Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Zehn neue Bibelbilder von Franz Hein
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 251 - 252 (sequence 2)
- Language
- German
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251 Helene Lilien: Zem> heue Bibelbilder von Franz Hein. Ruth und Boas. f^F Auf dem zweiten Bilde ,, Joseph wird von seinen Brüdern verkauft" brennt glühend die Sonne vom tiefblauen, südlichen Himmel. Die Brüder und Kaufleute sind angetan mit dem typisch orientalischen Gewände, der Abaje, wie sie die Araber noch heute tragen, sie alle haben die Kopfbedeckung, das mit einer Schnur gehaltene Tuch, die vor den sengenden Strahlen der Sonne schützt, nur der arme Joseph ist unbedeckten Hauptes, als sollte er dem Sonnenstiche preisgegeben werden. Aller das nächste Bild zeigt ihn als Aegyptcr, wie er, ein vornehmer Herr, von dem Wagen gestiegen ist, um seinen Vater zu begrüssen, der mit seiner ganzen Familie und all seiner Habe nach Aegypten gezogen ist, um Joseph vor seinem Ende noch einmal zu sehen. Auch das folgende Bild, führt uns nach Aegypten, an die grünen Ufer des Nil, in dem die Prinzessin baden will. Umgeben von ihren Dienerinnen — eine Nubierin fächelt ihr mit dem Pfauenfächer Kühlung zu — entdeckt sie im Schilf ein Körbchen und als man es ihr bringt, findet sie darin das jüdische Knäblein, das sie .Mose nennt. Im Schatten der Bäume halb verborgen steht Miriam und sieht dem Vorgänge zu. Während alle diese Blätter von heller Sonne durchleuchtet sind, folgt jetzt ein Bild von Grösse und Wildheit: Mose, wie er vom Sinai herniedersteigt, die Gesetzestafeln im Arm. Die Figur in einen tiefroten Mantel gekleidet, füllt fast den ganzen Raum, nur seitlich bleibt ein Ausblick ins Tal auf die Zelte des jüdischen Lagers. Steinig ist der Wegseien er schreitet, tiefe Wolken liegen auf dem Gebirge, der Lichtschein des Herrn blieb hinter ihm. Aber sein Antlitz leuchtet. — Leider hat der Künstler wieder die zwei strahlenden Hörner verwendet , die seit Michel- 252 PROF. HEI X. O HIO IN ALZEICHNÜXf'r. Elicser und Rebekka. angelo, der als Bildhauer das Leuchten nicht anders darstellen konnte, auch in der Malerei spuken und wahrlich nicht dazu beitragen, das menschliche Antlitz zu verschönern. ' Im Vorraum des Tempels weiht Hanna ihren Sohn Samuel dem Dienste des Herrn. Der Hohepriester Eli segnet den Knaben, während der Vater bescheiden an der Seite steht und ehrfürchtig dem Vorgang zusieht. Welch' ein lustiges Blatt ist „David und Goliath" 1 Inmitten eines sonnigen Feldes steht furchtlos und; kühn der Knabe David. Goliath in seiner mächtigen Rüstung hat seinen Spass an dem kleinen Knirps, der ihn, trotzdem er unbewaffnet ist, besiegen will und obgleich der Riese dem Beschauer den Rücken kehrt, sieht man, wie er den Knaben ob seiner Tollkühnheit höhnt und sich über ihn lustig macht. Im Hintergrunde sehen; die Krieger voller Spannung dem ungleichen Kampfe zu. Weniger erfreulich ist „David spielt vor Saul" während „Ruth und Boas" ein Blatt voll grosser Schönheit ist. Ein weites, in glühender Sonne leuchtendes Kornfeld, im Hintergrund die ferne Bergkette und darüber ein tiefblauer, südlicher Himmel. Schnitter sind mit der Ernte beschäftigt und Ruth,, die einen Arm voll Aehren gesammelt, steht scheu und mit niedergeschlagenen Augen vor Boas, der freundlich mit ihr spricht und Wohlgefallen an ihrer Lieblichkeit und Anmut findet. Auf dem letzten Bilde sehen wir Tobias, der mit dem Engel Raphael von seiner Reise heimkehrt, von seinen alten Eltern, der Mutter Hanna und dem blinden Tobias freudig begrüsst. — •Nun noch einige Worte über den künstlerischen Wert der Blätter. — Franz - Hein gehört, wie schon bemerkt, zu dem Kreise derjenigen Künstler,