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Ost und West · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 329 - 330

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Lord Byrons hebräische Gesänge und die Tondichter der romantischen Schule
Date
1913-04-01
Page
Seite 329 - 330 (sequence 5)
Language
German
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329 Dr. Leopold Hirschbcrg-Berlin: Lord Byrons hebräische Gesänge und die Tondichter der romantischen Schule. 330 <lerung der grausigen Erscheinung die unheimliche ,hypophrygische" Tonart an: Das Haar sträubt sich auf dem Haupte des Sehenden, sein Fleisch erbebt bei den Worten: „Wie mag der Mensch gerechter sein denn Gott?" Zum Licht empor drängt der Klang von „Davids Harf e" (Byron No. 2), ein kleiner einfachster Psalm voll unendlichen Wohllauts, denen geweiht, deren Ohren den Tönen des „gottgeliebten" Sängers nicht verschlossen sind. Wie die „höhre Welt", mit der ihn eine innige Verwandschaft verbindet, kann dieser Gesang von einer Singstimme mit Klavierhegleitung oder von 4 Stimmen allein vorgetragen werden. Mit dem freudig-erhabenen Preisgesange „Saul" (Byron No. 11) nimmt Loewe von dem grossen Könige, der in der Schlacht gefallen ist, ergreifenden Abschied. Auch in der Tondichtung Schumanns: „Dem Helden", zu dem abermals die Harfe ihre rauschenden Klänge leiht, besitzen wir ein Heroenlied voller Schwung und Begeisterung: „Es netze keine Thrän' dein Maal, Wir klagen nicht um dich!" Ein harmonischerer Abschluss des Ganzen konnte nicht gefunden werden, als Loewe ihn mit: „Jerusalems Zerstörung durch Titus" (Byron No. 20) gab. Es ist der Epilog des Dichters, der zum letzten Mal von der Burg Zion auf die Trümmermassen des heiligen Tempels blickt. Herb und schmerzvoll sind die Töne des Anfangs, Tränen fliessen über das schmerzdurchfurchte Antlitz dessen, der Zeuge so unsäglichen Jammers sein muss. Alle Qual der Knechtschaft tritt zurück vor diesem einen Bilde namenlosen Elends. In Wehmut gedenkt er des herrlichen, überwältigenden Anblicks, wenn in vergangener Zeit die Abendsonne die Kuppel des Tempels bestrahlte. Noch einmal krampft sich die Faust in ohnmächtigem Rachedurst zusammen — aber der Geist des Friedens senkt sich über ihn: „So zerstreut und verachtet dein Volk auch mag sein, Anbetung, o Vater, sei dir nur allein!" Wie Runze in seinem „Loewe redivivus" (Berlin 1888, p. 120) mitteilt, haben Loewes hebräische Gesänge stets in einem Prachtband auf Mendelssohns Flügel gelegen (Bericht von Fanny Hensel). Und so wäre es eine dankbare und würdige Aufgabe für die „Gesellschaft zur Verbreitung der Wissenschaften des Judentums", eine neue und schöne Ausgabe der Byronschen Dichtungen und ihrer Tondichter zu veranstalten und kunstsinnigen Familien damit eine Gabe unversiegbarer Schönheit zu bieten. PROFESSOR WILLIAM WOLF. Von Köniarl. Musikdirektor A. Fricdmann. .... „Mit der Geburt des neuen Kantorats kam auch der moderne jüdische Dirigent zur Welt. Der Kantor sollte ein geschulter Sänger und intelligenter Vorbeter, und der Dirigent ein tüchtiger Musiker und Kenner der Harmonie sein. Von den Dirigentenkomponisten sind besonders vorteilhaft bekannt Mr. Mombach-London, Professor David-Paris, Adolf Grünzweig-Arad und Professor Lewandowski-Berlin."*) Nach Lewandowski hat sich Professor William Wolf in Berlin zu einem sehr bekannten Chordirigenten emporgeschwungen. Ihm sollen diese Zeilen anlässlich seines 75. Geburtstages, den er leider nicht mehr erlebt hat, gewidmet sein. William Wolf wurde am 22. April 1838 in Breslau als Sohn des Lehrers und Predigers Joseph Wolf geboren. Sein väterlicher Grossvater war der bekannte Lehrer Wolf an der Franz- Schule in Dessau, sein mütterlicher Dr. Jeremias Heinemann-Berlin. Wolf kam in seinem fünften Lebensjahr nach Berlin, besuchte hier die Schule und trat dann im Alter von zwölf Prof. William Wolf. ausschliesslich der Musik, besuchte das Stenvsche Konservatorium und später auch die „Akademie der Tonkunst" von Th. Kullack. Infolge Ueberanstrengung eines Fingers beim Klavierstudium musste er dem Pianistenberufe entsagen und widmete sich den musikalischen Wissenschaften und dem Lehrfach. In diesen Fächern gelang es Wolf Hervorragendes zu leisten. Seine musikwissenschaftlichen Vorträge, die er als einer der ersten durch Beispiele am Klavier erläuterte, verschafften ihm eine Berufung als Dozent an die Humboldt-Akademie. Hier war William Wolf in seinem Element. Seine geistreiche, ausserordentlich klare und zündende Sprache verschaffte ihm stets eine grosse Schar von Zuhörern, die Belehrung über die klassischen Meister in der Musik suchten. Das Ergebnis seiner wissen-"^ schaftlichne Untersuchungen über musikalische Probleme legte er in zwei grossen Bänden, bezeichnet „Musik-Aesthetik" nieder. Diese Arbeit verschaffte Wolf Lob und Jahren wegen seiner schönen woldklingenden Sopran- Ruhm von Seiten der ersten Musikautoritäten und stimme und seinen musikalischen Anlagen in den Chor der Alten Synagoge unter Lewandowski und Lichtenstein ein. Zum Jüngling herangereift, widmete sich Wolf sein iSame -wurde dadurch in der Musikwissenschaft von grosser Bedeutung. Wolf besass auch tiefes und feines Verständnis für synagogale Melodien, und gar oft sprach er von den religiösen und musikalischen Eindrücken, *) Siehe Minkowski, Vortrag, gehalten in dem Brody'er die er schon als Knabe in der hiesigen alten Syna- Tempel zu Odessa zur Feier des 40jährigen Amtsjubiläunis goge in sich aufgenommen hatte. Mit dem Gottesdienst des Chordirigenten D. Nowakowski (1910). vertraut, leitete er den Chor in der Kaiserstrassen-

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