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Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 147 - 148

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Der Geldhandel der Christen in Deutschland während des Mittelalters (bis c. 1350)
Date
1913-02-01
Page
Seite 147 - 148 (sequence 2)
Language
German
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147 .Dr. .Js. '[•:. Zlt.fisti: [><r BcldhamM .kr Christen in I »fiitschhuid uTihrnid des Mittelalters (bis <•. 1350). 14S gegen ihr wucherisches Treiben erhohen. So mahnt der Erzbischor Hat to von Basel (gest. 836) ,,ut saccrelo tes verbo et e.voinplo oinnibus praedicent, ut nnllas nsiiras aeeipiant", d. h. die Priester mögen mit Wort und durch i Ii r e i g e n c s B e i s p i e 1 predigen, dass kein Zins genommen werde." Im Jahre 820 klagt der Bischof von Worms über die hohen Zinsen,, welche die Kleriker auf Uarichn von Armen fordern. Auch die Konzilien (Orleans boS; Aachen 816, 836; London 1125; Trier 1227 u. a.) wenden sich mit den schärfsten Beschlüssen — Amtsentsetzung — gegen das gewinnsüchtige Treiben der Kleriker. Vergeblich! Die Kirche vermochte nicht die Seelen der Seelcnleitcr von erdhafter Streberei zu befreien. Die Klage, die einst der Prophet des alten Bundes gegen die Führer seines Volkes erhob, haben die Priester des neuen Bundes nicht minder verdient: es gehen seihst in die Irre, die mein Volk auf den rechten Weg leiten sollen. lind die Herde folgte den Hirten willig auf dem gewinnbringenden Pfad. Hoch und niedrig, Adel, Bürger und Stadtverwaltungen übertraten das kirchliche Zinsverbot. Es heisst Eulen nach Athen tragen, wenn man wie M o s e s Ho f f in a n n sich allen Ernstes bemüht, diese Tatsache, die er bereits im allgemeinen unwiderleglich festgestellt hat, nun noch durch eine grosse Anzahl urkundlicher, inhaltlich gleicher Belege im einzelnen zu beweisen. Sie ist so selbstverständlich, wie die Tatsache, dass es in allen Zeiten unter den Christen .brave und fromme wie böse und gottlose Menseben gegeben hat. Denn so wenig sich selbst im frommen Mittelalter ein Christ mit gesundem Menschenverstand, wenn er nicht gerade Kleriker oder Mönch war, für deren leibliches Wohl Kirchenverfassung und Orden sorgten, der Sorge um das Brot des morgigen 'Pages entschlagen konnte, obgleich ihm doch geboten ist, die Vögel unter dem Himmel zu schauen, die nicht säen und nicht ernten und der himmlische Vater doch nährt, so selbstverständlich bat, wer Mittel und Neigung dazu besass, in natürlichem Erhaltungstrieb auch den Weg gewinnbringenden Geldhandels benutzt, um sein Beben zu fristen. Alle Chancen gelten, sagte man sich mit dem Sprichwort, und wenn es Verdienen hiess, führten alle Wege nach — Rom. Nur insofern wurde, wie schon dargelegt worden ist, das Zinsverbot der Bischöfe in Born respektiert, als das Geldgeschäft vielfach nicht offen und berufsmässig betrieben und die Zinsnahme verhüllt wurde. Daher können wir auch die durchschnittliche Höhe des Zinsfusses nicht mit Bestimmtheit berechnen. Sicher ist, dass die berufsmässigen, christlichen Geldbändler Gewinne von 25 bis 150 Prozent erzielten. Zu den berufsmässigen nicht jüdischen Geldwechslern und Geldhändlern in Deutschland gehörten die „Lombarden". Ihren Namen führten sie von dem. Lande, unter dessen Sonne sie gehören waren, ihren Reichtum hingegen verdankten sie dem nordwärts liegenden Deutschland, das sie mit unbarmherziger Kälte aussogen. Lombarde und Wucherer wurden schliesslich identische Begriffe. Es gab unter ihnen der Sünder grosse und kleine. Die Grossen brauchten — natürlich! — keine Strafe zu fürchten. Das waren die Geldhändler, die der Kurie die Ertrüge der Kirchensteuern aus Deutschland sicherten und die geldarmen Kirchenfürsten durch hohe Verzugszinsen für gern gebotene Darlehen ausbeuteten. Mochten jene „am Papst sterben", wenn sie nur von ihm „essen" und leben konnten. Hingegen hatten die kleinkapitalistischen Lombarden, BKXXO KLKA.W ALSBACH. Grabmal in Dortmund. die sich im Gegensatz zu den schweren Herren vom Grosskapital zu längerem. Aufenthalt in Deutschland niederlicssen, die Folgen der Verletzung des Zinsverbotes zu tragen: sie standen ausserhalb der kirchlichen Gemeinschaft. Ihre Hauptkundschaft war das städtische Bürgertum, das sie aussaugten, bis sie Reichtum genug erworben hatten, nach Italien zurückzukehren und dort von der Mühsal und der Unruhe des Kampfes ums Dasein auf gefüllten Geldsäcken auszuruhen. Nicht selten erlangten sie noch den inneren Flieden, die Ruhe ihres beladenen Gemütes: als reuige Sünder haben viele von ihnen ihr Geld der

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