von Eugen Diederichs in Jena. In einer gärenden, werdenden Zeit wie der gegenwärtigen ist es begreiflich, wenn die Künstler von der gemeinsamen Triebfeder aller Künste, der ürmclodie der Seele, mehr als je ahnen und wissen. Da wird auch der Leser von „Ost und West", der an Bilder und Bilddeutung zur Genüge gewöhnte jede grosse Förderung in reinkünstlerischen und künstlerisch-religiösen Dingen freudig begrüssen. Die vor uns liegenden Bände, die eine einzigdastehende Tat bedeuten, enthalten des "Wunderbaren so viel, dass man nicht weiss, was man zuerst rühmen soll. Die Auswahl ist die denkbar glücklichste: nur das wahrhaft Geniale, das in jeder Linie Lebendige und momentan Ergreifende ist berücksichtigt worden. Ich nehme nur den Band „Altniederländische Malerei" vor und hebe einiges heraus. Welcher Laie kannte bisher den herben, innigen Dirks Bouts, den feinen Charakteristiker Hugo van der Goes, den seltsamen Hieronymus Bosch? Aus allen ihren Bildern singt und klingt es wie am ersten Tag. — Motive aus dem „Alten Testament" sind in jedem Bande enthalten. Sie seien als Ergänzung zu den in „Ost und West" vielfach gelieferten Zusammenstellungen hier aufgezählt: Im ersten Bande: Konrad Witz: Abisai bringt dem König David einen Becher Wasser; derselbe: Sabothai und Benaja kommen zu David; derselbe: Ein Priester des alten Bundes; derselbe: Aliasverus und Esther. Bernhard Strigel: David mit dem Haupte des Goliath. Albrecht Dürer: Adain; derselbe: Eva. Lucas Cranach d. Aelt.: Das Opfer Abra- * hams; David und Bathseba. Im zweiten Bande: Jan van Eyck: Adam und Eva. Dirk Bouts: Die Feier des Passahmahls; Der Prophet Elias in der Wüste; Die Mannalese► Abraham und Melchisedek. Hugo van des Goes: Der Sündenfall. Hieronymus Bosch: Das Paradies. Bemacrt van Orley: Die Prüfungen des Hiob. Cornelis Engelbrechtsen: Die Aufrichtung der ehernen Schlange. Im dritten Bande: Antonio Pollaiuolo: David mit dem. Kopf des Goliath. Benozzo Gozzoli: Weinlese im Garten Noahs. Ercole de Roberti: Mannahlcsc der Israeliten in der Wüste. Luca Signorelli: Moses gibt sein Testament; Szenen aus dem Leben Moses. Sandro Botticelli: Szenen aus dem Jugendleben Mosis. Perugino und Pinturicchio: Zippora mit den Söhnen Mosis. Sandro Botticelli: Moses und die Töchter Jethros. Piero de Cosimo: Untergang Pharaosim Roten Meer; Israeliten aus Pharaos Untergang im Roten Meer. Cosimo Roselli: Anbetung des Goldenen Kalbes. Luca Signorelli: Moses gibt sein'jTestament: Kopf aus dem Testament des Moses. Perugino und Pinturicchio: Der Engel droht Moses zu töten. Piero de Cosimo: Kopf eines, alten Kriegers aus Pharaos Untergang im Roten Meer. Sandro Boticelli: Moses aus der Bestrafung Datans und Abirams. Im vierten Bande: Masolino: Adam und' Eva;. Der Sündenfall. Raffaelo Santi: Der Sündenfall. Michelangelo: Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies. Jaeopo Palma il Vecchio: Adam und Eva. Paris Bordone: Bathseba. Francesco Albani: Der Sündenfall. Jan van Eyck: Adam und Eva. Hans Memling: Adam und Eva. Mabuse: Adam und Eva. Rubens: Bathseba. Caspar Nctscher: Bathseba. Dürer: Eva. Keiner, der auf Bildung und Erhebung bedacht ist, sollte sich diesen Tempelschatz im heiligsten Sinne des Wortes entgehen lassen. Ucber den geringen. Preis kann man mir staunen. Arno Nadel. * (Fortsetzung auf Seite 345/346.>