Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 149 - 150

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Der Geldhandel der Christen in Deutschland während des Mittelalters (bis c. 1350)
Date
1913-02-01
Page
Seite 149 - 150 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2583875-2584033-2584036-2604201--14216-2604277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

149 Dr. ,1s. [■:. Zlocisti: Der < leldhamLl der ('liristcn in Deutschland wähmnl des Miti.dnlters (Ins e. 1350). 150 Kirche vermacht. „Sie waren der deutschen Volkswirtschaft als Ganzes genommen weit schädlicher als die Juden, welche, obwohl gleichfalls als Fremde betrachtet, doch Deutschland als ihre Heimat ansahen und das erworbene Vermögen als Besteuenmgs- und Plünderungsobjekt im Lande Hessen." (Möllmann, S. 62.) Die Kirche nahm das Wiichergeld der Lombarden an. Auf dein weiten Wege von Deutschland nach Italien hatte es seinen Geruch schon verloren. War aber die Kirche berechtigt, einen Stein auf die Geldwucherer zu werten? Warum sah sie und mit ihr die ganze Christenheit den Splitter im fremden Auge — bei Lombarden und Juden — warum sali sie nicht den Haiken im eigenen Auge? MEINE BEICHTE. Von Binjamin Segel. Fast zwölf Jahre schon habe ich die Ehre, den Lesern von ,,Ost und West" bekannt zu sein. Nicht immer ist man mit dem, was ich schrieb, zufrieden gewesen, manchmal vielleicht sogar sehr unzufrieden. Aber stets hat man mich für einen leidlich anständigen Menschen gehalten. Und jetzt bin ich gezwungen, ein tief beschämendes Geständnis abzulegen. Aber ich muss es tun, um mein Gewissen zu erleichtern. Und ich tue es hier öffentlich vor aller Welt. Ich bin ein----Plagiator! Jawohl. Ich habe mir fremdes geistiges Gut angeeignet und es als mein Eigentum ausgegeben. Und wenn es wenigstens ein gewöhnliches Plagiat wäre, man könnte vielleicht mildernde Umstände geltend machen. Aber nein, es ist ein mit ungewöhnlichem Raffinement ausgeführter geistiger Diebstahl, und dafür gibt es keine Verzeihung. Doch, damit Sie mich wenigstens nicht für einen hartgesottenen, verstockten Sünder halten, will ich das einzige anführen, was meine Missetat einigermassen, wenn nicht rechtfertigen, so doch in einem etwas milderen Licht erscheinen lassen könnte. Ich hätte gewiss längst schon gebeichtet und Busse getan, aber ich habe von der ganzen Sache bisher gar nichts gewusst. Erst vor einigen Tagen habe ich es erfahren. Da erhielt ich nämlich ein Buch unter dem Titel Artur Landsberger, Jüdische Sprichwörter. Leipzig 1912. Ernst Rowohlt, Verlag — und siehe da, beim Lesen dieses interessanten Buches bemerkte ich, dass ich. dem Verfasser fast alle die Sprichwörter bis auf vereinzelte wenige gestohlen und in „Ost und West" publiziert habe. Wer sich davon überzeugen will, lese meine Artikel: ,,Der Jude und seine Umwelt im jüdischen Sprichwort", ,,Die Frau im jüdischen Sprichwort", „Das Geld im jüdischen Sprichwort" (1903), „Gott, Welt und Mensch im jüdischen Sprichwort", „Glück und Schicksal, Leben und Tod im jüdischen Sprichwort" (1904), Praktische Lebensweisheit im jüdischen Sprichwort" (1905). Warum ich die paar anderen Sprichwörter stehen gelassen und sie nicht auch mit gestohlen habe, ist mir ein Rätsel. (Möglicherweise hat mich damals folgendes Bedenken geleitet: Die stehengelassenen Sprichwörter sind teils gar keine Sprichwörter, sondern private Einfälle und meist sehr banal, teils sind sie keine j ü d i s c h e n Sprichwörtere die anderen sind verstümmelte, schlechtverstanden; talmudische Sprüche. Jedenfalls gehören sie nicht in eine Sammlung1 jüdischer Sprichwörter). Und all das in „Ost und West" publizierte Material habe ich dann im jüdischen Original dem grossen jüdischen Sprichwörterbuch einverleibt, welches ich gemeinsam mit dem verstorbenen Ignaz Bernstein herausgegeben habe (Ende 1907). Ueber dieses Buch sind etwa 80 ausführliche Besprechungen in allen jüdischen Zeitschriften, in Fachorganen und in Tagesblättern erschienen. Herr Artur Landsberger scheint eine ganz in sich gekehrte Natur zu sein, die von dem, was in der Welt vorgeht, keine Notiz nimmt. Sonst hätte er wohl von meiner Missetat erfahren müssen. Diese erscheint umso grösser, als ich es ja im Grunde gar nicht nötig gehabt habe, mich an fremdem Gut zu vergreifen. Seit meinem 15. Lebensjahre sammle ich jüdische Sprichwörter und besitze ihrer etwa 10—11 000. Nachdem ich gebeichtet, fühle ich mich dem Herrn Artur Landsberger gegenüber wenigstens zu einer kleinen Revanche verpflichtet. Ich will ihn darum auf einige kleine Irrtümer in seiner Vorrede aufmerksam machen (von den zahlreichen Entstellungen,Unverständlichkeiten und Sinnlosigkeiten im Text seiner Sprichwörter will ich absehen). Er erzählt etwas von einem Manuskript mit jüdischen Sprichwörtern von Blass, welches sich in der Königlichen Bibliothek in Berlin befindet. Das Büchlein von Blass ist kein Manuskript, sondern eine Druckschrift; das Exemplar der Königlichen Bibliothek enthält einige Zusätze in jüdischer Schrift von der Hand des ehemaligen Besitzers, eines Posener Juden. (Ich habe diese Zusätze seinerzeit exzerpiert). Sodann erzählt uns Herr Artur Landsberger, dass „ein Liebhaber der jüdischen Heraldik", Herr Bernstein aus Warschau, im Jahre 1889 eine Sammlung jüdischer Sprichwörter herausgegeben habe. Nein, mein verstorbener Freund, Herr J. Bernstein, war kein Liebhaber jüdischer Heraldik, dieweil es nämlich gottlob keine jüdische Heraldik gibt. Im Jahre1" 1889/90 hat M. Spektor in Warschau eine Sammlung von jüdischen Sprichwörtern herausgegeben, die auch Beiträge aus dem Manuskript des Herrn J. Bernstein enthielt, aber Bernsteins Name wurde nur durch Initialen angedeutet. Erst auf dem Titelblatt des 1907 gemeinsam mit mir herausgegebenen Werkes, welches an Material allein doppelt so viel umfasst als die erwähnten zwei Hefte, welches aber Herr Landsberger offenbar nicht kennt, ist sein Name voll

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.