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Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 157 - 158

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Die Organisation der jüdischen Studenten
Date
1913-02-01
Page
Seite 157 - 158 (sequence 3)
Language
German
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157 Dr. Ludwig I h>ll;m<l<M-: Die (»rganisation <l«.-r jüdischen Sl udenten. 158 verbürgen, und dass alle. Mittel, statt innerer Werte äussere Organisationen zu schaffen, nur einen Ve r ban d auf eine innen e i t e r n d e Wu n d e bedeuten können. Der lv. C. glaubt aber nicht, dass der Körper des Judentums erkrankt sei, er fasst viel als Hypochondrie auf, wo andere schon Erscheinungen des Verfalls erblicken. Arbeitet er am Leibe dos Judentums, so übt er die Gymnastik des gesunden Körpers und ruft nicht nach dein Arzte, wo ein Glied sich vielleicht hie und da durch lange Trägheit etwas versteift hat. Die durch den Pessimismus geborenen Lösungen der angeblichen Frage der Zukunft des Judentums sind darum an sich nicht so bedenklich, wie die Liquidation, welche dem Scheitern aller ausserhalb des eigentlichen Judentums liegenden Projekte für die Zukunft folgen wird. Wir fürchten darum einen Bau, der sieh auf Fundamenten entwickelt, die nicht innerhalb des Gebietes des Geistes der jüdischen Gemeinschaft liegen. Weil wir Optimisten sind, erziehen wir die .Tugend in Freudigkeit! Wir lieben die alten deutschen studentischen Sitten und üben sie. Wer sagt, wr äffen sie nach, der verkennt ihr Wesen. Denn sie sind nicht 'Eigentum einer bestimmten Schicht, deren Berechtigung sich auf eine mehr oder weniger lange Entstehungsgeschichte des einzelnen Geschlechts innerhalb der deutschen Gaue aufbaut, sondern sie gehören einein bestimmten, sozialen Kreise, nämlich der akademischen Jugend an, die aus Deutschlands Schulen in Deutschlands Hochschulen übergehend, im Laufe von Jahrhunderten auf Grund auch hier wieder vielfach missverstandener historischer Entwicklung die schönen Sitten geschaffen hat. Sie wirken auf einen jeden jungen akademischen Bürger begeisternd. Warum sollen wir sie unserer Jugend durch Doktrin verleiden? Nur um die Jugend zu entwurzeln? Der K. G. will die jungen Leute durch die akademischen Gebräuche in den Mutterboden deutschen Studentenlebens tiefer hineinwachsen lassen. Wir deutschen jüdischen Studenten sind infolge unserer Vorbildung und Abstammung hineingewachsen in die akademische Welt. Wie alle anderen Studenten drücken wir uns nicht künstlich von frohen Bräuchen unserer Umgebung. Und so steht der Iv. C. da, programmatisch bescheiden, als Organisation der jungen deutschen und jüdischen Persönlichkeit auf akademischem Boden. Und zwar stellt er eine spezifisch akademische Organisation mit ihren eigensten Einrichtungen dar, die getragen ist vom Optimismus zum Judentum und geleitet von den "Worten der alten Burschenschaft: Ehre, Freiheit, Vaterland! * * * Anm. Der K. C. zählt zur Zeit über 700 Mitglieder, welche sich auf die in Königsberg, Breslau7 Berlin, Leipzig, Bonn, Darmstadt, Heidelberg, Freiburg und München befindlichen Verbindungen verteilen. DIE „AUSLAENDERFRAQE" AN DEN DEUTSCHEN UNIVERSITAETEN. Vuu Erich Cohn. Eine Frage, die die deutsche Studentenschaft schon seit Jahren beschäftigt, ist neuerdings für die gesamte Oeffcntlichkeit aktuell geworden. Aus Halle, Leipzig, Giessen und von anderen Universitäten lesen wir fast täglich Berichte über die Auflehnung der deutschen Klinikerschaften, d. h. der Medizinstudenten höheren Semesters, die an den Kliniken praktisch arbeiten, gegen den übermässigen Zudrang fremder Studenten zu diesen praktischen Kursen. Man hört, dass der Prozentsatz der Ausländer abnorm hoch sei, dass sie infolgedessen und weil sie mit besonderem Eifer sich nach den besten Plätzen drängen, die deutschen Mediziner in der Ausbildung schädigen. Ganze Klinikerschaften haben schon erklärt, nicht eher wieder im Kolleg und in der Klinik zu erscheinen, bis diesen Mängeln Abhilfe geschaffen sei, und einzelne Fakultäten und Behörden haben solche auch schon zugesagt. Hin und wieder wird erwähnt, dass diese Ausländer zumeist Russen sind. Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen; und auch die liberale Presse bietet im allgemeinen den Auslassungen der notleidenden deutschen Studenten kritiklos weiten Raum. Und doch liegt hier eine ungeheure Irreführung des Publikums, und namentlich des jüdischen Publikums, über die Bedeutung dieser Klinikerbewegung, über den eigentlichen Kernpunkt dieser ,,Ausländerfrage" vor. Denn die Ausländer, um die es sich hier handelt, sind fast ausnahmslos russische Juden; sie sind die einzigen von der Bewegung wirklich ernsthaft Betroffenen; die Zahl der anderen Mediziner, die sie berührt, ist verschwindend klein. E i n jüdisches Interesse steht hierauf dem Spiel, und wenn, wie so oft in solchem Falle, die allgemeine Presse, auch die liberale, bei seiner Vertretung versagt, so muss die jüdische Presse, soweit ihr Einfluss reicht, für Aufklärung sorgen. Weshalb ein grosser Teil der jüdischen Jugend Russlands, die studieren will, die Heimat, die ihr

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