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Ost und West · 1913-03-01 · Heft 3 (März 1913) · p. Seite 213 - 214

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 3 (März 1913)
Article
Geld und Gott
Date
1913-03-01
Page
Seite 213 - 214 (sequence 2)
Language
German
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213 Binjamiu Segel: Geld und Gott. 2H was die hochwürdigen Patres dir sagen, sollst du glauben, aber eins merke dir stets und lass es dir nicht ausreden: „Du hast keinen andern Gott, als diesen da!" Man darf wohl getrost behaupten, dass ein jüdischer Vater, auch wenn er nicht so fromm war, seinen Solin unter geistlicher Obhut erziehen zu lassen, noch nie zu seinem Kinde ein solches Wort gesprochen hat. Aber das tut nichts zur Sache. Umgekehrt, es kann uns als einen Beweis mehr dienen, dass Amerika . . . ein echtes Judenland ist. Denn der Herr Prof. Sombart doziert folgendes: „Das ganze (jüdische) Religionssystem ist im Grunde nichts weiter als ein Vertrag zwischen Jahweh" (wer ist dieser Herr?) „und seinem auserwählten Volke: ein Vertrag mit allen obligatorischen Konsequenzen, die ein Vertragsverhältnis mit sich bringt. Gott verspricht etwas und gibt etwas, und die Gerechten haben ihm dafür eine Gegenleistung zu machen." Dieser Kernsatz und das ganze Kapitel, dem er entnommen ist, enthält lauter Ansichten, wie sie die protestantische „wissenschaftliche'' Theologie als Wesen des Judentums ausgibt, nur in eine etwas weltlichere, weniger gottselige und salbungsvolle Sprache übersetzt. Ich bin leider von jeder spezifisch-theologischen Denk- und Empfindungsweise so fern als möglich. Aber auch als ganz gemeiner Sterblicher, als gewöhnlicher, titelloser, ungelehrter Mensch habe ich das Recht, mit meinem ganz gemeinen Menschenverstand die Behauptungen der Herren Gelehrten von dem, was ich seit meiner Kindheit als meine Religion bekenne, und was mir meine Väter seit 3000 Jahren üb erlief ert haben, zu untersuchen. Und von diesem Rechte will ich Gebrauch machen. Wie einer ist, so erscheint ihm das, was er in der Welt sieht, sagt das Sprichwort. Wir Juden sagten stets: Gott hat mit uns einen Bund (berith) geschlossen. Das sollte gewiss ausdrücken, dass der Mensch Gott freiwillig anerkennt und sich seinem Willen und seiner Führung vertrauensvoll unterwirft. Mag ein Philosoph, ein Psychologe das als eine Illusion, eine Selbsttäuschung des religiösen Bewusstseins auffassen. Aber was für grobe, nuancenlose Augen gehören dazu, in einem Bunde nichts weiter als einen Vertrag auf dem Grundsatz do ut des zu sehen? Ist ein Bund kündbar wie ein Vertrag? Haben wir Juden auch jemals unsere Bibeln weggeworfen, gleich wie es die Buren getan, als sie von den Engländern endgültig niedergerungen waren — die Buren, ein so hochzivilisiertes, so tief frommes, christliches Volk? Möge doch unsere ganze Gebetsliteratur vor aller Welt Zeugnis ablegen, vom vierundvierzigsten Psalm, dem klassischen Märtyrerpsalm angefangen, bis zu dem letzten „Selichoth"'. Dieser Name „Selichoth" für die Lieder und Gebete an den Gedenktagen blutiger Verfolgungen und grausamer Ausrottungen ist selber bezeichnend genug und spricht mehr als dicke Geschichtsbände. Wenn die Kreuzzüge ganze jüdische Gemeinden in ihrem Blute ersäuft hatten, — und so oft und wo immer in der Welt sich das wiederholte — warfen unsere Vorfahren nicht ihre Bibeln fort und .kündigten ihrem Gott nicht den „Vertrag", sondern sie versammelten sich und beteten zu ihm, dass er ihnen ihre. Sünden vergebe. Ihre Sünden! Denn es war klar für sie, dass sie wohl gesündigt haben müssen, da er Ungemach über sie geschickt hatte. Und da wir gerade bei den Gebeten der Juden sind, so nmss auch eine andere Seite der Sache berührt werden. Der Bund zwischen Gott und Israel wird häufig, und zwar vornehmlich, als ein Liebesbund, als ein Ehebund aufgefasst, und zwar von den ältesten Zeiten der Propheten bis auf die heutigen. Es sei nur an den einen ergreifenden Vers erinnert: „Ich gedenke dir deiner jugendlichen Liebe, deiner bräutlichen Hingabe, da du mir folgtest durch die Wüste, LEO BÄK ST. PA R I S- Syrischer Jude.

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