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Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 161 - 162

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Die "Ausländerfrage" an den deutschen Universitäten
Date
1913-02-01
Page
Seite 161 - 162 (sequence 3)
Language
German
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161 Erich Clin: Dir ..Auslümlr-rfni^ an (km ilnitsclirn l'nivcrsitiilcn. 162 sich mit aller Energie für die Rechte der ausländischen jüdischen Studenten einzusetzen. In einer Denkschrift an .die medizinischen Fakultäten der deutschen Universitäten und an die zuständigen Behörden will er das Tatsächliche auseinandersetzen, in jüdischen Akademikerversammlungen ein einheitliches Vorgehen mit den bedrohten jüdischen Akademikern, die bereits begonnen haben, sich zu organisieren, in die Wege leiten; schliesslich hat er es seinen Mitgliedern zur Pflicht gemacht, sich an den Studentenstreiks, durch die man von den Fakultäten Massregeln gegen die Ausländer erzwingen will, nicht zu beteiligen. Gerade dies ist ein ausserordentliches Opfer, das von den V. I. St.-ern verlangt wird; denn man bedenke, dass, wer an dem Streik nicht teilnimmt, sich in der prekären Situation des Streikbrechers befindet. Aber als Juden sind wir es ja gewohnt, in dieser Weise für die Gesamtheit zu leiden, und wir tun es gern, wenn ein höheres jüdisches Interesse es verlangt. Es ist bei weitem die Mehrheit der organisierten jüdischen Studentenschaft, die diesen Standpunkt der Solidarität mit ihren russischen Stammesgenossen vertritt, und es ist ein gutes Zeichen für die deutsche Judenheit, dass dieses starke und opferbereite Gemeinschaf tsbewusstsein in seiner Jugend lebt. DAVID HEINRICH MUELLER. Mit dem am Sabbat, den 21. Dezember 1912 zu Wien verstorbenen Professor der semitischen Sprachen und Literaturen an der dortigen Universität David Heinrich (Zebhi) Müller ist nicht nur einer der verdienstvollsten, fruchtbarsten und erfolgreichsten Forscher und Schriftsteller auf seinem Gebiete, sondern auch einer der markantesten und merkwürdigsten unter den Gelehrten der Gegenwart hingegangen. Vor 67 Jahren ward er in dem kleinen ostgalizischcn Städtchen Buczacz geboren, welches damals eine weitberühmte Stätte jüdischer Gelehrsamkeit althergebrachter Art, aber frei von Verknöcherung und Engherzigkeit war. Die Talmudgelehrten von Buczacz zeichneten sich durch tiefes, allseitiges Wissen auf ihrem Gebiete aus, verbunden mit Strenge, Sachlichkeit, Scharfsinn und Freimut in der Forschung, die sich von dem damals grassierenden, überspannten und haarspalterischen Pilpul fernzuhalten' wusste. Der nachmalige Wiener Universitätsprofessor und Mitglied der Akademie David H. Müller kain direkt aus dem Bethammidrasch von Buczacz in den akademischen Hörsaal. In seinem Geburtsstädtchen, wo Müller eine kleine David Heinrich Müller. sein Vater Abraham Buchhandlung hatte und als bedeutender Talmudgelehrter, wie auch als aufgeklärter Kopf und Bildungsfreund sich eines guten Namens erfreute, hatte der Sohn die strenge und fruchtbare, Geist, Kombinationsgabe und Forschertrieb in gleichem Masse anregende Schule des Talmudstudiums durchgemacht, während er mit der mittelalterlichen philosophischen und mit der neuzeitlichen hebräischen Literatur aufs innigste vertraut wurde. Er hatte das zwanzigste Lebensjahr längst überschritten, als er nach dem Westen hinauszog, um sich den sog. ,,profanen" Studien zu widmen. Ganz auf sich allein gestellt, wie es sich für einen Juden geziemt, hart um die Bedürfnisse des Lebens ringend, ohne jeglichen Schutz oder Beihilfe des Staates oder der Gesellschaft ging er seinen Weg. Er ward der Schüler von Fleischer, Nöldecke und Sachau. Schon im 31. Lebensjahre konnte er

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