Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Jüdisch-soziale Frauenarbeit in Frankfurt a. M.
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 69 - 70 (sequence 2)
- Language
- German
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69 Stephanie Förchheimer: Jüdisch-soziale Frauenarbeit in Frankfurt a. M. 70 Heim des Jüd. Frauenbundes Neu-Isenburg, gegr. 1907. Einhalt geboten werden, doch vervielfacht sie die Pflichten gegen die Schwachen, die sonst in dem Kampfe gegenüber den Machtvolleren unterliegen müssten. Und so brachte es die Entwicklung, dass aus der freien Liebestätigkeit der Frau soziale Arbeit wurde. Auf dem weiten Gebiete der Fürsorge hat die Frau vor allem den Beweis erbracht, dass sie selbständige Arbeit zu leisten vermag. Zahlreich sind die Anstalten und Organisationen, die von Frauen ins Leben gerufen und geführt, sich der allgemeinen grossen Kette von Wohlfahrtsbestrebungen segensreich und wirksam anschliessen. Unter all den deutsch-jüdischen Gemeinden, die anerkannte Leistungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege aufzuweisen haben, darf Frankfurt a. M. wohl mit an erster Stelle genannt werden. Es wird wohl kaum eine zweite Stadt im Deutschen Reiche geben, deren jüdische Wohlfahrtspflege von altersher auf solch1 breiter Basis errichtet ist und deren Vereine, unbeschadet ihres religiösen Standpunktes, in grossherziger Auffassung ihren Stammesgenossen den weitestgehenden Schutz sozialer Fürsorge angedeihen lassen. In dem Rahmen jüdischer Ethik und Religiosität haben auch die Frauen Frankfurts ihre Tätigkeit auf sozialem Gebiete enifaltet. Neben den vielfachen Zwecken dienenden Wohlfahrtseinrichtungen und privaten Stiftungen der alten Gemeinde Frankfurt ist die Zahl der Institutionen, die in der neuesten Zeit der Iuitiative und Arbeit von jüdischen Frauen ihre Entstehung und ihr Dasein verdanken, sehr beträchtlich. Mit der planmässigen Bildung und Ausgestaltung der sozialen jüdischen Frauenarbeit in dem letzten Jahrzehnt ist der Name Bertha Pappenheim untrennbar verknüpft. Sie ist es, die den Frauen und Mä-ichen die Anregung gab, sich zu organisierter Arbeit zusammenzuschliessen. Sie schuf neue Einrichtungen, die in der Frankfurter jüdischen Armenpflege die Frauenarbeit zu einem bedeutsamen Faktor in der jüdischen Gemeinde und über dieselbe hinaus machte.. Als wichtige Gründung muss an dieser Stelle der Verein „Weibliche Fürsorge" genannt werden, der heute auf eine mehr als zehnjährige Tätigkeit zurück blickt. Die „Weibliche Fürsorge" wurde in Anlehnung an die beiden grossen Frankfurter Unterstützungsvereine, den „Almosenkasten der isr. Gemeinde" und den „Isr, Hilfs verein" gegründet, doch wurde damit keine neue Unterstützungsstelle, sondern nur eine Basis zur Zusammenarbeit geschaffen. Eine Fürsorgekommission bildet den Kern der lokalen Arbeit des Vereins, der nach und nach eine Anzahl weiterer Kommissionen für verschiedene Arbeitsgebiete eingesetzt hat. Diese Fürsorgekommission übernimmt mit einer grossen Anzahl freiwilliger Helferinnen die Nachprüfung und die Recherchen der Unterstützungsfälle des „Hilfsvereins" und des „Almosenkastens", wodurch gar oft erst Einblick in die meist unklaren Verhältnisse der Bedürftigen gewonnen wird, denen nun durch Frauenteilnahme besonders in ethischer und hygienischer Hinsicht Hilfe gebracht wird. Die weiteren Gebiete der „Weiblichen Fürsorge", die bereits alle deutliche Erfolge aufzuweisen haben, sind eine Kinderschutzkommission, ein Stellennachweis für Frauen und Mädchen, eine Wohnungsfürsorgekommission und die jüngst gegründete Berufsberatungsstelle. Als selbständiger Frauenverein erstreckt sich das Wirken der „Weiblichen Fün^orge" auch über die Grenzen des Landes, indem durch ihre Vermittlung, vor allem aber durch die pekuniäre Hilfe der Frau Louise Goldschmidt, die auch die Frauenarbeit in der Stadt Frankfurt weitgehendst unterstützt, in Galizien an unseren ärmsten Glaubensgenossen soziale Hilfstätigkeit geleistet wird. Die Anbahnung zur Verbesserung der jüdischen Hospitäler in Galizien ist eine Tat der „Weiblichen Fürsorge". In Kolomea und Tarnopol wurden Kindergärten geschaffen, einige Wanderbibliotheken eingerichtet, und auch die Bekämpfung des Mädchenhandels als soziale Aufgabe findet langsam Einsicht und Verständnis. Diese stille Kulturarbeit im fernen Osten ist ein beredtes Zeugnis für den tapferen sozialen Frauensinn, der nicht davor zurück schreckt, Samenkörner heilbringender Arbeit auf ungepflügtes Feld zu streuen. Die jüngste Neuschöpfung der „Weiblichen Fürsorge" ist das „Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge", das bereits im zweiten Jahre seines Bestehens als selbstständiger Verein einen wichtigen Platz unter den Frankfurter Wohlfahrtsinstituten einnimmt. Die immer wachsende Schwierigkeit, Kinder in geeigneten jüdischen ::v--^viilt]I-'l;' "V P rff&fc*":- v|.;v$; .ffT : '■■'S*- ■* Üä Heim des Jüdischen Frauenbundes Neu-Isenburg, gegr. 1907.