Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Das Lehrlingswerk der Alliance in Konstantine
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 257 - 258 (sequence 2)
- Language
- German
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257 Das Lclirlingsweik der Alliance in Konstantine. 258 hatte., die Beschwerden und Klagen entgegenzunehmen, die von gewissen kleinen Meistern und gewissen Arbeitern vorgebracht worden waren, und die dahingehen, daß die Werkstätten der Gesellschaft den ersteren Konkurrenz machen und die letzteren ausnutzen, hatte am 14. Januar mit den Mitgliedern des Komitees der „Arbeit" und den Werkführern der Ateliers dieser Gesellschaft eine freundschaftliche Aussprache. Herr Gueron, Direktor der Gesellschaft „Die Arbeit" hat Erklärungen und Auskünfte gegeben, die in klarer und deutlicher Weise durch Tatsachen und den Akten der Gesellschaft entnommenen Zahlen bewiesen, dass die vorgetragenen Beschwerden ganz besonders, was. die Gesellschaft „Die Arbeit" betrifft, in nichts gerechtfertigt sind. Dass im Gegenteil die genannte Gesellschaft an einem Werk der Solidarität arbeite, das zur wirtschaftlichen und moralischen Erhebung des Proletariats beitrage, dem die anwesenden Mitglieder der Arbeitsbörse Anerkennung zollen, indem sie freimütig bekennen, daß die angewandten Mittel, sowohl was die technische Ausbildung der Lehrlinge als auch was die kaufmännische Leitung der Werkstätten betrifft, nicht dazu angetan sind, die Interessen der Arbeiterklasse zu schädigen. Konstantine, 14. Januar 1913. M. G a 1 e a , Sekretär der Arbeitsbörse. MM. Richard, Sasso, Magri, Mitglieder der Umfragekommission der Arbeitsbörse. M. Narboni, Präsident der Gesellschaft „Die Arbeit". M. G ueron, Direktor der Gesellschaft „Die Arbeit"'. BERICHT AUS MOSSUL Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass Herr Saglian, der neue französische Konsul, unserer Knabenschule ganz unvermutet einen Besuch abgestattet hat. Nachdem er durch alle Klassen gegangen und an unsere grossen Schüler einige kurze Fragen gerichtet hatte, erbat er von mir Aufklärung über die Ziele der Alliance Jsraelite Universelle, die ihm bisher unbekannt waren. Als die Mittagsglocke ertönte, war er angenehm überrascht, dem Mittagsmahl der armen Kinder beiwohnen zu können. Die Speisung unserer armen Kinder interessierte ihn ausserordentlich. Um einen langen Tisch sitzen ernst und schweigend die Kinder und erwarten artig ihre Portion. Das gleichmässige Klappern der Löffel, das von dem guten Appetit unserer Kleinen Zeugnis ablegte, machte Herrn Saglian viel Vergnügen. Er sprach sogar davon, die Kinder, gerade wie sie da beim Essen sitzen, photographieren zu lassen. Als er uns verliess, sprach er seine Bewunderung für das Werk der Alliance aus, dass sein Interesse nach zwei Richtungen hin, vom humanitären und politischen Standpunkt, erweckt hatte, Er wiederholte mir unaufhörlich, wie gross die Ueberraschung sei, die er in unserer Schule erfahren habe. Er wäre erstaunt und zugleich erfreut, in einem so versteckten Erdenwinkel ein solches Institut zu finden. Seine Befriedigung wäre um so ehrlicher, als sein unvorhergesehener Besuch uns keinerlei Vorbereitung gestattet habe. Und indem er unsere Schüler zum Abschied freundlich grüßte, sagte er ihnen, dass er sich freuen werde, sich oft mit ihnen zu unterhalten. Zwei Tage später hatte ich den Vorzug, den Besuch des'englischen Konsuls zu empfangen. Die auf seine Fragen in französischer Sprache gegebenen Antworten unserer Kinder interessierten ihn lebhaft. Unter dem günstigen Eindruck ihrer Lebhaftigkeit und Intelligenz sprach er den Wunsch aus, uns auf seine Kosten einen Lehrer der englischen Sprache schicken zu dürfen, der in der ersten Klasse einige Stunden englisch unterrichten solle. Diese Zusage wurde von unseren Schülern mit grosser Freude aufgenommen, denn die Notwendigkeit der Kenntnis ['dieser^Sprache wird sich fühlbar machen, sobald der Betrieb der Bagdadbahn den englischen Handel bis- Mossul ausbreiten wird, der bereits in einigen Zentren Mesopotamiens in Blüte steht.