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Ost und West · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 23 - 24

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Der Drang nach Osten
Date
1913-01-01
Page
Seite 23 - 24 (sequence 8)
Language
German
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23 Einjamin Segel: Der Drangnach Osten. 24 kommt und nachweist,., dass an der ganzen Sache nichts ist. . . Sodann fühlt man in der ganzen Persönlichkeit Sombarts einen grossen Fond von wirklicher Güte und Humanität, und das macht ihn trotz aller Yerirrungen und Schiefheiten ungemein sympathisch. Schliesslich hat er Worte gesagt, die wir Juden nicht genug beherzigen können. Vor allem gegen die Ueberläul'er: „Das Leben gestaltet sich für uns und unsere Kinder so viel bequemer, hört man wohl sagen, wenn wir uns und die Kinder taufen lassen. . . Das gibt (für den Juden) auch Konflikte, A'ielleicht mehr als ihm beschieden sind, wenn er bleibt, was er ist und nicht etwas anderes scheinen will, als wozu ihn der liebe Gott nun einmal geschaffen hat. Aber wenn er auch wirklich alle Konflikte als Ueberläul'er vermeiden würde, wenn er, oder doch seine Kinder ein bequemeres Leben führen würden als getaufte Juden: ist denn das bequeme Leben wirklich so erstrebenswert., class .man um seinetwillen alle moralischen Bedenken fallen lassen sollte? Ich denke nein! Ich meine gerade das Gegenteil sei richtig!" Man kann gegen die in gewissen Kreisen eingerissene Charakterlosigkeit nicht nachdrücklicher protestieren, als Sombart das tut. Um dieser prächtigen Worte willen sei ihm; alles Böse, das er gegen uns sagt, verziehen! Und ferner: „Dass die heutigen Staatsmänner nicht in allen Fällen die Kunst besitzen, auch über die volklich gesonderten Gruppen in Frieden zu herrschen, beweist nur ihre Unfähigkeit, aber nicht die f Unmöglichkeit, sehr verschiedene Völker, die auch ahre Eigenart pflegen und erhalten wollen, in einem Staatswesen z li vereinigen."' Es gehört nicht geringer sittlicher Mut dazu, dies heutzutage auszusprechen. „Warum können diese Juden (die sich die besten Schätze der deutschen Kultur angeeignet) nicht auch aufrechte Juden sein und bleiben, die zu allem, was die Deutschen besitzen, noch überdies den Stolz in sich tragen, einem Volke anzugehören, dessen Schicksal über dem aller Völker an Grösse und Tiefe erhaben ist?"' „Die Juden werden nicht Offiziere, und nur in den seltensten Fällen ordentliche Professoren. Darauf kann man mit der hübschen jüdischen Redensart antworten: Wichtigkeit! . . Ein aufrechter Charakter bleiben und etwas Tüchtiges leisten ist doch am Ende wichtiger, als Karriere machen, zumal, wenn man zu dem Zweck sich und sein Volkstum verleugnen muss." Es ist schmerzlich, dass wir auf Sombart warten mussten, um das zu hören. Warum haben uns unsere „Führer" das nicht längst gesagt? In der Tab, der Schrei nach dem Reserveleutnant muss endlich verstummen. Ein rechter Mann darf nur das Recht erstreben, für eine gute Sache sterben zu dürfen. Und dazu hat auf dem Schlachtfelde der ganz geineine Soldat eher Gelegenheit als der Offizier. Wir wollen uns bemühen, eine Aristokratie der Leistung herauszubilden, so weit unsere Kräfte reichen, alles andere ist Nebensache. — Es ist ein alter jüdischer Grundsatz, class von allem, was Mensehen tun und reden, das Gute bleibt, das Böse aber vom Winde verweht wird. Wir wollen das Gute in Sombarts Reden und Schriften verwahren. Aber das darf uns nicht hindern, das was er uns als jüdische Religion und jüdische Psyche aufgetischt hat, genau zu analysieren und auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen. ADOLF EDUARD HERSTEIN. Von Emil Pottner. Eines Abends, vor vier Jahren ungefähr, läutete es höchsten Grade geer noch spät an meiner Wohnung, ich mache auf und vor zubilden. — Es war mir steht Herstein. Fünfzehn Jahre hatte ich von ihm mus in Deutschland, weder gehört noch gesehen. Ich glaubte ihn tief in Polen. Damals vor 20 Jahren trat er zum erstenmal in mein Leben. Wir bestanden zusammen als junge Bürschchen die Aufnahmeprüfung für die Münchener Akademie, und das war unsere erste glorreiche Aktion. Soll ich erzählen, dass seine Persönlichkeit, ein gewisser Ernst verbunden mit Gutmütigkeit, Eindruck auf mich machte. Man kann sich vorstellen, wie wir zwei, bis dahin in der Sorgfalt unserer Eltern gehegt, uns auf die Kunst stürzten und auf das Leben, das, man kann sagen was man will, in München damals im A. E. Herstein. Phot. Eva Mey gnet war, Persönlichkeiten herausdie Zeit des einsetzenden Naturalis- Zola in der Literatur und in der Malerei Manetund der ganze Freundeskreis übten eine tiefgehende Wirkung auf das junge Deutschland aus und zogen tiefe Furchen durch das deutsche Geistesleben. Courbet und andere verdankten ihren Erfolg ihrer gesunden Kunst. In Deutschland wurde der Romantik der Garaus gemacht und man fing au zu verstehen, dass Liebermann, Leibi, Trübner und andere, Grosse in der Kunst seien. Allen anderen voraus waren wir Jungen gesegnet, das Prophetentum dieser Männer zu fühlen. Der Same in unsere empfindlichen Seelen gesenkt, fing an zu treiben.

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