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Ost und West · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. Seite 287 - 288

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Article
Geld und Gott
Date
1913-04-01
Page
Seite 287 - 288 (sequence 4)
Language
German
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287 Binjnniin Segel: Geld und Gott. 288 kunstloses .Volk geblieben. Mögen uns die andern nur. ruhig verspotten. Wir, wir wissen genau, dass wir mit diesem hohen Opfer für uns und die Menschheit etwas unendlich Kostbares erkauft haben und es bewahren wollen. Wir haben darob viel versäumt, aber wir können alles nachholen. Erst als der echt heidnische Trieb zur Ycrsinnlichung und Erotisierung der Gottheit aus der Seele unseres Volkes so gründlich ausgerottet ward, das von seiner Seite keine Gefahr mehr drohte, durften wir dem künstlerischen Trieb frei die Zügel sehiessen lassen. Die Werke der jüdischen Maler und Bildhauer seit Beginn des 19. Jahrhunderts sind da, um Zeugenschaft abzulegen, dass unser Können auf diesem Gebiete nicht zu unterschätzen ist. Allein eben diese Natur des jüdischen Gottesbegrifl's war auch das Haupthindernis seiner Verbreitung in der Welt. Jener Uniwandlungsprozess, der Jahrtausende vor Christus in der Seele des jüdischen Volkes vor sich gegangen war und es befähigte, dem einig-einzigen, rein geistigen Gott die ganze Herzenswärme un<l Au l'opferimgsfähigkeit zuzuwenden, war so ungeheuerlich, dass er nicht so bald wiederholt werden kann. Die grosse und mächtige Propaganda, die das Dasporajudentum nahezu drei Jahrhunderte hindurch vor Christus in der griechischen Heidenwelt für denMonotheismus gemacht, hat sehr tiefe Wirkungen ausgeübt.4) (Sogar bei solchen flachen Naturen wie Vergil und Horaz finden wir Spuren der Bibel, aber sie sind vorwiegend literarisch.) .Aber sie war selb s t vcrständlicl i nicht stark und andauernd genug, um deren Seele soweit umzubilden, dass sie für die jüdische Theophilie und den jüdischen Monotheismus reif geworden wäre. Der Gott des aristotelischen Monotheismus war ein abstrakter kalter Begriff, ein Gott der Retorte und der Studierstube. Und die Götter des Olymp waren, ach, schon so lange tot, sie waren lange vor Theagenes von Rhegion, lange vor dem Aufblühen der griechischen Philo- 4) Alan lose hierüber E s ch o 1 b a c h e r s Ausl'üh - rungen in seinem grundlegenden Werke ..Das Judentum und das Wesen [des Christentums". BEGIX'A MUXDLAK. Chassidischer Jüngling. Sophie gestorben. Sie waren im Grunde totgeboren. (Nur als Modelle schöner menschlicher Leiblichkeit werden sie unsterblich bleiben.) Die ganze damalige Menschheit sehnte sich nach einem Gott, den sie verehren und lieben konnte. Sie war bereit, den Gott Israels anzuerkennen, aber ihn sich so zu denken, wie die Juden, und ihn zugleich zu liebem dazu war sie noch lange nicht reif. Es hat weniggenützt, dass Paulus ihr das ganze ,,Gesetz" des Judentums erliess und sogar das jüdische Volk preisgab. Hier bedurfte es einer grösseren Konzession: sollten die Heidenvölker Gott lieben, so mussten sie ihm ein Wesen in Menschengestalt hinzugesellen. Gott ist einzig? Ja! Aber er hat einen Sohn, in dem er sich verkörpert, menschliches Leiden und menschliches Sterben auf sich genommen hat. N u r s o vermögen wir ihn zu lieben. . . . Die Juden aber, die konnten Gott lieben und für ihn sterben, auch wenn er nicht als sein eigener Sohn auf Erden gewandelt und schliesslich eines qualvollen Todes gestorben ist. Hier hörte das gegenseitige Verstehen auf. A n diese m P u nkte schieden sich die Wege beider Religionen. Und noch Jahrhunderte später prägten die Rabbinen eine rührend naive und unbeholfene.Formel, um dem Christentum den Dualismus oder auch die Trinität zu entschulidgen: ,,Ummoth lö niztawwu al ha-schitthuph", den nichtjüdischen Völkern ist es nicht verboten worden, dem einzigen Gott noch ein mensch enähnliches Wesen hinzu zugesellen in der Verehrung; sie können es nicht anders, man darf ihnen das nicht verübeln, sie sind trotzdem keine Götzendiener, keine Heiden mehr; sie beten Gott, den Einzigen, an. Wir Juden haben das freilich nicht nötig. Wir wissen: er ist einig-einzig, allein, übersinnlich, reingeistig, überweltlich, und ist doch der Ewige, der barmherzige und liebreiche Gott, langmütig und gnadenreich, stark in Treue und Wahrhaftigkeit, er hütet seine Gnade der tausendsten Generation, er verzeiht Sünde, Frevel und Fehltritt. . . . So hat ihn Mose gesehen und angerufen, aber nicht — der Professor Sombart. PARTS.

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