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Ost und West · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 253 - 254

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
Zehn neue Bibelbilder von Franz Hein
Date
1913-03-01
Page
Seite 253 - 254 (sequence 3)
Language
German
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253 Helene Lilien: Zehn neue Bibelbihler von Fnmz Mein. 254 die sich im Jahre 1896 zum Karlsruher Künstlerbunde zusammenschlössen und die es sich als Aufgabe gestellt hatten, die Künstlerlithographie zu lordern und auszubilden. Hein selbst hat eine Reihe von schönen Lithographien geschaffen: Märchenbilder Und Vogesenlandschaften. In diesen neuen Bibelbildern greift er zum ersten Mal zu einem ungewöhnlich grossen Format, die Bilder messen 70x100 cm; das erfordert natürlich eine ganz andere Gliederung der Komposition als es bei kleinen Blättern der Fall ist. Hein gibt durchweg. wenige sehr grosse Figuren, die fast den ganzen Raum füllen und nur geringen Platz für Nebenfiguren oder Landschaft lassen. Dadurch erzielt er eine durchaus monumentale Wirkung, die die Bilder für ihren Zweck, als Anschauungsmittel für den Unterricht und als Wandbilder zu dienen, vorzüglich geeignet machen. Auch technisch sind die Bilder ausgezeichnet, was bei einem so geübten Künstlerlithograplien nicht weiter verwunderlich ist. Mit wenig lein zusammengestimmten Farben hat Hein es ver^ standen, die der Lithographie eigentümliche Wirkung in schönstem Masse zu erzielen; die südliche Sonne glüht auf dem reifen Getreide, die gebräunte Haut der Körper steht prachtvoll gegen die satten Farben der Gewänder. Aach der Charakter der palästinensischen Landschaft ist vorzüglich wiedergegeben, obgleich der Künstler sie nie mit eigenen Augen gesehen hat. Durch eingehende Studien hat er es verstanden, ihre Eigenart zu erfassen und sie durchaus wahrheitsgetreu wiederzugeben. — So bedeuten diese 10 Bibelbilder eine erfreuliche Bereicherung jüdischer Kunst, geschaffen von einem nichtjüdischen Künstlei'. VON DEN HEUTIGEN JUDEN SALONIKIS. Von Prof. Di-. Frankel. Seitdem das griechische Hauptheer unter Führung des Kronprinzen Konstantin nach einem ruhmredig in die Welt hinausposaunten, tatsächlich aber kaum durch türkische Streitkräfte ernstlich behinderten Sieges laufe'' von der thcssalischen Grenze bis nach der sehnlichst erstrebten drittgrössten Stadt des Türkischen Reiches, Saloniki, vorgerückt und Glitte November in diese offene Stadt nach der Preisgabe durch die demoralisierte und halb verhungerte türkische Besatzimg eigentlich ohne Schwertstreich eingezogen ist, hört man ununterbrochen von den Qualen und Drangsalen, welche die Bewohner der vielumworbenen Hafen- und Handelsstadt zu erdulden haben. Sofort nach der „Eroberung" durch die, griechische Länderhabgier verbreitete der geduldige Telegraph die Räubermäi* von angeblichen entsetzlichen Greueltaten, die am Nachmittage des Tages, da das türkische Militär sich zurückgezogen, und vor dem Einmarsch der durch eifersüchtige Bulgaren verstärkten Neuhellenen, der „mohammedanische" oder der „türkische" Pöbel in den Strassen und Häusern der „schutzlosen" Stadt verübt haben soll, durch Europa, um dieses für Zustimmung zur Besitznahme gefügiger und ihm die sogleich danach etablierte Gewaltherrschaft der neuen Herren mundgerecht zu machen. Jedem Kenner der merkwürdigen Yölkermischung jener alten Stadt musste auf den ersten Blick jene Alarmkunde fraglich, sogar verdächtig erscheinen. Denn eine so zahlreiche und armkräftige niedere türkisch-mohammedanische Einwohnerschaft, die die anderen Elemente dermassen schikanieren könnte, gibt es in dieser Grossstadt überhaupt nicht. Höchstens ein Fünftel der Bewohner nämlich sind Mohammedaner, und auch von diesem Bruchteil dürfte eine Menge waffenfähige Männer als Glieder der ordnungsmässigen Kämpferschar abzuziehen und mit den regulären Truppen abgerückt sein. Nämlich von den 120000 Einwohnern, die die Stadt in den Neunzigern des vorigen Jahrhunderts zählte, waren nur etwa 8000 türkische Mohammedaner, dagegen über 15 000 jüdische Mohammedaner, über die wir unten Näheres hören werden. Bald sickerte denn auch die Wahrheit durch: nicht mohammedanischer Pöbel hatte die Stadt terrorisiert und sich gar an Christen vergriffen unter allerlei angedichteten Scheusslichkeiten, sondern die von unerwartetem Kriegsglück begünstigten Griechen und Bulgaren, die unter dem Zeichen des „Kreuzes" mit viel künstlichem Fanatismus den Krieg vom Zaune gebrochen und damit Europas Ruhe und Frieden gestört hatten, waren seihst mannigfaltiger Grausamkeiten und Gewalttaten schuldig geworden. Und wie früher in halbzivilisierten Gegenden dos Abendlandes, so richtete sich dort an der Grenzscheide des Orients der Uebermut einer siegestrunkenen, grossenteils zügellosen Soldateska wider die J u d e n. Lügen haben kurze Beine. Etwa seit dem .18. November ertönten immer vernehmliche]' die Klagen und Hilferufe der gepeinigten, dazu in ihren heiligsten Gefühlen verletzten Juden Salonikis nach Mittel- und Westeuropa. Die Soldaten hatten auf den Strassen Juden aufs gröblichste behandelt, vielfach deren Häuser geplündert, Synagogen schändlich entweiht, kurz, waren gegen die völlig unschuldige Mehrheit der gleichsam beschlagnahmten Stadt verfahren wie die verrufensten Wegelagerer und Piraten im finstersten Mittelalter oder gar im grauen Altertum. Die misshandelten und schwer bedrängten Juden Salonikis wandten sich in ihrer Not an den Grossrabbiner in Konstantinopel, der die ihm zu Gebote stehenden Verbindungen benutzte. Andererseits besannen sie sich vernünftigerweise darauf, dass die türkischen Untertanen auf griechischem Boden, die sie doch zurzeit gleichsam sind, unter dem Schutze des Deutschen Reiches stehen, und so riefen nicht nur die wenigen deutschen Juden in der wider allen modernen Kriegsbrauch behandelten Stadt, sondern auch das Gros der Saloniker Judenschaft die rechtliche Beschirmung durch die Berliner Regierung an. die denn auch mit anerkennenswerter Bereitwilligkeit erfolgt sein soll. Diese Kette aktueller Tatsachen hat wieder einmal die Auf merksamkeit der Kulturwelt auf die seltsamen religiös-politischen Zustände des alten Thessalonike1) gelenkt und mancherlei halbrichtige oder recht-verwirrte Mitteilungen in die Zeitungen gelenkt, die jene Tagesneugier befriedigen sollten. Aus, der Zahl dieser Aufklärungsversuche ragt ebenso durch sichtlich genaue Angaben aus nächster Hand, wie durch stark parteiisch, fast judenfeindlich anmutende Stimmung ein- Feuilletonaufsatz eines (nicht näher bekannten) E. E. Lehmann hervor, veröffentlicht in dem bei weitem verbreitetsten süddeutschen Tageblatte, den „Münchner Neuesten Nachrichten", Nr. 600 vom 24. November (diese Messen in Nr. 41 von 1912, S. 485, der „Allg. Ztg. des Judentums" mit Recht: „keineswegs einseitig judenfreundlich!".) Ohne uns darauf einzulassen, den Wortlaut Lehmanns kritisch ' (Fortsetzung auf Seite 263/264). l) Türkisch Selanifc, slawisch Solun: die vielgebrauchten Formen Salonichi und Salonik sind falsch.

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