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Ost und West · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 233 - 234

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
Alte jüdische Grabdenkmäler aus der Krim
Date
1913-03-01
Page
Seite 233 - 234 (sequence 3)
Language
German
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233 Dr. S. Wrissenberg, Elisabcthgnul: Alte Jüdische (inihdenkinillcr aus der Krim. 234 eben beschriebenen Denkmälergattung ist, dass sie keine Aufschriften zeigt, was doch für einen Grabstein mehr als sonderbar wirkt. Da die meisten Denkmäler nur in Bruchstücken erhalten sind, so lassen sie dafür keine ausreichende. Erklärung zu. Diejenigen Denkmäler aber, die auf uns in mehr oder minder gutem Zustande gekommen sind, lassen eine doppelte Vermutung aufkommen. Erstens .konnte die entsprechende Inschrift, für die ein passender Raum vorhanden ist, wie in Abb. .4, im Laufe der Zeit verbjasst worden, oder, wenn sie nicht eingemeisselt, sondern angenagelt war, verloren gegangen sein. Zweitens aber, und dies bei denjenigen Denkmälern, die nicht vollständig erhalten sind, wie Abb. 3, ist in Betracht zu ziehen, dass der figürliche Teil, als der für den ungelehrten Finder mehr anziehende, deshalb vor dem Verluste bewahrt wurde. Mit diesen eben beschriebenen Denkmälern ist aber die Reihe derer, die in Kertsch aufbewahrt werden, nicht zu Ende, denn im Kaiserlichen Kurgan, der in der nächsten Umgebung der Stadt liegt und der auch zu einem kleinen Museum umgestaltet worden ist, sind ebenfalls einige unzweifelhaft jüdische Denkmäler zu finden. Bei ganz flüchtiger Durchsicht des mit wenig Sorgfalt geordneten Materials habe ich dort drei jüdische Grabsteine entdeckt, und zwar eine Steinplatte mit siebenarmigem Leuchter und schlecht leserlicher hebräischer Schrift, ein Bruchstück mit Menorah und griechischer Inschrift, und endlich eine grosse defekte Steinplatte mit griechischer Inschrift. Auch fand ich dort ein Säulenkapitellchen, auf dem die Namen DTOK und ni5>ö zu lesen sind. Die Fundumstände dieses Stückes sind leider nicht mehr bekannt und es lässt sich deshalb nicht sagen, ob es einem Grabmonument oder einem Gebäude angehört hat. Aber nicht nur die Fundumstände dieses Kapitellchens, sondern auch sämtlicher übrigen hier genannten Denkmäler sind leider unbekannt, was ein ganz besonderes Licht auf die frühere Verwaltung der Kurgane wirft. Was sich jetzt feststellen lässt, ist nur die Tatsache, dass sämtliche in den Kurganen aufbewahrten jüdischen Altertümer teilweise aus Kertsch selbst stammen, meistens aber aus seiner . Umgebung, darin auch die dem Kaukasus angehörende und Kertsch gegenüberliegende Halbinsel Xaman inbegriffen ist. Zieht man die verhältnismässig hohe Zahl der dort schon heute vorhandenen jüdischen Denkmäler in Betracht, so erscheint die Vermutung zulässig, ja wahrscheinlich, dass im Altertum in jenem engen Gebiet, wo Asien von Europa nur durch die schmale Wasserstrasse von Kertsch getrennt ist, zahlreiche und wohlorganisierte jüdische Gemeinden zu finden waren. Zur Bekräftigung dieser Meinung sei noch bemerkt, dass auf der .Tamanschen Halbinsel einst etwa 60 jüdische Grabsteine gleich den hier beschriebenen ausgegraben wurden, deren geringster Teil wohl nach Kertsch gelangt sein dürfte. Den Aufbewahrungsort der übrigen konnte ich leider nicht ermitteln. Auf dein in Rede stehenden Gebiete befanden sich im Altertum bekanntlich blühende griechische Kolonien, deren Reichtum auch manchen jüdischen Kaufmann angezogen haben könnte. In Anbetracht der Tatsache, dass im westlichen Teil der. Krim, wo zur selben Zeit nicht minder blühende griechische Kolonien entstanden, einstweilen noch keine den unsrigen entsprechenden jüdischen Denkmäler entdeckt worden sind, was wohl nicht blosser Zufall sein kann, ist die eingangs, erwähnte Hypothese vom kaukasischen Ursprung der krinischen Juden ernsthaft in Erwägung zu ziehen, denn nur dadurch ist ihr massenhaftes Auftreten zu einer so frühen Zeit in jenem Erdenwinkel einer plausiblen Erklärung zugänglich. Es ist anzunehmen, dass die kaukasischen Juden den Grund-, stock der dortigen Gemeinden bildeten, die erst später durch griechische Zuzügler hellenisiert wurden. Damit „kommen wir auf die Frage über den Zeitabschnitt, dem unsere Denkmäler zuzurechnen sind. Für die Lösung dieser Frage scheint uns hier die grosseAehnlichkeitausschlaggebend zu sein, diezwischen den jüdischen Denkmälern der Krim und denjenigen von Kleinasien, Griechenland und Süditalien besteht, also aller der Länder, die längere Zeit unter griechischem Einfluss sich befanden, dem auch die dortigen Juden unterlegen sind, und dessen Blüte in die Periode der Entstehung und Ausbildung des Christentums fällt. Es sind also Erzeugnisse des bekannten jüdisch-griechischen Kulturkreises, dessen Auswüchse auch nach der fernen Krim gelangten. Jedenfalls ist aber die Meinung einiger russischen Gelehrten, wonach unsere Denkmäler einer viel späteren Zeitperiode angehören und zwar erst dem VI. oder VII. Jahrhundert n. Chr., kaum stichhaltig. VON KIEW BIS ALEXANDROWO. Reisebilder. - Von Seh. Gorelik. II. KIEW. Die heilige Stadt. Kiew. Die älteste Stadt - Russlancls, vielleicht die schönste, gewiss aber die eigenartigste. Sein Himmel wetteifert an Farbenpracht mit dem Italiens und hat auch schon seine grossen Dichter gefunden. Es erstreckt sich über Berge und Täler,' die'der grosse, breite Dnjepr mit seiner majestätischen Geste durchströmt; es ist von entzückend duftenden Gärten umringt und mit Klöstern und Kirchen besät, die in ihrem alten, echten Prunk weithin schimmern. Vor etwa tausend Jahren hat hier Fürst Wladimir die friedlichen Götzendiener gezwungen, im Dnjepr die Taufe zu empfangen, da hinein ihre alten Götter zu versenken und den Glauben Christi anzunehmen. Man erzählt, dass

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