Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Reste althebräischer Musik
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 229 - 230 (sequence 3)
- Language
- German
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229 Abraham Zewi Idelsohn-Jerusalem: Reste Althebräisclier Musik. 230 liehen Klange nachgebildet worden sind. Der Grund, weshalb die Akzente in der Bibel eingeführt worden sind, ist derselbe wie derjenige der Punktation der Bibel. In beiden Fällen verliess man sich vorher auf die mündliche Ueberlieferung und die Popularität der Lese- und Vortragsart der Bibel im Volke. Da aber die Zerstreuung des Volkes überhand nahm und die Tradition anfing, bei entlegenen Gemeinden in Vergessenheit zu geraten, suchten die Träger der jüdischen Kultur die richtige Aussprache und den gesanglichen Vortrag (der im Orient immer Usus war), dem Volke der Heiligen Schrift durch Schriftzeichen möglich zu erhalten. Das Mittel hatte auch Erfolg. Nur ein nationales Eigentum hat sich das jüdische Volk auch ohne schriftliche Fixierung treu aufbewahrt. Das ist sein traditioneller Volksgesang; für ihn haben unsere grossen Altmeister keine Schriftzeichen geschaffen, weil sie fühlten, d a s s ein Volk an dem Klange seines eigenen V o 1 k s h e r z e n s — und das ist ja der Volksgesang — bis zum letzt e n Herzschlage Ergötzen finden müsse. * * * Während wir sahen, dass die Weisen der orientalischen und sephardischen Juden mit den aschkenasischen Adonoj- Moloch- und Mogen-Owaus-Steiger mehrfach verwandt sind und somit Reste des jüdischen Volksgesanges darstellen, ist vom sogenannten Jischtabach - Steiger im traditionellen Gesänge der orientalischen und sefardischen Juden auch keine Spur zu finden. Dagegen ist seine Skala in dem arabischen Maqam „Hidschas", der bei den Muselmanen als „Gebetmaqam" gilt, sehr verbreitet. So ist die Behauptung Singers, dass die Skala des Jischtahach-Steiger originell jüdisch ist, hinfällig. Vielmehr wurzelt der ganze jüdische traditionelle Gesang in der o r i e n t a 1 i s c h e n Musi k. ALTE JUEDISCHE GRABDENKMAELER AUS DER KRIM. Von. Dr. S. Weissenborn;. Elisabethgrad. In Europa ist die Halbinsel Krim neben Griechenland und Italien der Ort, wo die ältesten jüdischen Denkmäler gefunden worden sind. Möglich sogar, dass die Krim das Land ist, auf dessen Boden die Juden zu einer Zeit erschienen sind, als von ihrem Auftreten in irgend einem anderen Punkte Europas noch gar nicht die Rede sein konnte. Jedenfalls ist diese Vermutung nicht von der Hand zu weisen, wenn man berücksichtigt, dass die Krim nur durch eine enge Wasserstrasse vom Kaukasus getrennt ist, die nicht völkerscheidend, sondern eher umgekehrt völkerverbindend wirken musste. Nun spricht ja manches dafür, dass der Kaukasus schon lange vor der Entstehung des Christentums grössere Judenmassen beherbergt hat. Nach einer weitverbreiteten Hypothese, die in der Volkstradition wurzelt und von manchen Gelehrten anerkannt wird, haben die A'erbannten zehn Stämme des Königreichs Israel teilweise im Kaukasus und seinler nächsten Umgebung ihre neuen Sitze gefunden. Die Annahme, dass bereits in jenen r' —■ lernen Zeiten mancher Jude über die schmale Meerenge von Kertsch nach der nahen Krim wandern könnte, ist zulässig, wenn aucli geschichtlich einstweilen noch nicht nachweisbar. Nebenbei sei hier darauf hingewiesen, dass der bekannte karaitische Gelehrte Abraham Firkowitsch die Entstehung der Karäergemeinden in der Krim mit den Feldzügen des Kambyses gegen die Szythen in Verbindung bringt; dieser soll in sein Heer viele Julien aus der assyrischen und Abb. 1. babylonischen /...Gefangenschaft als Söldner aufgenommen haben, die nachher im Lande verblieben und denen in ihrer Abgeschlossenheit die weitere Entwicklung des Judentums, die zum Talmud führte, entgangen ist. Diese Meinung Firkowitschs wurde aber von Harkavy und anderen^Gclehrten mit aller Entschiedenheit widerlegt. Aber auch, wenn wir diese legendäre Periode ganz ausser acht lassen, so steht es jedenfalls fest, dass die Juden in der Krim wohl zugleich mit den Griechen, die dort schon mehrere Jahrhunderte v. Chr. Niederlassungen anlegten, aufgetreten sind. -Dafür spricht der Umstand, dass schon das älteste, auf krimschem Boden gefundene jüdische Denkmal, die in Kertsch ausgegrabene und in griechischer Sprache abgefasste Inschrift über die Freilassung eines jüdischen Sklaven, einsimmig dem ersten christlichen Jahrhundert zugeschrieben wird. Also schon zu jener Zeit waren die dortigen Juden soweit hellenisiert, dass sie sich bei Urkunden der * griechischen Sprache bedienten. Dass auch das Hebräische, und mit ihm die Erinnerung an den Tempel in Jerusalem und seine Kul tushandlungen, nicht ganz geschwunden sind, lässt sich daraus ersehen, dass sich dort mancher Grabstein mit hebräischer Inschrift und jüdischen Kultzeichen erhalten hat. Leider ist es mit der Aufbewahrung und Registrierung der materiell weniger kostbaren Denkmäler, wie Inschriften, Grabsteine und dergh, die in der Krim auf Schritt und Kurgan von Melek^Tschesmensk in Kertsch.