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Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 145 - 146

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Die Geschichte der Juden in den Balkanländern
Date
1913-02-01
Page
Seite 145 - 146 (sequence 5)
Language
German
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145 lh\ M. L. Bumhrru'cr: Zur (Icsclüelite ilcr .luden in den Bnlkaiiliiiidcni. 14G und Prediger der Lissaboner Gemeinde in Saloniki und der Portugiesengemeinde in Constantinc. Zur'Zeit ihrer Ankunft in der Türkei hielten sich Spanier und Portugiesen von einander fem, wie sie auch früher, als sie noch auf der pyrenäischcnHalbinscl wohnten, niemals besondere Liebe für einander hegten. Es war dies durch die verschiedenen Charaktcreigentümlichkciten begründet. Wahrend die spanischen Juden impulsiv aufbrausend, jäJizornig waren, zeichneten sich die portugiesischen Juden durch vornehme Ruhe und Gelassenheit aus. So kam es auch, dass dio Portugiesen fast hundert Jahre neben den Spaniern im Balkan lebten, ohne dass sie die spanische Sprache angenommen hätten, obschon sie im Ritus und Kultus mit den Spaniern fast übereinstimmten. Im Laufe der Zeit fand jedoch eine Verschmelzung mit den Spaniern statt und heute erinnern nur noch einzelne Familiennamen wie Almeida, Lisboa, Toros, Beja, Faro usw. an die ursprüngliche Heimat20). 12. Ivaraiten. Wie wir bereits erwähnten27), fanden sicli Karaiten schon sehr früh unter der Herrschaft der Türken. Einer ihrer berühmtesten Lehrer Jcschua ben Jehuda (Ende des 11. JahrhdLs.) schreibt: ,,Erst als das kleine Horn, d.h. der Islam, kam, da erwachten die Männer der Schrift und redeten. Diese bekamen sodann Gewalt über die Männer der Ueberlieferung und dem geringsten karäischen Jüngling vermochten sie nicht Rede zu stehen; das war eine halbe Er- 2,;) Hosünes S. 185. Finnen S. 285. 27j Ost ii. West 1912 S. 1111. lösimg"28). Wenn auch Jeschua nicht ohneAngriffe von -karüischer Seite blieb, so muss doch zugegeben werden, dass er auf die Entwickhing der Karäerscktc in den Ländern des Halbmondes1 ausserordentlichen• Einfluss ausgeübt hat, sowohl durch seine Schüler als auch durch seine Werke. Es dürfte nicht ohne Interesse sein, dass es auch an Versuchen nicht fohlte, einen .Ausgleich zwischen den Rabbaniten und Karaiten herbeizuführen. Schmarja Ikriti, Rabbiner in Negroponte (12U0—1320), Philosoph, wie Exeget, 'machte solch' einen Versuch. Doch gelang dies weder .ihm noch andern byzantinischen Rabbaniten, ..weil bald die nötige Tatkraft, bald der wahre Geist der Wissenschaft gefehlt hat.*' Noch lange Zeit lebten — und heute noch — Karaiten in der Türkei. Allein ihre literarische und sonstige Bedeutung ging ihnen dort verloren, um dafür um so mehr zu Anfang des 17. Jahrhunderts in der Krim und in Litauen sich zu entfalten. * * * Wir schliessen hier unsere Ausführungen, können dies jedoch nicht tun, ohne dem "Wunsche Ausdruck zu verleihen, dass die Neugestaltung der Verhältnisse am Balkan nicht dazu beitragen möge, dass die bisherige günstige Lage unserer Glaubensgenossen dadurch beeinträchtigt werde. Vielleicht, so hoffen wir, wird auch Rumänien, das Russland des Balkan, zur Erfüllung seiner durch den Berliner Vertrag übernommenen Pflichten durch die demnächstige Londoner Konferenz angehalten! "~8) In seinem Pental'eiichroiiinicnt.ir Einleitung y.u « nms cfr. Fürst. Oscliichtc dos Knräertlmnis von 900 his 1575 S. 105. DER GELDHANDEL DER CHRISTEN IN DEUTSCHLAND WAEHREND DES MITTELALTERS (BIS c. 1350). Vmi I >i\ .1 s. K Zlor isti. I'reuss.-Starü'ard. (Sehhisx.) Eine gute Erntezeit begann für die Klöster mit den Kreuzzügen. Da die Ritter in den seltensten Fällen hinreichendes Bargeld besassen, um die Kosten ihrer Teilnahme an diesen Kriegszügen zu bestreiten, so kauften ihnen die Klöster ihren Grundbesitz ab. Dass sie dabei hohe Gewinne einstrichen, zeigt die Geringfügigkeit der Kaufsumme. Im Jahre 1190 z. B. erhält Ilerimannus von Rodenstein zwecks Beteiligung am Kreuzzug von St. Martin 36 Mark und gibt dafür sein Lehnsgut zurück. In einem anderen Fall muss ein Ritter, namens Beringerus, alle seine Güter um 26 Pfund reinen Silbers hergeben. Wir haben überhaupt in Grundstüekgeschäften jene verkappte Form der Geldgeschäfte zu "erblicken, die durch die Klöster betrieben wurden. Denn nicht allein, dass.durch die Erwerbung von Grundstücken ihre territoriale und damit politische Macht gewaltig stieg, die Bewirtschaftung der Güter, die sie zumeist vorbildlich verstanden, warf reichen Ertrag ab, der im Verhältnis zum Darlehen Zins und Zinseszins darstellte. Durch diese „Geschäfte" eben verhalfen sie dem Magen der Kirche zu seiner sprichwörtlichen Güte. Nicht selten mühten sich die Geistlichen auf eigene Rechnung und für ihre eigenen weiten Taschen. Aus der Unzahl der Beispiele sei"ein besonders beweiskräftiges angeführt. Ludwig der Bayer, dieser Verschwender des Reichsgutes, schuldete im Jahre 1314 dem Erzbischof Balduin, von Trier nicht weniger als 25 000 Mark, Karl IV. demselben Kirchenfürsten 1348 nur 10 000 Mark und schon ein Jahr später 50 000 Mark. Als Gegenleistung wurden Balduin ausser der Erweiterung schier fürstlichen Hoheitsrechte im Erzbistum Zölle und Judensteuern in verschiedenen Teilen Deutschlands überlassen. Ihre Erträge machten einen ungewöhnlichen Wucherzins auf die Darlehen aus, da sie für viele Jahre verpfändet blieben. Die niederen Kleriker zogen es zumeist vor, sich mit professionsmässigen Goldleuten an Kons o r - tien zu beteiligen, die grosse Anleihen vermittelten. So sind innerhalb eines Bankkonsortiums aus Einwohnern der Städte Mainz, Worms, Frankfurt a. M., Friedberg und Kloster Arnsburg, die 13S2 Wetzlar 79 000 Gulden vorstreckten, unter den Frankfurtern zwei, unter den übrigen der achte Teil Geistliche. Und aus.den Geschäftsbüchern der Bankhäuser Pcrüzzi und. Bardi (14. Jahrhundert) wissen wir, dass diese bei ihrem Bankerott nicht weniger als 550 000 fl. Einlagskapitalien von Geistlichen hatten! Dass die Kleriker aber auch unverhüllt Geldgeschäfte trieben, beweisen die zahlreichen Klagen, welche die Bischöfe

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